Satralizumab (1) – Enspryng®
Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen, Anti-Aquaporin-4-IgG-seropositiv, ≥ 12 Jahre
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.07.2021 – Zulassung: 24.06.2021 |
|---|---|
| Beschluss | 06.01.2022 |
| Wirkstoff | Satralizumab |
| Handelsname | Enspryng® |
| Pharm. Unternehmer | Roche Pharma AG |
| G-BA Vorgangsnummer | D-693 |
| ATC-Code | L04AC19 Interleukin-Inhibitoren (L04AC) |
| ICD-10 Codes (AIS) | G36.0Neuromyelitis optica (Devic-Krankheit) |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I3533Neuromyelitis optica |
| ORPHAcodes (AIS) | 71211Neuromyelitis optica |
| DDD Tagesdosis | 4.29 mg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Krankheiten des Nervensystems Multiple Sklerose (MS) / Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) Orphan |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Enspryng wird als Monotherapie oder in Kombination mit einer immunsuppressiven Therapie (IST) zur Behandlung von Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren angewendet, die anti-Aquaporin-4-IgG-(AQP4-IgG-)seropositiv sind. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD), die anti-Aquaporin-4-IgG-(AQP4-IgG-)seropositiv sind | – (Orphan Drug) |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
2 (SAkuraSta, SAkuraSky) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- SAkuraStar ist eine randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie mit anschließender Open-Label-Extensionsperiode zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Satralizumab als Monotherapie im Vergleich zu Placebo bei der Behandlung von Erwachsenen mit NMOSD.
- SAkuraSky ist eine randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie mit anschließender Open-Label-Extensionsperiode zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Satralizumab in Kombination mit einer immunsuppressiven Basistherapie im Vergleich zu Placebo plus einer immunsuppressiven Basistherapie bei der Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit NMOSD.
Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD), die anti-Aquaporin-4-IgG-(AQP4-IgG-)seropositiv sind
- In der Gesamtschau wird ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen festgestellt.
- In der Gesamtbewertung der vorliegenden Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten stuft der G-BA das Ausmaß des Zusatznutzens von Satralizumab zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit NMOSD, die AQP4-IgG-seropositiv sind, auf der Basis der Kriterien in § 5 Absatz 8 S. 1, 2 i.V.m. § 5 Absatz 7 Satz 1 Nummer 4 AM-NutzenV als gering ein.
- Mortalität
- In den Studien wurden keine Todesfälle beobachtet.
- Morbidität - Krankheitsschübe
- Der primäre Endpunkt beider Studien war die „Zeit bis zum Auftreten eines Protokoll-definierten Schubes“ während der doppelblinden Studienperiode.
- In beiden Studien zeigte sich für die bewertungsrelevante Subpopulation jeweils ein statistisch signifikanter und klinisch relevanter Vorteil von Satralizumab im Vergleich zu Placebo hinsichtlich der Zeit bis zum Auftreten eines Protokoll-definierten Schubes.
- Die Robustheit des in den primären Analysen beobachtenden Effekts konnte durch die Sensitivitätsanalysen zwar nicht umfänglich gestützt werden, jedoch stellt die präspezifizierte, primäre Analyse mit streng definierten Kriterien für eine standardisierte und möglichst objektive Beurteilung eines Schubes die methodisch validere Auswertung dar.
- Morbidität - Behinderungsprogression (EDSS-basiert)
- Für die Zeit bis zur EDSS-Progression zeigte sich in der Studie SAkuraStar ein statistisch signifikanter Vorteil von Satralizumab als Monotherapie im Vergleich zu Placebo.
- Die Behandlung mit Satralizumab in Kombination mit einer immunsuppressiven Basistherapie führte in der Studie SAkuraSky zu keinem statistisch signifikanten Unterschied im Vergleich zu Placebo plus immunsuppressiver Basistherapie.
- Morbidität - Sehschärfe (Snellen-Test)
- Für beide Studien konnten aufgrund des hohen Anteils an fehlenden Werten ab Studienwoche 48 nur deskriptive Daten zu Baseline und Woche 24 berücksichtigt werden, aus denen sich keine Aussagen zu den Effekten von Satralizumab auf die Sehschärfe ableiten lassen.
- Lebensqualität - SF-36
- Die Lebensqualität wurde in den vorliegenden Auswertungen nach Auftreten eines Schubes nicht erfasst.
- Dementsprechend lag bei beiden Studien der Anteil der Personen in der Auswertung bezogen auf die ITT-Population bereits zum ersten Erhebungszeitpunkt nach Baseline (Woche 24) in mindestens einem der beiden Studienarme < 70 %.
- Die Ergebnisse des SF-36 werden daher als nicht valide für die ITT-Population bewertet.
- Der Effekt von Satralizumab auf die Lebensqualität kann somit nicht beurteilt werden.
- Nebenwirkungen
- Für die relevante Teilpopulation zeigten sich in beiden Studien zwischen den Behandlungsarmen keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Auswertung der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (SUE).
- Für schwere UE ergab sich in der Studie SAkuraStar kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen, in der Studie SAkuraSky konnte aufgrund der niedrigen Zahl der Ereignisse kein Effektschätzer berechnet werden.
- Auch für UE, die zum Abbruch der Studienmedikation führten, konnte aufgrund zu geringer Ereigniszahlen kein Effektschätzer berechnet werden.
- Gesamtbewertung
- Für die Nutzenbewertung von Satralizumab zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit NMOSD, die AQP4-IgG-seropositiv sind, liegen Ergebnisse der beiden randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Phase-III-Studien SAkuraStar und SAkuraSky vor.
- In beiden Studien sind keine Todesfälle aufgetreten.
- In der Kategorie Morbidität zeigt sich in beiden Studien jeweils im Endpunkt Krankheitsschübe in der Zeit bis zum Auftreten eines Protokoll-definierten Schubes ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Satralizumab gegenüber Placebo.
- Aufgrund der methodisch valideren Aussagekraft der Protokoll-definierten Schübe stellen die zusätzlich durchgeführten Sensitivitätsanalysen den positiven Effekt von Satralizumab auf die Reduktion der Krankheitsschübe nicht in Frage.
- Für den Endpunkt Behinderungsprogression (EDSS-basiert) zeigte sich zudem in der Zeit bis zur EDSS-Progression ein statistisch signifikanter Vorteil in der Studie SAkuraStar zugunsten von Satralizumab als Monotherapie gegenüber Placebo, wohingegen sich in der Studie SAkuraSky kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zeigte.
- Für den Endpunkt Sehschärfe liegen ausschließlich deskriptive Daten vor.
- Für weitere in der Indikation patientenrelevante Endpunkte wie Fatigue und Schmerzen liegen keine bewertbaren Daten vor.
- Insgesamt werden die Vorteile in den Endpunkten Krankheitsschübe und Behinderungsprogression im Ausmaß als gering bewertet.
- In der Kategorie Lebensqualität liegen keine bewertbaren Daten vor.
- In der Kategorie Nebenwirkungen ergeben sich für schwerwiegende UE in beiden Studien und für schwere UE in der Studie SAkuraStar keine statistisch signifikanten Unterschiede.
- Aussagekraft der Nachweise
- In der Gesamtschau resultiert aus den genannten Unsicherheiten hinsichtlich der Aussagekraft der Nachweise ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen.
Zugehörige Verfahren
| Satralizumab (1) | Enspryng® | Roche Pharma AG | Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen, Anti-Aquaporin-4-IgG-seropositiv, ≥ 12 Jahre | 460–5.050 | 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen Orphan |
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