Ropeginterferon alfa-2b (1) – Besremi®
Polycythaemia Vera
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.09.2019 – Zulassung: 15.02.2019 |
|---|---|
| Beschluss | 05.03.2020 |
| Wirkstoff | Ropeginterferon alfa-2b |
| Handelsname | Besremi® |
| Pharm. Unternehmer |
Dossier: AOP Orphan Pharmaceuticals AG
Neuer Inverkehrbringer: AOP Orphan Pharmaceuticals Germany GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-475 |
| ATC-Code | L03AB15 Interferone (L03AB) |
| ICD-10 Codes (AIS) | D45Polycythaemia vera |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I25030Polycythaemia vera |
| DDD Tagesdosis | 18 mcg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Polycythaemia vera (PV) |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Besremi ist als Monotherapie indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit einer Polycythaemia vera ohne symptomatische Splenomegalie. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Nicht vorbehandelte oder mit Hydroxyurea vorbehandelte erwachsene Patienten mit Polycythaemia vera ohne symptomatische Splenomegalie, die nicht resistent oder intolerant gegenüber Hydroxyurea sind | Hydroxyurea |
| b) | Mit Hydroxyurea vorbehandelte erwachsene Patienten mit Polycythaemia vera ohne symptomatische Splenomegalie, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxyurea sind | Ruxolitinib |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (PROUD-PV) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Vorbehandlung, Patienten-Eignung |
- Klinische Studien
- In der Studie PROUD-PV wurde Ropeginterferon alfa-2b gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Hydroxyurea verglichen.
- Bei der Studie CONTINUATION-PV handelt es sich um eine offene Phase IIIb-Extensionsstudie, welche die Langzeitwirksamkeit und –sicherheit von Ropeginterferon alfa-2b in Patienten mit Polycythaemia vera, die vorher an der PROUD-PV Studie teilgenommen haben, untersucht.
a) Nicht vorbehandelte oder mit Hydroxyurea vorbehandelte erwachsene Patienten mit Polycythaemia vera ohne symptomatische Splenomegalie, die nicht resistent oder intolerant gegenüber Hydroxyurea sind
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Zusammenfassend ist für nicht vorbehandelte oder mit Hydroxyurea vorbehandelte erwachsene Patienten mit Polycythaemia vera ohne symptomatische Splenomegalie, die nicht resistent oder intolerant gegenüber Hydroxyurea sind, in der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zu Mortalität, Morbidität und zu den Nebenwirkungen ein Zusatznutzen von Ropeginterferon alfa-2b gegenüber Hydroxyurea nicht belegt.
- Mortalität
- Im Endpunkt Gesamtüberleben trat nur ein Ereignis im Interventionsarm und kein Ereignis im Vergleichsarm auf.
- Die Darstellung eines Effektschätzers ist nicht informativ.
- Der Unterschied ist insgesamt statistisch nicht signifikant.
- Ein Zusatznutzen von Ropeginterferon alfa-2b für den Endpunkt Mortalität ist somit nicht belegt.
- Morbidität - Hämatologisches Ansprechen
- Der Endpunkt hämatologisches Ansprechen ist definiert als ein Hämatokritwert < 45% in Verbindung mit einem Phlebotomie-freien Zeitraum von mindestens 3 Monaten sowie einer Thrombozytenzahl < 400 × 10/L und einer Leukozytenzahl < 10 × 10/L.
- Es zeigt sich für den post-hoc definierten Endpunkt ohne Berücksichtigung der Milzgröße kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen (Relatives Risiko = 0,82 [0,64; 1,05]).
- Somit ist ein Zusatznutzen von Ropeginterferon alfa-2b für den Endpunkt hämatologisches Ansprechen nicht belegt.
- Morbidität - Phlebotomien
- Bezüglich der Rate der Phlebotomien, die aufgrund eines Hämatokrits von > 45 % durchgeführt wurden, zeigen sich für die gesamte Studiendauer von 12-Monaten sowie für die Titrationsphase (Woche 1-12) keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen.
- Für die Erhaltungsphase (Woche 13 - 52) liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten von Ropeginterferon alfa-2b vor (Relatives Risiko: 1,55 [1,19; 2,02]).
- Dieser Unterschied wird nicht als hinreichend gewertet, um insgesamt einen Nachteil für die Endpunktkategorie Morbidität abzuleiten.
- Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
- Für den Endpunkt Gesundheitszustand, gemessen anhand der EQ-5D visuellen Analogskala (VAS), liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen vor.
- Ein Zusatznutzen von Ropeginterferon alfa-2b für den Endpunkt Gesundheitszustand ist somit nicht belegt.
- Lebensqualität
- Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in der Studie PROUD-PV nicht erhoben.
- Nebenwirkungen
- Unerwünschte Ereignisse (UE) traten in beiden Studienarmen bei > 80 % der Patienten mindestens einmal auf.
- Hinsichtlich der Endpunkte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE), schwere UE (CTCAE-Grad 3) und Abbruch wegen UE liegen jeweils keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen vor.
- Bei den spezifischen UEs Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (SOC), dem darin enthaltenen PT Übelkeit, sowie im PT Grippe zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Vorteil von Ropeginterferon alfa-2b gegenüber Hydroxyurea.
- Die Vorteile bei den spezifischen UEs werden unter Berücksichtigung der klinischen Symptomatik und der Schwere der Erkrankung sowie Art und Häufigkeit des Auftretens der UEs als nicht relevante Reduktion von Nebenwirkungen eingeschätzt.
- Somit ergeben sich in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen keine bewertungsrelevanten Unterschiede zwischen den Studienarmen.
- Gesamtbewertung
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied von Ropeginterferon alfa-2b gegenüber Hydroxyurea.
- Für die Endpunktkategorie Morbidität zeigt sich für die Endpunkte hämatologisches Ansprechen und Gesundheitsstatus (EQ-5D VAS) kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
- Für den Endpunkt Phlebotomien zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten von Ropeginterferon alfa-2b für den Zeitraum der Erhaltungsphase gegenüber Hydroxyurea.
- Dieser Unterschied wird nicht als hinreichend gewertet, um insgesamt einen Nachteil für die Endpunktkategorie Morbidität abzuleiten.
- Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in der Studie PROUD-PV nicht erhoben.
- Für die Endpunkte SUE, schwere UE (CTCAE-Grad 3) und Abbruch wegen UE liegen jeweils keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen vor.
- Vorteile von Ropeginterferon alfa-2b zeigen sich bei einzelnen spezifischen UEs.
- Diese Vorteile bei den spezifischen UEs werden unter Berücksichtigung der klinischen Symptomatik und der Schwere der Erkrankung sowie Art und Häufigkeit des Auftretens der UEs als nicht relevante Reduktion von Nebenwirkungen eingeschätzt und führen deshalb nicht zur Ableitung eines Zusatznutzens.
b) Mit Hydroxyurea vorbehandelte erwachsene Patienten mit Polycythaemia vera ohne symptomatische Splenomegalie, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxyurea sind
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für die Gruppe der mit Hydroxyurea vorbehandelten erwachsenen Patienten mit Polycythaemia vera ohne symptomatische Splenomegalie, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxyurea sind, wurden keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens von Ropeginterferon alfa-2b gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Ruxolitinib) vorgelegt.
- In der Gesamtschau ist ein Zusatznutzen von Ropeginterferon alfa-2b für die vorliegende Patientenpopulation daher nicht belegt.
Zugehörige Verfahren
| Ropeginterferon alfa-2b (1) | Besremi® | AOP Orphan Pharmaceuticals AG | Polycythaemia Vera | 1.860–19.800 | 100% Zusatznutzen nicht belegt |
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