Ocriplasmin (1) – Jetrea®

Vitreomakuläre Traktion

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.05.2013 – Zulassung: 13.03.2013
Beschluss 17.10.2013 aufgehoben
Befristung bis 15.10.2018
Wirkstoff Ocriplasmin
Handelsname Jetrea®
Pharm. Unternehmer Dossier: ThromboGenics NV / Alcon Pharma GmbH
Neuer Inverkehrbringer: Inceptua AB
G-BA Vorgangsnummer D-066
ATC-Code S01XA22 Andere Ophthalmika (S01XA)
DDD Tagesdosis 1 E intravitreal
Therapeutisches Gebiet Augenerkrankungen Vitreomakuläre Traktion (VMT)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Aufgehoben durch: Ocriplasmin (2) (04.04.2019)

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Jetrea® wird zur Behandlung der vitreomakulären Traktion (VMT) bei Erwachsenen angewendet, auch im Zusammenhang mit einem Makulaloch kleiner oder gleich 400 Mikrometer.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Behandlung der vitreomakulären Traktion (VMT) bei Erwachsenen: Patienten mit leichter Symptomatik Beobachtendes Abwarten
b) Behandlung der vitreomakulären Traktion (VMT) bei Erwachsenen: Patienten mit schwerer Symptomatik Pars-plana-Vitrektomie

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
3 (TG-MV-004, TG-MV-006, TG-MV-007)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Krankheitsstadium

  • Klinische Studien
    • Die vom pharmazeutischen Unternehmer im Dossier vorgenommene Darstellung des Zusatznutzens der Gruppe „Patienten/innen mit einer vitreomakulären Traktion mit leichter Symptomatik“ basiert auf drei randomisiert kontrollierten klinischen Studien (TG-MV-004, TG-MV-006, TG-MV-007).
    • In den Kontrollgruppen der Studien TG-MV-006 (Ocriplasmin N=219; Kontrolle N=107) und TG-MV-007 (Ocriplasmin N= 245; Kontrolle N=81) erhielten die Teilnehmer eine Injektion einer Placebolösung in den Glaskörper.
    • In der Studie TG-MV-004 erhielten die Teilnehmer der Vergleichsgruppe eine Schein-Injektion.

a) Patienten mit einer vitreomakulären Traktion mit leichter Symptomatik

  • Zur Behandlung der vitreomakulären Traktion mit leichter Symptomatik liegt für Ocriplasmin ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.
  • Deshalb wird die Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens – trotz des Vorhandenseins dreier RCTs – als Anhaltspunkt gewertet.
  • Der G-BA stuft das Ausmaß des Zusatznutzens von Ocriplasmin für die Gruppe „Patienten/innen mit einer vitreomakulären Traktion mit leichter Symptomatik“ auf Basis der Kriterien in § 5 Absatz 7 der AM-NutzenV unter Berücksichtigung des Schweregrades der Erkrankung und des therapeutischen Ziels bei der Behandlung der Erkrankung als beträchtlich ein.
  • Mortalität (Gesamtmortalität)
    • Für den Endpunkt Mortalität war das Ergebnis der Meta-Analyse zum Vergleich von Ocriplasmin mit „beobachtendem Abwarten“ nicht statistisch signifikant.
  • Morbidität - Besserung der Sehschärfe ≥ 2 Zeilen (10 Buchstaben ETDRS)
    • Für den Endpunkt Besserung der Sehschärfe wurde eine Responderauswertung mit einer Schwelle von ≥ 2 Zeilen (entsprechend 10 Buchstaben ETDRS) herangezogen.
    • Das Ergebnis der Meta-Analyse zum Vergleich von Ocriplasmin mit „beobachtendem Abwarten“ war statistisch signifikant zugunsten von Ocriplasmin (RR 1,81; KI [1,26; 2,58]; ARR 12,4 %).
    • Im G-BA bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes „Verbesserung der Sehschärfe > 2 Zeilen“ unterschiedliche Auffassungen.
    • Eine dem Endpunkt maßgeblich zugrunde liegende Publikation zur Validierung der klinischen Relevanz (Koch et al. 2012) wurde an einem von der Zulassung von Ocriplasmin abweichenden Patientenklientel mit dem Krankheitsbild „Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD)“ und mit einer schlechteren Ausgangssehschärfe von durchschnittlich 55 Buchstaben ETDRS durchgeführt.
    • Es liegen im G-BA kontroverse Auffassungen hinsichtlich eines möglichen Einflusses der Ausgangssehschärfe auf die Minimal Important Difference der klinischen Relevanz des Endpunktes „Verbesserung der Sehschärfe > 2 Zeilen“ vor.
  • Morbidität - Vitrektomie
    • Für den Endpunkt Vitrektomie wurde der Anteil Patienten erhoben, die nach Ermessen des Untersuchers im Laufe der Studie eine Pars-plana-Vitrektomie erhielten.
    • Das Ergebnis der Meta-Analyse zum Vergleich von Ocriplasmin mit „beobachtendem Abwarten“ war statistisch signifikant zugunsten von Ocriplasmin (RR 0,63; KI [0,46; 0,88]; ARR 9,9 %).
    • Bezüglich der Bewertung von Subgruppenmerkmalen liegt ein Hinweis auf eine Effektmodifikation durch das Merkmal Ausgangssehschärfe (in Buchstaben ETDRS) vor.
    • Im Ergebnis der Subgruppenanalyse zeigte sich in der Meta-Analyse ein statistisch signifikanter Effekt bei den Patienten mit einer Ausgangssehschärfe > 60 Buchstaben ETDRS (leichte Sehbeeinträchtigung; Ocriplasmin N=311; Kontrolle N=133); (RR 0,44; KI [0,27; 0,72]; ARR 11,8 %). nicht aber bei denen mit einem Wert von 35 bis 60 (mittelschwere Sehbeeinträchtigung; Ocriplasmin N=138; Kontrolle N=56), (RR 0,85; KI [0,52; 1,37]).
    • Unklar ist, ob die Gabe von Ocriplasmin die Vitrektomie ersetzt oder hinausschiebt.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - NEI VFQ-25 (Responder)
    • Das Ergebnis der Meta-Analyse war für den Endpunkt gesundheitsbezogene Lebensqualität – erhoben mit dem NEI VFQ-25 Fragebogen – zum Vergleich von Ocriplasmin mit „beobachtendem Abwarten“ nicht signifikant.
  • Nebenwirkungen - Verschlechterung der Sehschärfe > 2 Zeilen (10 Buchstaben ETDRS)
    • Für den Endpunkt „Verschlechterung der Sehschärfe > 2 Zeilen (10 Buchstaben ETDRS)“ zeigte sich in der Meta-Analyse eine bedeutsame Heterogenität, die nicht erklärt werden kann.
    • Deshalb wird dieser Endpunkt für die Betrachtung des Zusatznutzens nicht herangezogen.
  • Nebenwirkungen - unerwünschte Ereignisse (UE) am Auge
    • Für den Endpunkt „unerwünschte Ereignisse am Auge“ wurden alle UE erfasst, die mit der Lokalisation „Auge“ kodiert waren.
    • Für diesen Endpunkt war das Ergebnis der Meta-Analyse zum Vergleich von Ocriplasmin mit beobachtendem Abwarten statistisch signifikant zuungunsten von Ocriplasmin (RR 1,23; KI [1,07; 1,40]; ARR -12,6 %).
    • Ein größerer Schaden von Ocriplasmin im Vergleich zum „beobachtenden Abwarten“ bei Patienten/innen mit leichter Symptomatik für den Endpunkt „unerwünschte Ereignisse am Auge“, der zu einer Herabstufung des Ausmaßes des Zusatznutzens bezüglich der Morbiditäts-bezogenen Endpunkte führen würde, wird jedoch als nicht belegt angesehen.
  • Gesamtbewertung
    • In der Gesamtbetrachtung liegt ein Zusatznutzen von Ocriplasmin für Patienten/innen mit einer vitreomakulären Traktion mit leichter Symptomatik gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie „beobachtendes Abwarten“ hinsichtlich des Endpunktes „Besserung der Sehschärfe ≥ 2 Zeilen (10 Buchstaben ETDRS)“ und des Endpunktes „Vitrektomie“ vor.
    • Bei der signifikanten Besserung der Sehschärfe um ≥ 2 Zeilen handelt es sich um eine Verringerung von nicht schwerwiegenden Symptomen.
    • Bei der Vitrektomie handelt es sich um einen invasiven Eingriff, der mit entsprechenden Risiken einhergeht. Daher wird die geringere Anzahl von Vitrektomien unter der Behandlung von Ocriplasmin im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie, durch die damit verbundene Minimierung von Komplikationen, als signifikante Abschwächung von schwerwiegenden Symptomen gewertet.
    • Somit wird in der Gesamtbetrachtung ein Zusatznutzen von Ocriplasmin für Patienten/innen mit einer vitreomakulären Traktion mit leichter Symptomatik „beobachtendes Abwarten“ festgestellt, dessen Ausmaß als beträchtlich eingestuft wird.

b) Patienten mit einer vitreomakulären Traktion mit schwerer Symptomatik

  • Für Patienten/innen mit einer vitreomakulären Traktion mit schwerer Symptomatik wurden die erforderlichen Nachweise vom pharmazeutischen Unternehmer nicht vollständig vorgelegt, der Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie gilt als nicht belegt (§ 35a Abs. 1 Satz 5 SGB V).

Zugehörige Verfahren

Ocriplasmin (2) Jetrea® Oxurion NV Augenerkrankungen Vitreomakuläre Traktion 1.160–16.500 94% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Ocriplasmin (1) Jetrea® ThromboGenics NV / Alcon Pharma GmbH Augenerkrankungen Vitreomakuläre Traktion 0
9.970–39.300
95% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen aufgehoben


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