Avatrombopag (1) – Doptelet®

Thrombozytopenie bei chronischer Lebererkrankung

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.04.2021 – Zulassung: 20.06.2019
Beschluss 16.09.2021
Wirkstoff Avatrombopag
Handelsname Doptelet®
Pharm. Unternehmer Swedish Orphan Biovitrum GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-648
ATC-Code B02BX08 Andere systemische Hämostatika (B02BX)
ICD-10 Codes (AIS) D69.57Sonstige sekundäre Thrombozytopenien, als transfusionsrefraktär bezeichnet, D69.58Sonstige sekundäre Thrombozytopenien, nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet, D69.59Sekundäre Thrombozytopenie, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I110408Alkoholische Thrombozytopenie, I98492Sekundäre Thrombozytopenie, I98500Transfusionsrefraktäre sekundäre Thrombozytopenie
DDD Tagesdosis 20 mg oral
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Thrombozytopenie
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Doptelet wird angewendet zur Behandlung einer schweren Thrombozytopenie bei erwachsenen Patienten mit chronischer Lebererkrankung, bei denen ein invasiver Eingriff geplant ist.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit einer schweren Thrombozytopenie aufgrund einer chronischen Lebererkrankung, bei denen ein invasiver Eingriff geplant ist Beobachtendes Abwarten

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (ADAPT-1, ADAPT-2)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja

  • Klinische Studien
    • Für die Nutzenbewertung legt der pharmazeutische Unternehmer eine Metaanalyse der Daten der abgeschlossenen, doppelblinden, randomisierten Studien ADAPT-1 und ADAPT-2 vor.
    • Die Studien ADAPT-1 und ADAPT-2 weisen ein identisches Studiendesign auf. In den Studien wurde Avatrombopag gegenüber Placebo verglichen.

Erwachsene mit einer schweren Thrombozytopenie aufgrund einer chronischen Lebererkrankung, bei denen ein invasiver Eingriff geplant ist

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Zusammenfassend ist ein Zusatznutzen von Avatrombopag gegenüber beobachtendem Abwarten nicht belegt.
  • Mortalität
    • Todesfälle wurden in den Studien ADAPT-1 und ADAPT-2 im Rahmen der Erhebung der unerwünschten Ereignisse erfasst.
    • In der Metaanalyse der Studien zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Ein Zusatznutzen von Avatrombopag für den Endpunkt Mortalität ist somit nicht belegt.
  • Morbidität - Patientinnen und Patienten ohne Transfusion
    • Der primäre Endpunkt der Studien ADAPT-1 und ADAPT-2 war der Anteil der Patientinnen und Patienten, die weder Thrombozytentransfusionen noch Rettungsmaßnahmen aufgrund von Blutungen nach Randomisierung bis zu 7 Tage nach einem geplanten Eingriff benötigten.
    • Bei der Betrachtung der Gesamtpopulation der Studien ADAPT-1 und ADAPT-2 zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Avatrombopag.
    • Aus den vorliegenden Patientencharakteristika und der Art der geplanten Eingriffe der Studien ADAPT-1 und ADAPT-2 geht allein nicht hervor, dass bei den in die Studien eingeschlossenen Patientinnen und Patienten eine prophylaktische Thrombozytentransfusion indiziert war.
    • Insgesamt wird unter Berücksichtigung der beschriebenen Gesichtspunkte anhand der Ergebnisse des Endpunktes „Patientinnen und Patienten ohne Transfusion“ kein Zusatznutzen abgeleitet.
  • Morbidität - Blutungen WHO-Grad ≥ 2
    • Für den Endpunkt Blutungen mit WHO-Grad ≥ 2 zeigt sich in der Metaanalyse der Studien kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
    • Ein Zusatznutzen von Avatrombopag für den Endpunkt Blutungen mit WHO-Grad ≥ 2 ist somit nicht belegt.
  • Lebensqualität
    • Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in den Studien ADAPT-1 und ADAPT-2 nicht erhoben.
  • Nebenwirkungen
    • Unerwünschte Ereignisse traten in den Studienarmen bei der ADAPT-1 Studie bei > 50 % und in der ADAPT-2 Studie bei > 40 % der Patientinnen und Patienten auf.
    • Bei den Endpunkten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) und Abbruch wegen UE liegen jeweils keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen vor.
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UE trat in der Studie ADAPT-2 kein Ereignis auf.
    • Für den Endpunkt thromboembolische Ereignisse zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen der Studie ADAPT-2. In der Studie ADAPT-1 trat kein Ereignis für diesen Endpunkt auf.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Avatrombopag wurde seitens des pharmazeutischen Unternehmers eine Metaanalyse der doppelblinden, randomisierten Phase III-Studien ADAPT-1 und ADAPT-2 zum Vergleich von Avatrombopag versus Placebo mit Ergebnissen zur Mortalität, Morbidität und zu Nebenwirkungen vorgelegt.
    • Für das Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied in der Metaanalyse.
    • Für den Endpunkt Blutungen mit WHO-Grad ≥ 2 zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied in der Metaanalyse. Ein Zusatznutzen von Avatrombopag für diesen Endpunkt ist somit nicht belegt.
    • Anhand der Ergebnisse des Endpunktes „Patientinnen und Patienten ohne Transfusion“ wird kein Zusatznutzen abgeleitet.
    • Für die Endpunkte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE), Abbruch wegen UE und thromboembolische Ereignisse zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Effekt von Avatrombopag. Ein Zusatznutzen von Avatrombopag gegenüber beobachtendem Abwarten in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen ist daher nicht belegt.
    • Zusammenfassend ist ein Zusatznutzen von Avatrombopag gegenüber beobachtendem Abwarten nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Avatrombopag (1) Doptelet® Swedish Orphan Biovitrum GmbH Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Thrombozytopenie bei chronischer Lebererkrankung 1.790–24.130 100% Zusatznutzen nicht belegt
Avatrombopag (2) Doptelet® Swedish Orphan Biovitrum GmbH Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Immunthrombozytopenie 4.260–10.830 100% Zusatznutzen nicht belegt


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