Sotrovimab (1) – Xevudy®

COVID-19, ≥ 12 Jahre

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.05.2022 – Zulassung: 17.12.2021
Beschluss 03.11.2022
Wirkstoff Sotrovimab
Handelsname Xevudy®
Pharm. Unternehmer GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
G-BA Vorgangsnummer D-817
ATC-Code J06BD05 Antivirale monoklonale Antikörper (J06BD)
ICD-10 Codes (AIS) B34.2Infektion durch Coronaviren nicht näher bezeichneter Lokalisation, J06.9Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I130700Infektion durch Coronaviren a.n.k., I4988Akute Infektion der oberen Atemwege
Therapeutisches Gebiet Infektionskrankheiten COVID-19
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit ZVT-Änderung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Xevudy ist zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren und mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg) mit einer Coronavirus-Krankheit-2019 (coronavirus disease 2019, COVID-19) indiziert, die keine Sauerstoff-Supplementierung benötigen und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von COVID-19 haben.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen und bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht, bei einer Infektion mit einer Virusvariante, gegenüber der Sotrovimab eine deutlich reduzierte oder keine ausreichende Wirksamkeit aufweist Therapie nach ärztlicher Maßgabe
b) Erwachsene mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen und bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht, bei einer Infektion mit einer Virusvariante, gegenüber der Sotrovimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist Therapie nach ärztlicher Maßgabe
c) Jugendliche ab 12 bis < 18 Jahre mit mindestens 40 kg Körpergewicht mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen und bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht Therapie nach ärztlicher Maßgabe

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (COMET-ICE)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Patienten-Eignung, Alter
ZVT-Änderung 17.05.2022 – Änderung der wissenschaftlichen Erkenntnisse

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie COMET-ICE handelt es sich um eine placebokontrollierte, doppelblinde, randomisierte Studie zur ambulanten Behandlung mit Sotrovimab bei erwachsenen Patientinnen und Patienten im frühen Stadium der COVID-19-Erkrankung.

a) Erwachsene mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen und bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht, bei einer Infektion mit einer Virusvariante, gegenüber der Sotrovimab eine deutlich reduzierte oder keine ausreichende Wirksamkeit aufweist

  • Für die Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht und die Infektion mit einer Virusvariante erfolgt, gegenüber der Sotrovimab eine deutlich reduzierte oder keine ausreichende Wirksamkeit aufweist, ist der Zusatznutzen nicht belegt.
  • In der Studie COMET-ICE wurden ausschließlich Patientinnen und Patienten untersucht, die mit Virusvarianten infiziert waren, für die eine ausreichende Neutralisationsaktivität vorlag.
  • Sotrovimab zeigt gegenüber den zum Stand der Beschlussfassung in Deutschland alleinig zirkulierenden Omikron-Virusvarianten eine deutlich reduzierte Wirksamkeit (nachgewiesen anhand von in vitro Neutralisationstests). Aufgrund dieser deutlich reduzierten Wirksamkeit sind die in der Studie COMET-ICE beobachteten Effekte auf Patientinnen und Patienten, die mit den zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung kursierenden Virusvarianten Omikron BA.2, BA.2.12.1, BA.4 oder BA.5 infiziert sind, nicht übertragbar.
  • Daher ist für Erwachsene, die mit einer Virusvariante des SARS-CoV-2 infiziert sind, für die nachweislich oder aufgrund des aktuellen Pandemiegeschehens eine deutlich reduzierte oder keine ausreichende Neutralisationsaktivität von Sotrovimab vorliegt (derzeit Omikron-Virusvarianten), keine Aussage zum Zusatznutzen einer Behandlung von COVID-19 mit Sotrovimab möglich. Für diese Patientenpopulation (Patientenpopulation a) ist ein Zusatznutzen von Sotrovimab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.

b) Erwachsene mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen und bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht, bei einer Infektion mit einer Virusvariante, gegenüber der Sotrovimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist

  • Für die Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht und die Infektion mit einer Virusvariante erfolgt, gegenüber der Sotrovimab eine ausreichende Wirksamkeit aufweist, liegt ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen von Sotrovimab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtmortalität zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Sotrovimab.
  • Morbidität - Entwicklung einer schweren und/oder kritischen respiratorischen COVID-19 zu Tag 29
    • Für den Endpunkt Entwicklung einer schweren und/oder kritischen respiratorischen COVID-19 zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Sotrovimab.
  • Morbidität - Hospitalisierung beliebiger Dauer aufgrund nicht respiratorischer Komplikationen von COVID-19 zu Tag 29
    • Für den Endpunkt Hospitalisierung beliebiger Dauer aufgrund nicht respiratorischer Komplikationen von COVID-19 zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Hospitalisierung > 24 h aufgrund jeglicher Ursache
    • Bei der Hospitalisierung mit einer Mindestdauer > 24 h aufgrund jeglicher Ursache zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Sotrovimab.
  • Morbidität - Aufnahme auf eine Intensivstation aufgrund jeglicher Ursache zu Tag 29
    • Für den Endpunkt Aufnahme auf eine Intensivstation aufgrund jeglicher Ursache zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Sotrovimab.
  • Lebensqualität - SF-12 Hybrid
    • Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Auswertungen für den SF-12 Hybrid sind damit des Fragebogens für die vorliegende Nutzenbewertung nicht verwertbar.
  • Nebenwirkungen - SUEs, schwere UEs und Abbrüche wegen UEs
    • Für die Endpunkte SUEs und schwere UEs zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Es traten keine Ereignisse im Endpunkt Abbruch wegen UEs auf.
  • Nebenwirkungen - Infusionsbedingte Reaktionen (UEs und SUEs)
    • Für den Endpunkt infusionsbedingte Reaktionen (UEs) zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Es traten keine Ereignisse im Endpunkt infusionsbedingte Reaktionen (SUEs) auf.
  • Gesamtbewertung
    • In der Kategorie Mortalität zeigte sich für den Endpunkt Gesamtmortalität ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Sotrovimab.
    • In der Kategorie Morbidität zeigten sich für die Endpunkte „Entwicklung einer schweren und/oder kritischen respiratorischen COVID-19“, „Hospitalisierung > 24 h aufgrund jeglicher Ursache“ und „Aufnahme auf eine Intensivstation aufgrund jeglicher Ursache“ statistisch signifikante Vorteile zugunsten von Sotrovimab im Vergleich zum Kontrollarm.
    • Für den weiteren Endpunkt der Kategorie Morbidität, Hospitalisierung beliebiger Dauer aufgrund nicht respiratorischer Komplikationen von COVID-19, zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • In der Kategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität liegen für den Endpunkt SF-12 Hybrid zur gesundheitsbezogenen keine verwertbaren Daten vor.
    • Für die Endpunkte der Kategorie Nebenwirkungen zeigen sich weder Vor- noch Nachteile für Sotrovimab.
    • Zusammenfassend zeigen sich positive Effekte in den Kategorien Mortalität und Morbidität, denen keine negativen Effekte entgegenstehen. In der Gesamtschau der Ergebnisse auf Basis der positiven Effekte in den Endpunkten Gesamtmortalität, „Entwicklung einer schweren und/oder kritischen respiratorischen COVID-19“ und „Aufnahme auf eine Intensivstation aufgrund jeglicher Ursache“ wird für Erwachsene mit COVID-19-Erkrankung zur Behandlung von Infektionen mit einer Virusvariante, für die Sotrovimab eine ausreichende Neutralisierungsaktivität hat, ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber der Therapie nach ärztlicher Maßgabe abgeleitet.
  • Die Aussagesicherheit der Studienergebnisse für die vorliegende Fragestellung ist daher insgesamt reduziert. Insgesamt verbleiben daher relevante Unsicherheiten hinsichtlich der Übertragbarkeit auf den deutschen Versorgungskontext, die in der Gesamtschau für die Aussagesicherheit die Ableitung eines Anhaltspunkts für einen Zusatznutzen rechtfertigen.

c) Jugendliche ab 12 bis < 18 Jahre mit mindestens 40 kg Körpergewicht mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen und bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht

  • Für die Behandlung jugendlicher Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht ist der Zusatznutzen nicht belegt.
  • Für Jugendliche im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit mindestens 40 kg Körpergewicht, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen und bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 besteht, liegen keine Daten vor (siehe Studienbeschreibung bei Patientenpopulation b). Da keine Daten vorliegen, kann auch keine differenzierte Aussage zur Wirkung bei den unterschiedlichen Virusvarianten vorgenommen werden. Für diese Altersgruppe ist ein Zusatznutzen von Sotrovimab somit nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Sotrovimab (1) Xevudy® GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG Infektionskrankheiten COVID-19, ≥ 12 Jahre n.d. 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen


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