Afamelanotid (1) – Scenesse®

Erythropoetische Protoporphyrie

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.02.2016 – Zulassung: 22.12.2014
Beschluss 04.08.2016 aufgehoben
Befristung bis 01.01.2021
Wirkstoff Afamelanotid
Handelsname Scenesse®
Pharm. Unternehmer Dossier: Clinuvel (UK) Limited
Neuer Inverkehrbringer: CLINUVEL EUROPE LIMITED
G-BA Vorgangsnummer D-218
ATC-Code D02BB02 Protektiva gegen UV-Strahlung zur systemischen Anwendung (D02BB)
DDD Tagesdosis 0.01 E Instillation
Therapeutisches Gebiet Stoffwechselkrankheiten Erythropoetische Protoporphyrie (EPP) Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Aufgehoben durch: Afamelanotid (2) (01.07.2021)
Regulatorischer Status Außergewöhnliche Umstände (EC)

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Scenesse wird angewendet zur Prävention von Phototoxizität bei erwachsenen Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie (EPP).

Patientengruppe Indikation ZVT
Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie (EPP) – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (CUV039)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • In der multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Studie CUV039 wurden 93 Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie eingeschlossen.

a) Prävention von Phototoxizität bei erwachsenen Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie (EPP)

  • Zusammenfassend wird der Zusatznutzen von Afamelanotid wie folgt bewertet: nicht quantifizierbar
  • Aufgrund der methodischen Limitationen der Studie sowie der insgesamt eingeschränkten Evidenzgrundlage stuft der G-BA das Ausmaß des Zusatznutzens für Afamelanotid auf Basis der Kriterien in § 5 Absatz 7 der AM-NutzenV unter Berücksichtigung des Schweregrades der Erkrankung, der schriftlichen Stellungnahmen und der mündlichen Anhörung als nicht quantifizierbar ein.
  • Ein Zusatznutzen liegt vor, ist aber nicht quantifizierbar, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine quantifizierbare Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens für patientenrelevante Endpunkte zum derzeitigen Zeitpunkt nicht zulässt.
  • Mortalität
    • In der Studie wurden keine Todesfälle beobachtet, Mortalität war kein Wirksamkeitsendpunkt.
    • Hinsichtlich der Mortalität kann aufgrund der vorliegenden Ergebnisse keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens hergeleitet werden.
  • Morbidität
    • Es wurde die ITT-Population mit 46 Patienten im Afamelanotid- und 43 Patienten im Placebo-Arm ausgewertet.
    • Primärer Endpunkt der Studie war die Zeit, die die Patienten im Sonnenlicht (zwischen 10:00 und 18:00 Uhr) verbringen konnten, an Tagen, an denen sie keine EPP-bedingten Schmerzen verspürten.
    • Es zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Afamelanotid. Patienten in diesem Arm verbrachten während der Studiendauer von insgesamt etwa 180 Tagen 24 Stunden länger (geschätzte Median-Differenz) in der Sonne als Patienten des Placebo-Arms.
    • Der Test auf patientenindividuelle Unterschiede in Minuten pro Studientag zwischen beiden Behandlungsarmen fiel dagegen statistisch nicht signifikant aus; numerisch besteht ein Vorteil von 8,8 Minuten pro Tag (geschätzte Median-Differenz) für die Patienten im Afamelanotid-Arm.
    • Die Zeit, die die Patienten im Sonnenlicht (zwischen 10:00 und 18:00 Uhr) verbringen konnten, an Tagen, an denen sie keine EPP-bedingten Schmerzen verspürten, wird als patientenrelevant eingeschätzt, da Schmerzen die vom Patienten wahrgenommenen Symptome bei bzw. nach Sonnenlichtexposition darstellen.
    • Die Validität des Patiententagebuchs kann jedoch nur mit Einschränkungen angenommen werden, da weder Pretest-Ergebnisse noch psychometrische Eigenschaften bekannt sind.
    • Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass – insbesondere bei subjektiv durch Tagebücher erhobenen Endpunkten – eine partielle Entblindung das Ergebnis zu Gunsten von Afamelanotid verzerrt.
    • Weitere Endpunkte, die ebenfalls die Komponenten Schmerz und Sonnenlichtexposition berücksichtigen, erreichten keine statistische Signifikanz.
    • Aufgrund der beschriebenen Unsicherheiten kann der Zusatznutzen von Afamelanotid auf Grundlage der Ergebnisse zur Morbidität nicht quantifiziert werden.
  • Lebensqualität
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt die Ergebnisse zweier Erhebungsinstrumente zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität in der Studie CUV039 vor.
    • Von diesen können allein die Daten des Dermatology Quality of Life Index (DLQI) für die Nutzenbewertung herangezogen werden.
    • Der Fragebogen ist für die Bewertung des Einflusses von Hauterkrankungen auf die Lebensqualität validiert und etabliert, jedoch ist eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie (EPP) fraglich.
    • Die Änderungen des Gesamtscores des DLQI fielen nach statistischer Adjustierung zwischen beiden Studienarmen nicht verschieden aus.
    • Als zweites Instrument zur Erhebung der Lebensqualität wurde der krankheitsspezifische EPP-Quality of Life (EPP-QoL)-Fragebogen eingesetzt. Zu diesem Fragebogen wurden keine Informationen zur psychometrischen Güte (Validität, Reliabilität, Änderungssensitivität) vorgelegt. Die Ergebnisse des Fragebogens können daher nicht zur Bewertung des Zusatznutzens herangezogen werden.
    • Auf der Grundlage der vorliegenden Ergebnisse zur Lebensqualität kann das Ausmaß des Zusatznutzens von Afamelanotid nicht quantifiziert werden.
  • Nebenwirkungen
    • Hinsichtlich der Parameter unerwünschte Ereignisse (UE), moderate oder schwere UE und der schwerwiegenden UE besteht bei Betrachtung der relativen Häufigkeiten jeweils ein Nachteil von Afamelanotid gegenüber Placebo.
    • Insgesamt treten in beiden Behandlungsarmen nur wenige schwerwiegende UE, keine Todesfälle und keine UE auf, die zum Abbruch der Studienmedikation führten.
    • Häufigste UE unter Afamelanotid waren Kopfschmerzen (40%), Übelkeit (19%) und Verfärbungen der Haut an der Implantationsstelle (19%).
    • Die Unterschiede zwischen beiden Armen wurden statistisch nicht getestet. Eine vergleichende Bewertung zum Ausmaß des Zusatznutzens ist auf dieser Grundlage nicht möglich.
  • Gesamtbewertung
    • Zusammenfassend lässt sich anhand der Mortalitäts-, Morbiditäts- und Nebenwirkungsdaten keine Quantifizierung des Zusatznutzens von Afamelanotid ableiten.
    • Die unsichere Evidenzlage, die sich aus dem hohen Verzerrungspotenzial der Studie ergibt, erschwert insgesamt die Interpretation der Daten.

Zugehörige Verfahren

Afamelanotid (2) Scenesse® Clinuvel (Europe) Limited Stoffwechselkrankheiten Erythropoetische Protoporphyrie 540–1.090 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan
Afamelanotid (1) Scenesse® Clinuvel (UK) Limited Stoffwechselkrankheiten Erythropoetische Protoporphyrie 0
540–1.090
100% nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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