Ublituximab (1) – Briumvi®

Schubförmige Multiple Sklerose

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.02.2024 – Zulassung: 31.05.2023
Beschluss 01.08.2024
Wirkstoff Ublituximab
Handelsname Briumvi®
Pharm. Unternehmer Neuraxpharm Arzneimittel GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-1036
ATC-Code L04AG14 IMMUNSUPPRESSIVA (L04A)
ICD-10 Codes (AIS) G35.10Multiple Sklerose mit vorherrschend schubförmigem Verlauf: Ohne Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, G35.11Multiple Sklerose mit vorherrschend schubförmigem Verlauf: Mit Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, G35.30Multiple Sklerose mit sekundär-chronischem Verlauf: Ohne Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, G35.31Multiple Sklerose mit sekundär-chronischem Verlauf: Mit Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, G35.9Multiple Sklerose, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I133733Multiple Sklerose mit sekundär-chronischem Verlauf, mit Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, I133735Multiple Sklerose mit vorherrschend schubförmigem Verlauf, mit Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, I98549Multiple Sklerose mit vorherrschend schubförmigem Verlauf, I98551Multiple Sklerose mit sekundär-chronischem Verlauf, I99339Multiple Sklerose
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Nervensystems Multiple Sklerose (MS) / Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD)
Grund des Verfahrens Erstbewertung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Briumvi wird angewendet für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben und keine Hinweise für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen Dimethylfumarat oder Diroximelfumarat oder Glatirameracetat oder Interferon beta-1a oder Interferon beta-1b oder Teriflunomid
b) Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben und Hinweise für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen, sowie Erwachsene, die trotz Behandlung mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie einen aktiven Krankheitsverlauf zeigen Eine patientenindividuelle Therapie unter Berücksichtigung der Krankheitsaktivität und Prognosefaktoren unter Auswahl folgender Wirkstoffe: Fingolimod, Natalizumab, Ocrelizumab, Ofatumumab, Ozanimod und Ponesimod

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (ULTIMATE I, ULTIMATE II)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Vorbehandlung

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer hat für die Nutzenbewertung Daten der doppelblinden randomisierten Phase-III-Studien ULTIMATE I und II vorgelegt, in denen Ublituximab gegenüber Teriflunomid verglichen wurde.

a) Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben und keine Hinweise für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen

  • Im Ergebnis stellt der G-BA somit einen geringen Zusatznutzen von Ublituximab gegenüber Teriflunomid bei Erwachsenen mit schubförmiger Multipler Sklerose, die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben und keine Hinweise für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen, fest.
  • In der Gesamtschau wird die Aussagesicherheit der Ergebnisse in die Kategorie „Hinweis“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Die Ergebnisse zur Gesamtmortalität beruhen auf den Auswertungen der Sicherheitserhebung. Insgesamt trat ein tödlich verlaufenes unerwünschtes Ereignis (UE) unter den mit Ublituximab behandelten Patientinnen und Patienten der Studie ULTIMATE I auf.
  • Morbidität - Bestätigte Krankheitsschübe
    • Für den Endpunkt bestätigte Krankheitsschübe, operationalisiert über die jährliche Schubrate, zeigt sich in der Metaanalyse ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Ublituximab.
    • Dabei liegt eine Effektmodifikation durch das Merkmal Geschlecht vor. Während sich für Frauen kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen nachweisen lässt, ergibt sich für Männer ein statistisch signifikanter Vorteil von Ublituximab.
  • Morbidität - Bestätigte Behinderungsprogression (EDSS-basiert)
    • Für den Endpunkt bestätigte Behinderungsprogression zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Schweregrad der Behinderung (Multiple Sclerosis Functional Composite [MSFC])
    • In der Metaanalyse zeigt sich für den MSFC-z-Score kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Fatigue (Fatigue Impact Scale [FIS])
    • In der Metaanalyse zum Gesamtscore des FIS zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Lebensqualität - Multiple Sclerosis Quality of Life 54 [MSQoL-54]
    • In der Metaanalyse zum Summenscore PHCS zeigt sich für Verbesserung und Verschlechterung jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Ublituximab.
    • Keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen zeigen sich hingegen in den Auswertungen zu Verbesserung und Verschlechterung des Summenscores MHCS.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs)
    • In den metaanalytischen Auswertungen zu SUEs zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Es liegt eine Effektmodifikation durch das Merkmal Geschlecht vor. Während sich für Frauen ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Ublituximab ableiten lässt, zeigen sich für Männer keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Schwere UEs und Therapieabbrüche aufgrund von UEs
    • Für die Endpunkte schwere UEs und Therapieabbrüche aufgrund von UEs zeigen sich in der Metaanalyse jeweils keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Spezifische UEs (Infusionsbedingte Reaktionen, erniedrigte Lymphozytenzahl)
    • Für die Endpunkte infusionsbedingte Reaktionen (UEs) und erniedrigte Lymphozytenzahl (schwere UEs) zeigen sich in der Metaanalyse jeweils statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen zum Nachteil von Ublituximab.
  • Nebenwirkungen - Infektionen und parasitäre Erkrankungen (SUEs)
    • Für den Endpunkt Infektionen und parasitäre Erkrankungen (SUEs) zeigt sich in der Metaanalyse kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Alopezie (UEs)
    • Für den Endpunkt Alopezie (UEs) zeigt sich in der Metaanalyse ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zugunsten von Ublituximab.
  • Gesamtbewertung
    • In der Gesamtschau zeigen sich somit Vorteile für den Endpunkt bestätigte Krankheitsschübe in der Kategorie Morbidität und für den körperlichen Summenscore des MSQoL-54 in der Kategorie Lebensqualität. Die beobachteten Vorteile spiegeln sich allerdings nicht in weiteren patientenrelevanten Endpunkten wie der Behinderungsprogression oder Fatigue wider und werden daher insgesamt im Ausmaß als gering eingeschätzt.
    • Hervorzuheben ist in der vorliegenden Patientenpopulation die beobachtete Effektmodifikation für das Merkmal Geschlecht. So konnte der gezeigte statistisch signifikante Vorteil im Endpunkt bestätigte Krankheitsschübe im Rahmen einer Subgruppenanalyse nur für Männer bestätigt werden, nicht jedoch für Frauen. Diese Effektmodifikation stellt sich darüber hinaus auch in der Kategorie der Nebenwirkungen im Endpunkt schwerwiegende unerwünschte Ereignisse dar: Hier ergibt sich für Männer kein statistisch signifikanter Unterschied, während sich für Frauen ein statistisch signifikanter Nachteil zeigt.

b) Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben und Hinweise für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen, sowie Erwachsene, die trotz Behandlung mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie einen aktiven Krankheitsverlauf zeigen

  • Der Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben und Hinweise für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen, sowie Erwachsene, die trotz Behandlung mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie einen aktiven Krankheitsverlauf zeigen, konnten keine geeigneten Studien für einen Vergleich von Ublituximab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie identifiziert werden.

Zugehörige Verfahren

Ublituximab (1) Briumvi® Neuraxpharm Arzneimittel GmbH Krankheiten des Nervensystems Schubförmige Multiple Sklerose 70.300–274.900 63% Hinweis auf geringer Zusatznutzen


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