Niraparib / Abirateronacetat (1) – Akeega®

Prostatakarzinom, metastasiert, kastrationsresistent, BRCA1/2-Mutationen, Chemotherapie nicht klinisch indiziert, Kombination mit Prednis(ol)on

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.11.2023 – Zulassung: 19.04.2023
Beschluss 02.05.2024
Wirkstoff Niraparib/Abirateronacetat
Handelsname Akeega®
Pharm. Unternehmer Janssen-Cilag GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-998
ATC-Code L01XK52 PARP-Inhibitoren (L01XK)
ICD-10 Codes (AIS) C61Bösartige Neubildung der Prostata
Alpha-ID Codes (AIS) I21708Metastasierendes Prostatakarzinom
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom (PC)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit ZVT-Änderung Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Akeega wird angewendet mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) und BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), bei denen eine Chemotherapie nicht klinisch indiziert ist.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) und BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die keine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben – Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist; nur für Patienten mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf der Erkrankung nach Versagen der Androgenentzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist) oder – Enzalutamid (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Chemotherapie mit Docetaxel fortschreitet; nur für Patienten mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf der Erkrankung nach Versagen der Androgenentzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist) oder – Olaparib als Monotherapie (nur für Patienten, deren Erkrankung nach vorheriger Behandlung, die eine neue hormonelle Substanz (new hormonal agent) umfasste, progredient ist) oder – Olaparib in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison oder Prednisolon
b) Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) und BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die bereits eine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben Patientenindividuelle Therapie unter Auswahl von – Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist), – Enzalutamid (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Chemotherapie mit Docetaxel fortschreitet) und – Olaparib als Monotherapie (nur für Patienten, deren Erkrankung nach vorheriger Behandlung, die eine neue hormonelle Substanz (new hormonal agent) umfasste, progredient ist) unter Berücksichtigung der Vortherapie(n)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (MAGNITUDE)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Vorbehandlung
ZVT-Änderung 10.10.2023 – Neue Therapiestandards

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer hat zur Nutzenbewertung Daten der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie MAGNITUDE vorgelegt, in der Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon gegenüber Placebo in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison oder Prednisolon verglichen wurde.

a) Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) und BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die keine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben

  • Im Ergebnis stellt der G-BA für Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung Erwachsener mit mCRPC und BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die keine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben, einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon fest.
  • Die Aussagesicherheit wird auf Grundlage der vorliegenden Nachweise somit in die Kategorie „Anhaltspunkt“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich in der bewertungsrelevanten Teilpopulation der Patienten, bei denen eine Chemotherapie nicht klinisch indiziert war, ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon im Vergleich zum Kontrollarm.
    • Das Ausmaß des erzielten Vorteils im Gesamtüberleben wird als eine deutliche Verbesserung bewertet.
    • In den Subgruppenanalysen für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich eine Effektmodifikation durch das Merkmal „vorherige taxanhaltige Chemotherapie“ (ja vs. nein; p = 0,029).
    • Der G-BA kommt in seiner Beurteilung dieser Subgruppenanalyse zu dem Ergebnis, dass die Interpretation dieser Effektmodifikation mit relevanten Unsicherheiten behaftet ist.
  • Morbidität - radiographisches progressionsfreies Überleben (rPFS)
    • Das rPFS war in der Studie MAGNITUDE operationalisiert als die Zeit vom Datum der Randomisierung bis zum Datum der radiologischen Progression oder bis zum Tod, je nachdem welches Ereignis zuerst auftrat.
    • Für das rPFS zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon.
    • Bei dem Endpunkt rPFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt.
  • Morbidität - Symptomatische Progression
    • Eine symptomatische Progression wird daher grundsätzlich als patientenrelevantes Ereignis erachtet.
    • Es verbleiben jedoch Unsicherheiten dahingehend, welche Ereignisse in der Komponente „andere krebsbedingte Eingriffe“ erfasst wurden.
    • Zudem wird die vom pharmazeutischen Unternehmer gewählte Operationalisierung (retrospektive Erfassung einer Intervention aufgrund einer Symptomatik) als unzureichend angesehen, um die Ereignisse der symptomatischen Progression hinreichend sensitiv zu erfassen.
  • Morbidität - Schmerz (BPI-SF)
    • Für den Endpunkt stärkster Schmerz, erhoben anhand des Item 3 des BPI-SF, zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Für den Endpunkt Beeinträchtigung durch Schmerz, erhoben anhand der Items 9a-g des BPI-SF, zeigt sich ebenfalls kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D Visuelle Analogskala)
    • Für den Endpunkt Gesundheitszustand, erhoben mit der EQ-5D VAS, zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in der Studie MAGNITUDE mittels des Instruments FACT-P erhoben.
    • Es zeigt sich für den Gesamtscore des FACT-P kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • Nahezu alle Patienten in der Studie MAGNITUDE haben ein unerwünschtes Ereignis erfahren.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE (SUE), schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3), Therapieabbrüche aufgrund von UE
    • Für die Endpunkte SUE, schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüche aufgrund von UE liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
  • Nebenwirkungen - Spezifische UE
    • Im Detail zeigt sich im Bereich der spezifischen UE ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon bezüglich des Endpunkts Anämie (schwere UE).
  • Gesamtbewertung
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon gegenüber Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon.
    • Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon bewirkt im Vergleich zu Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon eine Verlängerung des Gesamtüberlebens, die im Ausmaß als eine deutliche Verbesserung bewertet wird.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigt sich ein Vorteil für Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon beim Endpunkt symptomatische Progression.
    • Hinsichtlich der patientenberichteten Symptomatik, erhoben mittels der Messinstrumente BPI-SF und EQ-5D VAS, zeigen sich keine bewertungsrelevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
    • Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigen sich weder positive noch negative Effekte einer Behandlung mit Niraparib/Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon.
    • Bei den Nebenwirkungen ergeben sich keine für die Nutzenbewertung relevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen. Im Detail zeigt sich allein bei den spezifischen unerwünschten Ereignissen ein Nachteil beim Endpunkt Anämie (schwere UE).

b) Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) und BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die bereits eine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für die Behandlung Erwachsener mit vorbehandeltem metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, bei denen eine Chemotherapie nicht klinisch indiziert ist, liegen keine Daten vor, die eine Bewertung des Zusatznutzens ermöglichen.

Zugehörige Verfahren



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