Ocriplasmin (2) – Jetrea®

Vitreomakuläre Traktion

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.10.2018 – Zulassung: 13.03.2013
Beschluss 04.04.2019
Wirkstoff Ocriplasmin
Handelsname Jetrea®
Pharm. Unternehmer Dossier: Oxurion NV
Neuer Inverkehrbringer: Inceptua AB
G-BA Vorgangsnummer D-399
ATC-Code S01XA22 Andere Ophthalmika (S01XA)
ICD-10 Codes (AIS) H35.38Sonstige Degeneration der Makula und des hinteren Poles
Alpha-ID Codes (AIS) I129458Vitreomakuläre Traktion
DDD Tagesdosis 1 E intravitreal
Therapeutisches Gebiet Augenerkrankungen Vitreomakuläre Traktion (VMT)
Grund des Verfahrens Neubewertung: Ablauf Befristung
Ursprünglicher Beschluss: Ocriplasmin (1) (17.10.2013)

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Jetrea® wird zur Behandlung der vitreomakulären Traktion (VMT) bei Erwachsenen angewendet, auch im Zusammenhang mit einem Makulaloch kleiner oder gleich 400 Mikrometer.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene Patienten mit vitreomakulärer Traktion und leichter Symptomatik (z.B. geringe Visusverschlechterung, geringfügige Sehstörung, keine Progression der Symptomatik) Beobachtendes Abwarten
b) Erwachsene mit vitreomakulärer Traktion und schwerer Symptomatik (z.B. progrediente Visusverschlechterung, progrediente Netzhautveränderungen, progrediente Sehstörungen) Pars-plana-Vitrektomie

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
5 (TG-MV-006, TG-MV-007, TG-MV-004, J-12-075; TG-MV-014)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Krankheitsstadium

  • Klinische Studien
    • Bei allen fünf Studien handelt es sich jeweils um randomisierte, doppelblinde, kontrollierte, multizentrische Studien.
    • Eingeschlossen wurden Patienten mit einer symptomatischen fokalen vitreomakulären Adhäsion, die der VMT entspricht.
    • Es erfolgte eine randomisierte Zuteilung auf zwei Studienarme. Patienten im Interventionsarm erhielten eine einmalige intravitreale Injektion mit Ocriplasmin, während im Kontrollarm eine einmalige Injektion von Placebo (Studien TG-MV-006 und TG-MV-007) bzw. eine Scheininjektion (Studien TG-MV-004, J-12-075, OASIS) durchgeführt wurde.

a) Erwachsene mit vitreomakulärer Traktion und leichter Symptomatik (z. B. geringe Visusverschlechterung, geringfügige Sehstörung, keine Progression der Symptomatik)

  • Für erwachsene Patienten mit vitreomakulärer Traktion und leichter Symptomatik liegt für Ocriplasmin gegenüber dem beobachtenden Abwarten ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vor.
  • Insgesamt wird aus diesen Erwägungen heraus der Zusatznutzen von Ocriplasmin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie beobachtendes Abwarten zur Behandlung der vitreomakulären Traktion (VMT) bei Erwachsenen mit leichter Symptomatik als gering eingestuft.
  • Die beschriebenen Unsicherheiten rechtfertigen in der Gesamtschau eine Einstufung der Aussagesicherheit auf einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen.
  • Mortalität
    • Es zeigt sich weder in der Metaanalyse zu Monat 6, noch in Studie TG-MV-014 zu Monat 24 ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Sehschärfe (Verbesserung der Sehschärfe um ≥ 2 Zeilen)
    • In der Metaanalyse zeigt sich zu Monat 6 ein statistisch signifikanter Vorteil gegenüber dem beobachtenden Abwarten zugunsten von Ocriplasmin [Metaanalyse: RR = 1,57 [95% KI: 1,23; 2,01]; p = 0,007].
    • Aus den Auswertungen der Studie OASIS zu Monat 24 lässt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Ocriplasmin und dem beobachtenden Abwarten ableiten [RR = 1,24 [95% KI: 0,91; 1,71]; p = 0,114].
  • Morbidität - Vitrektomie
    • Für den patientenrelevanten Endpunkt Vitrektomie zeigt sich zu Monat 6 in der Metaanalyse ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zum Vorteil von Ocriplasmin gegenüber dem beobachtenden Abwarten [Metaanalyse: RR = 0,78 [95% KI: 0,63; 0,95]; p=0,027].
    • Zu Monat 24 ist der Unterschied zwischen den Behandlungsarmen für den Endpunkt Vitrektomie (Studie OASIS) nicht statistisch signifikant [RR = 0,79 [95% KI: 0,62; 1,00]; p = 0,080].
  • Morbidität - Metamorphopsien
    • Derzeit ist unklar, ob dieses Diagnostikinstrument aufgrund der in der Literatur beschriebenen, niedrigen Sensitivität als hinreichend valide angesehen werden kann.
    • Auch war die valide Erhebung des Endpunktes in der Studie nicht sichergestellt (keine verpflichtende Erhebung im Studienprotokoll vorgesehen), so dass für diesen patientenrelevanten Endpunkt für die Nutzenbewertung weder zu Monat 6, noch zu Monat 24 verwertbare Daten vorliegen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - NEI VFQ-25 (Veränderung um > 3,6 Punkte, Veränderung um ≥ 5 Punkte)
    • In der Metaanalyse zeigt sich zu Monat 6 ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Ocriplasmin [Metaanalyse: MD = 2,76 [95% KI: 0,75; 4,76]; p=0,019; Hedges’ g: 0,25 [0,06; 0,45]].
    • Die Responderanalysen zeigen für den NEI VFQ-25 Gesamtscore für eine Veränderung um > 3,6 Punkte in der Metaanalyse zu Monat 6 einen statistisch signifikanten Vorteil zugunsten von Ocriplasmin gegenüber dem beobachtenden Abwarten [Metaanalyse: RR = 1,33 [95% KI: 1,01; 1,75]; p=0,044].
    • Auch die Responderanalysen zur im Studienprotokoll präspezifizierten MID von 5 Punkten zeigen für eine Veränderung um ≥ 5 Punkte für den NEI VFQ-25 Gesamtscore in der Metaanalyse zu Monat 6 einen statistisch signifikanten Vorteil zugunsten von Ocriplasmin gegenüber dem beobachtenden Abwarten [Metaanalyse: RR = 1,38 [95% KI: 1,10; 1,72]; p=0,016].
    • Zu Monat 24 sind aufgrund des hohen Anteils der in der Auswertung der Studie OASIS unberücksichtigt gebliebenen Patienten (> 30 %) die Ergebnisse nicht verwertbar. Hilfsweise werden daher für die Lebensqualität die Ergebnisse zu Monat 12 für die Nutzenbewertung herangezogen.
    • Die Responderanalysen für den NEI VFQ-25 Gesamtscore zeigen in der Studie OASIS zu Monat 12 weder für eine Veränderung um > 3,6 Punkte, noch für eine Veränderung um ≥ 5 Punkte einen statistisch signifikanten Vor- oder Nachteil für Ocriplasmin gegenüber dem beobachtenden Abwarten.
  • Nebenwirkungen - SUE
    • Für den Endpunkt SUEs zeigt sich weder in der Metaanalyse zu Monat 6, noch in der Studie OASIS zu Monat 24 ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Gesamtbewertung
    • Zusammenfassend bestätigen sich zu Monat 6 auf Basis der Metaanalyse in der Endpunktkategorie Morbidität für die Endpunkte Verbesserung der Sehschärfe und Vitrektomie die in der Erstbewertung 2013 gesehenen statistisch signifikanten Vorteile zugunsten von Ocriplasmin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie beobachtendes Abwarten.
    • Zu Monat 24 hingegen zeigen sich in der Studie OASIS weder für die Verbesserung der Sehschärfe, noch für die Vitrektomie statistisch signifikante Unterschiede zwischen Ocriplasmin und dem beobachtenden Abwarten.
    • In der Kategorie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ergibt sich unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Responderanalysen zu Monat 6 ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Ocriplasmin gegenüber dem beobachtenden Abwarten, zu Monat 12 lässt kein statistisch signifikanter Vorteil für Ocriplasmin ableiten.
    • Im Hinblick auf das Nebenwirkungsprofil lassen sich zu Monat 6 in der Metaanalyse statistisch signifikante Nachteile für Ocriplasmin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie beobachtendes Abwarten ableiten. Diese statistisch signifikanten Unterschiede zuungunsten von Ocriplasmin bleiben zu Monat 24 erhalten.
    • In der Gesamtschau zeigen sich zu Monat 6 für Ocriplasmin gegenüber dem beobachtenden Abwarten Vorteile in den Endpunkten „Vitrektomie“ und „Verbesserung der Sehschärfe“, sowie in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, die sich nach 12 bzw. 24 Monaten nicht statistisch signifikant bestätigen. Sowohl zu Monat 6, als auch zu Monat 24 liegen bei den Nebenwirkungen statistisch signifikante Unterschiede zuungunsten von Ocriplasmin vor.

b) Erwachsene mit vitreomakulärer Traktion und schwerer Symptomatik (z. B. progrediente Visusverschlechterung, progrediente Netzhautveränderungen, progrediente Sehstörungen)

  • Für erwachsene Patienten mit vitreomakulärer Traktion und schwerer Symptomatik ist der Zusatznutzen für Ocriplasmin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
  • Für die Patientenpopulation erwachsener Patienten mit vitreomakulärer Traktion und schwerer Symptomatik wurde seitens des pharmazeutischen Unternehmers keine Studie vorgelegt, die für die Bewertung des Zusatznutzens von Ocriplasmin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie geeignet gewesen wäre.

Zugehörige Verfahren

Ocriplasmin (2) Jetrea® Oxurion NV Augenerkrankungen Vitreomakuläre Traktion 1.160–16.500 94% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Ocriplasmin (1) Jetrea® ThromboGenics NV / Alcon Pharma GmbH Augenerkrankungen Vitreomakuläre Traktion 0
9.970–39.300
95% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen aufgehoben


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