Momelotinib (2) – Omjjara®

Myelofibrose

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.11.2025 – Zulassung: 25.01.2024
Beschluss 16.04.2026
Wirkstoff Momelotinib
Handelsname Omjjara®
Pharm. Unternehmer GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
G-BA Vorgangsnummer D-1259
ATC-Code L01EJ04 JAK-Inhibitoren (L01EJ)
ICD-10 Codes (AIS) C94.40Akute Panmyelose mit Myelofibrose: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C94.41Akute Panmyelose mit Myelofibrose: In kompletter Remission, C94.60Myelodysplastische und myeloproliferative Krankheit, nicht klassifizierbar: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C94.61Myelodysplastische und myeloproliferative Krankheit, nicht klassifizierbar: In kompletter Remission, D47.1Chronische myeloproliferative Krankheit, D47.4Osteomyelofibrose
Alpha-ID Codes (AIS) I116324Nicht klassifizierbare myelodysplastische Krankheit, I116326Nicht klassifizierbare myelodysplastische Krankheit in kompletter Remission, I18621Myelofibrose, I30544Akute Myelofibrose, I31136Akute Myelofibrose in kompletter Remission, I75744Chronische myeloproliferative Krankheit
ORPHAcodes (AIS) 86843Akute Myelofibrose,
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Orphan (Umsatzgrenze)
Grund des Verfahrens Neubewertung: Orphan Umsatz-Überschreitung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Omjjara wird angewendet zur Behandlung von krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptomen bei erwachsenen Patienten mit moderater bis schwerer Anämie, die an primärer Myelofibrose, Post-Polycythaemia Vera-Myelofibrose oder Post-Essentieller Thrombozythämie-Myelofibrose erkrankt sind, und die nicht mit einem Januskinase (JAK)-Inhibitor vorbehandelt sind oder die mit Ruxolitinib behandelt wurden.

Patientengruppe Indikation ZVT
b) Erwachsene mit moderater oder schwerer Anämie mit primärer Myelofibrose, Post- Polycythaemia-Vera-Myelofibrose oder Post-Essentielle-Thrombozythämie-Myelofibrose, die mit Ruxolitinib behandelt wurden; zur Behandlung krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptome − Fedratinib
a) Erwachsene mit moderater oder schwerer Anämie mit primärer Myelofibrose, Post- Polycythaemia-Vera-Myelofibrose oder Post-Essentielle-Thrombozythämie-Myelofibrose, die nicht mit Janus-Associated-Kinase-Inhibitoren (JAK-Inhibitoren) therapiert wurden; zur Behandlung krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptome − Ruxolitinib oder − Fedratinib

Studien und Ergebnisse

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer hat für die Nutzenbewertung Ergebnisse der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, Phase-III-Studie SIMPLIFY-1 vorgelegt, in welcher Momelotinib mit Ruxolitinib verglichen wurde.
    • Bei der Studie SIMPLIFY-2 handelt es sich um eine multizentrische, randomisierte, offene, Phase-III-Studie, in welcher Momelotinib gegenüber der besten verfügbaren Therapie (best available therapy, BAT) verglichen wurde.
    • Bei der ergänzend dargestellten Studie MOMENTUM handelt es sich um eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Phase-III-Studie, in welcher Momelotinib mit Danazol verglichen wurde.

a) Erwachsene mit moderater oder schwerer Anämie mit primärer Myelofibrose, Post-Polycythaemia-Vera-Myelofibrose oder Post-Essentielle-Thrombozythämie-Myelofibrose, die nicht mit Janus-Associated-Kinase-Inhibitoren (JAK-Inhibitoren) therapiert wurden; zur Behandlung krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptome

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • In der Gesamtschau wird für Momelotinib im Vergleich zu Ruxolitinib für Patientinnen und Patienten, die nicht mit JAK-Inhibitoren therapiert wurden, festgestellt, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist.
  • Mortalität
    • Der Endpunkt Gesamtüberleben war in der Studie SIMPLIFY-1 operationalisiert als Zeitspanne (in Monaten) von der ersten Dosierung in der verblindeten Behandlungsphase bis zum Tod unabhängig von der Todesursache.
    • Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Leukämische Transformation
    • Die leukämische Transformation ist in der Studie SIMPLIFY-1 operationalisiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum Auftreten einer leukämischen Transformation, definiert als Anstieg der Blastenzahl im Knochenmark von ≥ 20 % oder ein Blastenanzahl im peripheren Blut von ≥ 20 % in Verbindung mit einer absoluten Blastenzahl von ≥ 1 × 10/l für mindestens 2 Wochen.
    • Die Ergebnisse der Studie SIMPLIFY-1 zeigen keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsarmen bei insgesamt nur einem beobachteten Ereignis.
  • Morbidität - Transfusionsfreiheit
    • Für die vorliegende Nutzenbewertung werden für die Transfusionsfreiheit post hoc Auswertungen zum Anteil an Patientinnen und Patienten, die über den gesamten Beobachtungszeitraum der randomisierten kontrollierten Behandlungsphase von 24 Wochen keine Transfusion mit Erythrozytenkonzentraten erhielten, dargestellt.
    • Aufgrund der voranstehend genannten relevanten Unsicherheiten, werden die Ergebnisse der SIMPLIFY-1 als nicht ausreichend belastbar bewertet, um hieraus einen Zusatznutzen abzuleiten.
  • Morbidität - Symptomatik mittels Myeloproliferative Neoplasm Symptom Assessment Form (MPN-SAF)
    • Die Symptomatik wurde in der Studie SIMPLIFY-1 anhand des MPN-SAF zu Baseline und anschließend in einem 4-Wochen Rhythmus erhoben.
    • Bei den einzelnen Items der MPN-SAF zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Brief Fatigue Inventory (BFI)
    • Das Symptom „Fatigue“ wurde in der Studie SIMPLIFY-1 anhand des BFI erhoben.
    • Es zeigen sich keine Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Symptomatik mittels Patient Global Impression of Change (PGIC)
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt im Dossier Responderanalysen zu jeglicher Verbesserung („sehr stark verbessert“ bis „leicht verbessert“) und jeglicher Verschlechterung („leicht verschlechtert“ bis „sehr stark verschlechtert“) zu Woche 24 vor.
    • Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - EQ-5D VAS
    • Der Gesundheitszustand wurde in der Studie SIMPLIFY-1 anhand der visuellen Analogskala (VAS) des EuroQoL-5-Dimensions (EQ-5D) erhoben.
    • Es liegt kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsarmen vor.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Die Lebensqualität wird in der Studie SIMPLIFY-1 anhand des Short Form Health Survey Version 2 (SF-36v2) erhoben.
    • Bezüglich der Lebensqualität zeigt sich kein Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) und Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3)
    • Für SUE und schwere UE liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
  • Nebenwirkungen - Therapieabbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen (UE)
    • Für den Endpunkt Therapieabbrüche aufgrund von UE ergibt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten für Momelotinib gegenüber Ruxolitinib.
  • Nebenwirkungen - Spezifische unerwünschte Ereignisse
    • Im Detail zeigt sich bei den Ergebnissen zu schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) für den PT „Anämie“ ein statistisch signifikanter Effekt zugunsten von Momelotinib gegenüber Ruxolitinib.
    • Im PT „Übelkeit“ zeigt sich ein statistisch signifikanter Effekt zuungunsten von Momelotinib gegenüber Ruxolitinib.
  • Fazit zu Nebenwirkungen
    • In der Gesamtschau liegen in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen für SUE und schwere UE keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
    • Für den Endpunkt „Therapieabbrüche aufgrund von UE“ zeigt sich ein Nachteil von Momelotinib.
    • Aufgrund des Nachteils bei „Therapieabbrüche aufgrund von UEs“ wird insgesamt ein Nachteil in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen abgeleitet.
  • Gesamtbewertung
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigen sich hinsichtlich einer leukämischen Transformation keine relevanten Unterschiede bei allerdings nur 1 beobachteten Ereignis. In den Endpunkten zur Symptomatik (MPN-SAF, BFI, PGIC) sowie zum Gesundheitszustand (EQ-5D VAS) zeigen sich ebenfalls keine relevanten Unterschiede.
    • Hinsichtlich der Lebensqualität, die anhand des SF-36v2 erhoben wurde, lässt sich kein relevanter Unterschied feststellen.
    • Bezüglich der Endpunktkategorie Nebenwirkungen zeigen sich für die Gesamtrate der SUE und schweren UE keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen. Für „Therapieabbrüche aufgrund von UE“ liegt ein Nachteil von Momelotinib vor. Aufgrund des Nachteils bei „Therapieabbrüche aufgrund von UEs“ wird insgesamt ein Nachteil in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen abgeleitet.
    • In der Gesamtschau wird für Momelotinib im Vergleich zu Ruxolitinib für Patientinnen und Patienten, die nicht mit JAK-Inhibitoren therapiert wurden, festgestellt, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist.

b) Erwachsene mit moderater oder schwerer Anämie mit primärer Myelofibrose, Post-Polycythaemia-Vera-Myelofibrose oder Post-Essentielle-Thrombozythämie-Myelofibrose, die mit Ruxolitinib behandelt wurden; zur Behandlung krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptome

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Somit sind die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Studien SIMPLIFY-2 und MOMENTUM nicht zum Nachweis des Zusatznutzens von Momelotinib geeignet. Ein Zusatznutzen von Momelotinib zur Behandlung von Erwachsene mit moderater oder schwerer Anämie mit primärer Myelofibrose, Post-Polycythaemia-Vera-Myelofibrose oder Post-Essentielle-Thrombozythämie-Myelofibrose, die mit Ruxolitinib behandelt wurden, ist somit nicht belegt.
  • Die in den Vergleichsarmen der Studien SIMPLIFY-2 und MOMENTUM eingesetzten Therapieoptionen entsprechen nicht der vom G-BA bestimmten zweckmäßigen Vergleichstherapie.

Zugehörige Verfahren

Momelotinib (2) Omjjara® GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG Onkologische Erkrankungen Myelofibrose 680–2.680 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Momelotinib (1) Omjjara® GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG Onkologische Erkrankungen Myelofibrose 0
210–1.160
50% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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