Pemigatinib (1) – Pemazyre®

Cholangiokarzinom mit FGFR2-Fusion oder FGFR2-Rearrangement, nach mind. 1 Vortherapie

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.04.2021 – Zulassung: 26.03.2021
Beschluss 07.10.2021
Wirkstoff Pemigatinib
Handelsname Pemazyre®
Pharm. Unternehmer Incyte Biosciences Germany GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-670
ATC-Code L01EN02 FGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren (L01EN)
ICD-10 Codes (AIS) C22.1Intrahepatisches Gallengangskarzinom, C24.0Bösartige Neubildung: Extrahepatischer Gallengang, C24.1Bösartige Neubildung: Ampulla hepatopancreatica (Ampulla Vateri), C24.8Bösartige Neubildung: Gallenwege, mehrere Teilbereiche überlappend, C24.9Bösartige Neubildung: Gallenwege, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I103101Bösartige Neubildung der Gallenwege, I110602Cholangiokarzinom, I29985Bösartige Neubildung des extrahepatischen Gallenganges, I84940Bösartige Neubildung der Ampulla hepatopancreatica, I85652Bösartige Neubildung der intra- und extrahepatischen Gallengänge
ORPHAcodes (AIS) 70567Cholangiokarzinom,
DDD Tagesdosis 9 mg oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Biliäres Karzinom (BTC) / Cholangiokarzinom Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Regulatorischer Status Bedingte Zulassung (CMA)

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Pemazyre wird als Monotherapie angewendet zur Behandlung von Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Cholangiokarzinom mit einer Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (fibroblast growth factor receptor 2, FGFR2)-Fusion oder einem FGFR2-Rearrangement, das nach mindestens einer vorherigen systemischen Therapielinie fortgeschritten ist.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Cholangiokarzinom mit einer Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (fibroblast growth factor receptor 2, FGFR2)-Fusion oder einem FGFR2-Rearrangement, das nach mindestens einer vorherigen systemischen Therapielinie fortgeschritten ist – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (FIGHT-202)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
Single-Arm + historischer Vergleich
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie FIGHT-202 handelt es sich um eine offene, unkontrollierte, multizentrische Phase-II-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Pemigatinib bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem/metastasiertem oder inoperablem Cholangiokarzinom, die bereits eine vorangegangene Therapie erhalten haben.

Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Cholangiokarzinom mit einer Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (fibroblast growth factor receptor 2, FGFR2)-Fusion oder einem FGFR2-Rearrangement, das nach mindestens einer vorherigen systemischen Therapielinie fortgeschritten ist

  • Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
  • In der Gesamtschau resultiert daraus bezüglich der Aussagekraft der Nachweise ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
  • Mortalität
    • Der Endpunkt Gesamtüberleben wird in der Studie FIGHT-202 operationalisiert als Zeit zwischen dem ersten Tag der Behandlung mit Pemigatinib bis zum Tod jedweder Ursache.
    • Da keine vergleichenden Daten vorliegen, lassen sich insgesamt anhand der Ergebnisse der Studie FIGHT-202 keine Aussagen zum Ausmaß des Zusatznutzens in der Kategorie Mortalität ableiten.
  • Morbidität
    • Das progressionsfreie Überleben wird in der Studie FIGHT-202 operationalisiert als Zeit ab Behandlungsbeginn bis zum Zeitpunkt der Krankheitsprogression oder Tod durch jegliche Ursache, je nachdem, welches Ereignis zuerst auftritt.
    • Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien „Mortalität“ und „Morbidität“ zusammensetzt.
    • Die Komponente „Krankheitsprogression“ basiert auf der Beurteilung radiologischer Befunde. Somit erfolgt die Erhebung der Morbidität nicht primär anhand von Krankheitssymptomen, sondern allein auf Basis von asymptomatischen, nicht unmittelbar patientenrelevanten Befunden.
    • Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA.
    • Die Symptomatik der Patientinnen und Patienten in der Studie FIGHT-202 wird mittels der Symptomskalen des Fragebogens EORTC-QLQ-C30 erhoben.
    • Wegen fehlender Angaben zu Rücklaufquoten und deskriptiven Analysen zum Datenschnitt am 7. April 2020 werden die Ergebnisse des Datenschnitts vom 22. März 2019 herangezogen.
    • Da keine vergleichenden Daten vorliegen, ist eine abschließende Bewertung des Effekts von Pemigatinib auf die Morbidität ist nicht möglich.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wird in der Studie FIGHT-202 mittels der Funktionsskalen des Fragebogens EORTC-QLQ-C30 erhoben.
    • Wegen fehlender Angaben zu Rücklaufquoten und deskriptiven Analysen zum Datenschnitt am 7. April 2020 werden die Ergebnisse des Datenschnitts vom 22. März 2019 herangezogen.
    • Die krankheitsspezifische Lebensqualität wird in der Studie FIGHT-202 mittels EORTC QLQ-BIL21 nur in den USA, Großbritannien, Italien, Deutschland und Korea erhoben.
    • Insgesamt ist eine abschließende Bewertung des Effekts von Pemigatinib auf die Lebensqualität wegen fehlender vergleichender Daten vorliegen nicht möglich.
  • Nebenwirkungen
    • Unerwünschte Ereignisse wurden kontinuierlich ab Unterzeichnung der Einverständniserklärung bis 30 (+ 5) Tage nach Abbruch oder Beendigung der Therapie mit Pemigatinib erhoben.
    • Bei allen für die Nutzenbewertung relevanten Patientinnen und Patienten traten UE auf.
    • Es wurden schwerwiegende UE berichtet. Zu den häufigsten SUE zählen SUE der Systemorganklassen „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ und „Gastrointestinale Erkrankungen“.
    • Schwere UE traten bei 66,7% der Studienteilnehmenden auf. Am häufigsten wurden schwere UE der Systemorganklassen „Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts“ und „Stoffwechselund Ernährungsstörungen“ berichtet.
    • Die Therapie mit Pemigatinib wurde von 7 der 108 Patientinnen und Patienten (6,5 %) aufgrund von UE abgebrochen.
    • Die Mehrheit der für die Nutzenbewertung relevanten Patientinnen und Patienten berichtete das Auftreten von UE von besonderem klinischem Interesse (84,3%). Am häufigsten wurden UE in den Gruppen „Hyperphosphatämie“ und „Nageltoxizität“ berichtet.
    • Zusammenfassend ist aufgrund der fehlenden Kontrollpopulation keine vergleichende Auswertung bezüglich des Auftretens der Sicherheitsereignisse möglich.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Pemigatinib zur Behandlung von Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Cholangiokarzinom mit einer Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (fibroblast growth factor receptor 2, FGFR2)-Fusion oder einem FGFR2-Rearrangement, das nach mindestens einer vorherigen systemischen Therapielinie fortgeschritten ist, liegen aus der unkontrollierte Studie FIGHT-Ergebnisse zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen vor.
    • Eine vergleichende Bewertung der Studienergebnisse ist aufgrund des unkontrollierten Designs der Studie FIGHT-202 nicht möglich.
    • Der vom pharmazeutischen Unternehmer im Dossier dargelegte indirekte Vergleich zum Gesamtüberleben gegenüber Daten der Publikation Jain et al., 2018 wird nicht herangezogen. Als Limitationen sind hier methodische Schwächen aufgrund der Rückdatierung des Beginns der Beobachtungszeit sowie die fehlenden Angaben bzw. fehlenden Darstellungen in der Publikation von Jain et al. zu nennen, so dass die Vergleichbarkeit der beiden Studienpopulationen nicht beurteilt werden kann.
    • Damit ist eine Quantifizierung des Zusatznutzens auf der Grundlage der vorgelegten Daten nicht möglich.
    • In der Gesamtschau wird für Pemigatinib zur Behandlung von Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Cholangiokarzinom mit einer Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (fibroblast growth factor receptor 2, FGFR2)-Fusion oder einem FGFR2-Rearrangement, das nach mindestens einer vorherigen systemischen Therapielinie fortgeschritten ist, ein nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen festgestellt, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.

Zugehörige Verfahren

Pemigatinib (1) Pemazyre® Incyte Biosciences Germany GmbH Onkologische Erkrankungen Cholangiokarzinom mit FGFR2-Fusion oder FGFR2-Rearrangement, nach mind. 1 Vortherapie 35–300 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan


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