Casirivimab / Imdevimab (1) – Ronapreve®

Postexpositionsprophylaxe einer COVID-19 Infektion, ≥ 12 Jahre

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.04.2022 – Zulassung: 12.11.2021
Beschluss 06.10.2022 aufgehoben
Wirkstoff Casirivimab/Imdevimab
Handelsname Ronapreve®
Pharm. Unternehmer Roche Pharma AG
G-BA Vorgangsnummer D-809
ATC-Code J06BD07 Antivirale monoklonale Antikörper (J06BD)
ICD-10 Codes (AIS) J06.9Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet, Z20.8Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten, Z20.9Kontakt mit und Exposition gegenüber nicht näher bezeichneter übertragbarer Krankheit
Alpha-ID Codes (AIS) I4988Akute Infektion der oberen Atemwege, I75055Kontakt mit Viruskrankheit a.n.k., I75350Kontakt mit übertragbarer Krankheit
Therapeutisches Gebiet Infektionskrankheiten COVID-19
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Ronapreve wird angewendet zur Prophylaxe von COVID-19 bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit mindestens 40 kg Körpergewicht.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene und Jugendliche mit einem Mindestkörpergewicht von 40 kg zur Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab keine ausreichende Wirksamkeit aufweist Beobachtendes Abwarten
b) Erwachsene und Jugendliche mit einem Mindestkörpergewicht von 40 kg und ohne vollständige Immunisierung zur Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist Beobachtendes Abwarten
c) Erwachsene und Jugendliche mit einem Mindestkörpergewicht von 40 kg und vollständiger Immunisierung zur Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist Beobachtendes Abwarten

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (Studie COV-2069)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Vorbehandlung, Sonstiges

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie COV-2069 handelt es sich um eine doppelblinde, randomisierte, Placebokontrollierte Phase-III-Studie zur Untersuchung einer Prävention mit Casirivimab/Imdevimab bei asymptomatische Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern, die im eigenen Haushalt Kontakt zu einer an SARS-CoV-2 infizierten Person (Indexfall mit positivem SARS-CoV-2-Test) hatten.

a) Erwachsene und Jugendliche mit einem Mindestkörpergewicht von 40 kg zur Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab keine ausreichende Wirksamkeit aufweist.

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für Erwachsene und Jugendliche mit einem Mindestkörpergewicht von 40 kg nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab keine ausreichende Wirksamkeit anhand von in vitro Neutralisationstests aufweist, sind keine Aussagen zum Zusatznutzen einer Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 mit Casirivimab/Imdevimab möglich.
  • Für diese Patientenpopulation ist ein Zusatznutzen von Casirivimab/Imdevimab zur Post-Expositions-Prophylaxe gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie damit nicht belegt.

b) Erwachsene und Jugendliche mit einem Mindestkörpergewicht von 40 kg und ohne vollständige Immunisierung zur Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist.

  • Für Erwachsene und Jugendliche ohne vollständige Immunisierung nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist, liegt für die Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 mit Casirivimab/Imdevimab ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vor.
  • Mortalität
    • Für Erwachsene und Jugendliche ohne vollständige Immunisierung zeigt sich in der Studie COV-2069 für den Endpunkt Gesamtmortalität kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (Kohorte A und B).
  • Morbidität - Symptomatische SARS-CoV-2-Infektionen (breite Definition; CDC-Definition; mittels RT-qPCR-Test nachgewiesene SARS-CoV-2-Infektion)
    • In der Studie COV-2069 zeigt sich für den Endpunkt symptomatische SARS-CoV-2-Infektion (breite Definition) sowohl in Kohorte A, als auch in Kohorte B ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Casirivimab/Imdevimab.
    • Die Ergebnisse zwischen der CDC- und der breiten Definition sind für den Endpunkt symptomatische SARS-CoV-2-Infektion jeweils vergleichbar.
    • In Kohorte A zeigt sich außerdem dieser positive Effekt auch im ergänzend dargestellten Anteil der Personen mit positivem SARS-CoV-2 RT-qPCR-Test unabhängig von Symptomen.
  • Morbidität - Hospitalisierung aufgrund von COVID-19
    • In Kohorte A der Studie COV-2069 zeigt sich für den Endpunkt Hospitalisierung aufgrund von COVID-19 kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen, während sich in Kohorte B ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Casirivimab/Imdevimab ableiten lässt.
    • Im vorliegenden Anwendungsgebiet kurieren Patientinnen und Patienten milde und moderate Verläufe in der Regel in häuslicher Isolation aus, während eine Hospitalisierung in der Regel nur bei einer Verschlechterung der Symptomatik aufgrund von COVID-19 erfolgt. Daher kann eine Hospitalisierung im vorliegenden Fall als Annäherung an den klinischen Zustand einer Symptomverschlechterung angesehen werden.
  • Lebensqualität
    • Endpunkte zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in der Studie nicht erhoben.
  • Nebenwirkungen - SUEs und schwere UEs
    • Bei der Erhebung der schwerwiegenden UEs (SUEs) und der schweren UEs wurden in der Studie COV-2069 erkrankungsbezogene Ereignisse miterfasst. Es bleibt unklar, welche Ereignisse als erkrankungsbezogen eingestuft und dementsprechend in den Auswertungen nicht berücksichtigt wurden.
    • Basierend auf den Ergebnissen zu häufigen SUEs und häufigen schweren UEs werden angesichts des geringen Anteils an Personen mit Ereignis jedoch keine negativen Effekte von Casirivimab/Imdevimab in einem Ausmaß erwartet, welche den Zusatznutzen von Casirivimab/Imdevimab infrage stellen können.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UEs
    • In der Studie COV-2069 traten keine Abbrüche wegen UEs im Studienverlauf auf (Kohorte A und B).
  • Gesamtbewertung
    • Der Nutzenbewertung der Post-Expositions-Prophylaxe mit Casirivimab/Imdevimab liegt die doppelblinde, randomisierte, kontrollierte Studie COV-2069 zugrunde, bei der Casirivimab/Imdevimab gegenüber Placebo verglichen wurde.
    • In der Endpunktkategorie Mortalität zeigte sich im Gesamtüberlegen kein statistisch signifikanter Unterschied (Kohorte A und B). Für die Kategorie Mortalität lässt sich keine Aussage zum Zusatznutzen ableiten.
    • Für den Endpunkt symptomatische SARS-CoV-2-Infektion (breite Definition) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Casirivimab/Imdevimab (Kohorte A und B). Dieser Vorteil kann im Ausmaß nur als gering eingeschätzt werden, da durch die hier gewählten Operationalisierungen auch milde Symptome (z.B. Laufende Nase oder Niesen) eingeflossen sind. Insgesamt werden die in den Endpunkt symptomatische SARS-CoV-2 Infektion eingehenden Ereignisse als eher nicht schwerwiegend eingestuft.
    • Auch für den Endpunkt Hospitalisierung (in Kohorte B) lässt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Casirivimab/Imdevimab feststellen.
    • Obwohl die Gesamtraten von SUEs und schweren SUEs für die Bewertung der Nebenwirkungen von Casirivimab/Imdevimab nicht bewertbar sind, sind auf der Grundlage der Ergebnisse für häufige SUEs und häufige schwere SUEs angesichts des geringen Anteils von Personen mit Ereignissen keine Nebenwirkungen von Casirivimab/Imdevimab in einem Ausmaß zu erwarten, die den Zusatznutzen von Casirivimab/Imdevimab in Frage stellen könnten. Abbrüche wegen UE traten in der Studie nicht auf.
    • Zusammenfassend zeigen sich positive Effekte in der Kategorie Morbidität, denen keine negativen Effekte entgegenstehen.
    • In der Gesamtschau der Ergebnisse und primär auf Basis der positiven Effekte in dem Endpunkt Hospitalisierung aufgrund von COVID-19 wird für Erwachsene und Jugendliche ohne vollständige Immunisierung nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist, für die Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 mit Casirivimab/Imdevimab ein geringer Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie abgeleitet.
  • Aussagesicherheit (Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens)
    • Die Bewertung des Zusatznutzens erfolgt auf Basis der randomisierten, doppelblinden Studie COV-2069.
    • Das Verzerrungspotenzial wird für die vorgelegte Studie auf Studienebene als niedrig eingestuft. Auch das Verzerrungspotenzial der Ergebnisse auf Endpunktebene wird als niedrig eingestuft.
    • Ungeachtet dessen verbleiben Unsicherheiten hinsichtlich der Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf die aktuelle Versorgungssituation in Deutschland.
    • Insgesamt verbleiben daher relevante Unsicherheiten hinsichtlich der Übertragbarkeit auf den aktuellen deutschen Versorgungskontext, die in der Gesamtschau für die Aussagesicherheit die Ableitung eines Anhaltspunkts für einen Zusatznutzen rechtfertigen.

c) Erwachsene und Jugendliche mit einem Mindestkörpergewicht von 40 kg und vollständiger Immunisierung zur Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für Erwachsene und Jugendliche mit einem Mindestkörpergewicht von 40 kg und vollständiger Immunisierung zur Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 nach Exposition gegenüber Virusvarianten, für die Casirivimab/Imdevimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist, sind auf Basis der Studie COV-2069 keine Aussagen zum Zusatznutzen einer Post-Expositions-Prophylaxe von COVID-19 mit Casirivimab/Imdevimab möglich, da in der Studie ausschließlich Personen ohne Impfschutz untersucht wurden.
  • Für diese Patientenpopulation ist ein Zusatznutzen von Casirivimab/Imdevimab zur Post-Expositions-Prophylaxe gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie damit nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Casirivimab / Imdevimab (1) Ronapreve® Roche Pharma AG Infektionskrankheiten Postexpositionsprophylaxe einer COVID-19 Infektion, ≥ 12 Jahre n.d. 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen aufgehoben
Casirivimab / Imdevimab (2) Ronapreve® Roche Pharma AG Infektionskrankheiten COVID-19-Infektion, ≥ 12 Jahre n.d. 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen aufgehoben


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