Vortioxetin (1) – Brintellix®

Major Depression

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.05.2015 – Zulassung: 18.12.2013
Beschluss 15.10.2015
Wirkstoff Vortioxetin
Handelsname Brintellix®
Pharm. Unternehmer Lundbeck GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-162
ATC-Code N06AX26 Andere Antidepressiva (N06AX)
ICD-10 Codes (AIS) F32.2Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, F32.3Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, F32.9Depressive Episode, nicht näher bezeichnet, F33.2Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, F33.3Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, F33.9Rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I2853Rezidivierende depressive Störung, I2863Rezidivierende depressive Störung als schwere Episode mit psychotischen Symptomen, I84891Einzelne Episode einer majoren Depression ohne psychotische Symptome, I84894Einzelne Episode einer majoren Depression mit psychotischen Symptomen, I85288Rezidivierende majore Depression ohne psychotische Symptome, I91669Majore depressive Episode
DDD Tagesdosis 10 mg oral
Therapeutisches Gebiet Psychische Erkrankungen Depression
Grund des Verfahrens Erstbewertung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Vortioxetin (Brintellix®) wird angewendet zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Leichte Episode einer Major Depression Beobachtendes Abwarten (zur Behandlung leichter depressiver Episoden ist in der Regel keine Arzneimitteltherapie erforderlich)
b) Mittelgradige Episode einer Major Depression Die Arzneimitteltherapie erfolgt, sofern indiziert, mit einem Antidepressivum aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
c) Schwere Episode einer Major Depression Die Arzneimitteltherapie erfolgt, sofern indiziert, mit einem Antidepressivum aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Eine psychotherapeutische Behandlung soll angeboten werden

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (2 US studien)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. Nicht-ZVT + kein indirekter Vergleich
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Krankheitsstadium

  • Klinische Studien
    • Die Studie LuAA21004_318 beinhaltet einen randomisierten, doppelblinden direkten Vergleich zwischen Vortioxetin und dem SSRI Escitalopram.

a) Leichte Episode einer Major Depression

  • Ein Zusatznutzen gilt als nicht belegt.
  • Nach dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnis ist eine medikamentöse therapeutische Intervention in der Krankheitssituation „leichte Episode einer Major Depression“ medizinisch in der Regel nicht indiziert.
  • Da diese Patienten in den vorgelegten Studien nicht untersucht wurden, liegen keine Daten zur Bewertung des Zusatznutzens von Vortioxetin bei leichten Episoden einer Major Depression vor.

b) Mittelgradige Episode einer Major Depression

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für den Nachweis eines Zusatznutzens bei mittelgradiger und schwerer Episode einer Major Depression gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie hat der pharmazeutische Unternehmer aus der Wirkstoffklasse der SSRI den Wirkstoff Citalopram gewählt.
  • Aufgrund des methodisch nicht nachvollziehbaren Vorgehens bei der Auswahl von Studien für den indirekten Vergleich sind die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Auswertungen nicht für die Ableitung eines Zusatznutzens von Vortioxetin im Vergleich zu Citalopram verwertbar.
  • Insgesamt ist daher der Zusatznutzen für die gesamte Behandlung einer Episode einer Major Depression nicht belegt.

c) Schwere Episode einer Major Depression

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für den Nachweis eines Zusatznutzen bei mittelgradiger und schwerer Episode einer Major Depression gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie hat der pharmazeutische Unternehmer aus der Wirkstoffklasse der SSRI den Wirkstoff Citalopram gewählt.
  • Aufgrund des methodisch nicht nachvollziehbaren Vorgehens bei der Auswahl von Studien für den indirekten Vergleich sind die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Auswertungen nicht für die Ableitung eines Zusatznutzens von Vortioxetin im Vergleich zu Citalopram verwertbar.
  • Insgesamt ist daher der Zusatznutzen für die gesamte Behandlung einer Episode einer Major Depression nicht belegt.
  • Nebenwirkungen - Sexuelle Dysfunktion
    • Die Studie zeigt keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen Vortioxetin und Escitalopram bezüglich der sexuellen Dysfunktion.
    • Zwar ergibt sich für die kontinuierlichen Daten des Fragebogens CSFQ-14 (Sexual Functioning Questionnaire Short-Form) ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (Gruppenunterschied für die mittlere Änderung vom Studienbeginn zu Woche 8 im Gesamtscore: 2,2; 95 %-KI [0,48–4,02], p = 0,013).
    • Aus der Beurteilung der Effektgröße auf Basis von Hedges´ g lässt sich aber nicht ableiten, dass der Effekt relevant ist, da das 95 %-Konfidenzintervall nicht vollständig oberhalb der Irrelevanzschwelle von 0,2 liegt (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,26, 95 %-KI [0,5–0,48], p = 0,016).
    • Responderanalysen der Patienten, die am Ende der Studie keine sexuelle Dysfunktion berichteten (OR 1,37; 95 %-KI [0,93–2,03]; p = 0,112) beziehungsweise der Patienten, die eine präspezifizierte, vom pU als relevant bezeichnete Verbesserung im Gesamtscore von ≥ 3 Punkten aufwiesen (OR 1,50; 95 %-KI [0,99–2,29]; p = 0,057) zeigten keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Aus der Studie LuAA21004_318 ergeben sich daher insgesamt keine Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen, insbesondere auch nicht für einen Zusatznutzen von Vortioxetin bei den sexuellen Nebenwirkungen einer antidepressiven medikamentösen Therapie mit SSRI.

Zugehörige Verfahren

Vortioxetin (1) Brintellix® Lundbeck GmbH Psychische Erkrankungen Major Depression 3.369.000–3.669.000 100% Zusatznutzen nicht belegt


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