Relugolix (1) – Orgovyx®
Prostatakarzinom, fortgeschritten, hormonsensitiv
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.10.2022 – Zulassung: 29.04.2022 |
|---|---|
| Beschluss | 06.04.2023 |
| Wirkstoff | Relugolix |
| Handelsname | Orgovyx® |
| Pharm. Unternehmer | Accord Healthcare GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-873 |
| ATC-Code | L02BX04 Andere Hormonantagonisten und verwandte Mittel (L02BX) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C61Bösartige Neubildung der Prostata |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I86600Bösartige Neubildung der Prostata |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom (PC) |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
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Orgovyx ist indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom, die für eine lokale Therapie infrage kommen | - Radikale Prostatektomie, gegebenenfalls in Kombination mit einer Lymphadenektomie oder - Perkutane Strahlentherapie in Kombination mit einer konventionellen Androgendeprivation oder Bicalutamid oder - Perkutane Strahlentherapie in Kombination mit einer HDR-Brachytherapie (nur für Patienten der klinischen Kategorie cT3) |
| b) | Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom, die nicht für eine lokale Therapie infrage kommen | - die konventionelle Androgendeprivation oder - Bicalutamid |
| c) | Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom und PSA-Rezidiv oder klinischem Rezidiv nach primärer lokaler Therapie | Patientenindividuelle Therapie unter Auswahl von - Salvageprostatektomie, - perkutaner Salvagestrahlentherapie und - perkutaner Salvagestrahlentherapie in Kombination mit einer konventionellen Androgendeprivation oder Bicalutamid; unter Berücksichtigung der Vortherapie und des Progressionsrisikos |
| d1) | Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC), die für eine Kombinationsbehandlung infrage kommen | - die konventionelle Androgendeprivation in Kombination mit Apalutamid oder - die konventionelle Androgendeprivation in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison oder Prednisolon (nur für Patienten mit neu diagnostiziertem Hochrisiko-Prostatakarzinom) oder - die konventionelle Androgendeprivation in Kombination mit Docetaxel mit oder ohne Prednison oder Prednisolon oder - die konventionelle Androgendeprivation in Kombination mit Enzalutamid |
| d2) | Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC), die nicht für eine Kombinationsbehandlung infrage kommen | Die konventionelle Androgendeprivation |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (HERO (M VT-601-3201) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Anzahl Arzneimittel, Vorbehandlung, Krankheitsstadium, Patienten-Eignung |
- Klinische Studien
- Bei der Studie HERO handelt es sich um eine offene, randomisierte, kontrollierte Phase III Studie zum Vergleich von Relugolix mit Leuprorelin, die im Zeitraum April 2017 bis November 2021 in 160 Zentren in Asien, Australien, Europa, Nord- und Südamerika mit insgesamt 1078 Patienten durchgeführt wurde.
a) Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom, die für eine lokale Therapie infrage kommen
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für die Behandlung erwachsener Männer mit fortgeschrittenem hormonsensitiven Prostatakarzinom, die für eine lokale Therapie infrage kommen, legt der pharmazeutischen Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
b) Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom, die nicht für eine lokale Therapie infrage kommen
- In der Gesamtschau wird daher festgestellt, dass für Relugolix in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom, die nicht für eine lokale Therapie infrage kommen, ein Zusatznutzen im Vergleich zu Leuprorelin nicht belegt ist.
- Mortalität
- Der Endpunkt Gesamtüberleben wurde in der Studie HERO definiert als Zeitraum von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache. Dabei zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- In Bezug auf das Gesamtüberleben ist somit ein Zusatznutzen von Relugolix im Vergleich zu Leuprorelin nicht belegt.
- Morbidität - Symptomatik
- Die Symptomatik wurde erhoben mittels der Fragebögen EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25.
- Für den Endpunkt Diarrhö erfasst mit dem EORTC QLQ-C30 zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Relugolix gegenüber Leuprorelin. Für alle weiteren Endpunkte zur Symptomatik erfasst mit dem EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25 zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Morbidität - Gesundheitszustand
- Der Gesundheitszustand wurde mittels der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D Fragebogens erhoben.
- Für diesen Endpunkt zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde erhoben mittels der Fragebögen EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25.
- Für den Endpunkt Inkontinenzhilfe erfasst mit dem EORTC QLQ-PR25 liegen keine geeigneten Daten vor. Für alle weiteren Endpunkte zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfasst mit dem EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25 zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs), schwere UEs, Abbruch wegen UEs
- Für die Endpunkte SUEs, schwere UEs (Common-Terminology-Criteria-for-Adverse-Events [CTCAE]-Grad ≥ 3) und Abbruch wegen UEs zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
- Nebenwirkungen - Major Adverse Cardiovascular Event (MACE)
- Für den kombinierten Endpunkt MACE zeigt sich unter Berücksichtigung von nur SUEs oder nur schweren UEs jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Relugolix gegenüber Leuprorelin.
- In Bezug auf den Endpunkt MACE hat der pharmazeutische Unternehmer mit seiner Stellungnahme zwar verschiedene in der Nutzenbewertung des IQWiG adressierte Unsicherheiten zur Messicherheit dieses Endpunkts aufgelöst, andere Unsicherheiten bleiben jedoch bestehen.
- Im Zusammenhang mit der fehlenden Adjudizierung kann somit kein Vorteil von Relugolix gegenüber Leuprorelin abgeleitet werden.
- Gesamtbewertung / Fazit
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Relugolix gegenüber Leuprorelin bei Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom, die nicht für eine lokale Therapie infrage kommen, liegen aus der offenen, randomisierten, kontrollierten Phase III HERO Ergebnisse zur Mortalität (Gesamtüberleben), Morbidität (Symptomatik und Gesundheitszustand), gesundheitsbezogenen Lebensqualität und zu Nebenwirkungen vor.
- In der Endpunktkategorie Mortalität zeigen die vorliegenden Ergebnisse zum Endpunkt Gesamtüberleben keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Hinsichtlich der Morbidität zeigen die vorliegenden Ergebnisse zu den Endpunkten Symptomatik (erhoben mittels EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25) sowie Gesundheitszustand (erhoben mittels EQ-5D VAS) keine für die Nutzenbewertung relevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
- In Bezug auf die Lebensqualität zeigen sich anhand der Ergebnisse zum EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25 ebenfalls keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
- Auch bei den Nebenwirkungen zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den SUE, den schweren UE sowie den Therapieabbrüchen aufgrund von UE.
- Zusammenfassend lassen sich in allen Endpunktkategorien weder Vor- noch Nachteile für Relugolix feststellen.
- In der Gesamtbetrachtung der vorliegenden Ergebnisse stellt der G-BA daher für Relugolix keinen Zusatznutzen gegenüber Leuprorelin fest.
c) Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom und PSA-Rezidiv oder klinischem Rezidiv nach primärer lokaler Therapie
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für die Behandlung erwachsener Männer mit fortgeschrittenem hormonsensitiven Prostatakarzinom und PSA-Rezidiv oder klinischem Rezidiv nach primär lokaler Therapie legt der pharmazeutischen Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
d1) Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC) - Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC), die für eine Kombinationsbehandlung infrage kommen
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für die Behandlung erwachsener Männer mit metastasiertem hormonsensitiven Prostatakarzinom, die für eine Kombinationsbehandlung infrage kommen, legt der pharmazeutischen Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
d2) Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC) - Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC), die nicht für eine Kombinationsbehandlung infrage kommen
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für die Behandlung erwachsener Männer mit metastasiertem hormonsensitiven Prostatakarzinom, die für eine Kombinationsbehandlung nicht infrage kommen, legt der pharmazeutischen Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
Zugehörige Verfahren
| Relugolix (1) | Orgovyx® | Accord Healthcare GmbH | Prostatakarzinom, fortgeschritten, hormonsensitiv | 25.020–44.280 | 100% Zusatznutzen nicht belegt |
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