Opicapon (1) – Ongentys®

Parkinson-Krankheit

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.10.2016 – Zulassung: 24.06.2016
Beschluss 16.03.2017
Wirkstoff Opicapon
Handelsname Ongentys®
Pharm. Unternehmer Bial-Portela & Ca, S.A.
G-BA Vorgangsnummer D-258
ATC-Code N04BX04 Andere dopaminerge Mittel (N04BX)
ICD-10 Codes (AIS) G20.01Primäres Parkinson-Syndrom mit fehlender oder geringer Beeinträchtigung: Mit Wirkungsfluktuation, G20.11Primäres Parkinson-Syndrom mit mäßiger bis schwerer Beeinträchtigung: Mit Wirkungsfluktuation, G20.21Primäres Parkinson-Syndrom mit schwerster Beeinträchtigung: Mit Wirkungsfluktuation, G20.91Primäres Parkinson-Syndrom, nicht näher bezeichnet: Mit Wirkungsfluktuation
Alpha-ID Codes (AIS) I109229Primäres Parkinson-Syndrom mit geringer Beeinträchtigung mit Wirkungsfluktuation, I109235Primäres Parkinson-Syndrom mit mäßiger Beeinträchtigung mit Wirkungsfluktuation, I109241Primäres Parkinson-Syndrom mit schwerster Beeinträchtigung mit Wirkungsfluktuation
DDD Tagesdosis 50 mg oral
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Nervensystems Morbus Parkinson
Grund des Verfahrens Erstbewertung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Ongentys® wird angewendet als Zusatztherapie zu Levodopa/DOPA-Decarboxylase-Hemmern (DDCI) bei erwachsenen Patienten mit Morbus Parkinson mit motorischen „Endof-dose“-Fluktuationen, bei denen unter diesen Kombinationen keine Stabilisierung erreicht werden kann.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (Morbus Parkinson) mit motorischen „End-of-dose“-Fluktuationen, bei denen unter Levodopa/DOPA-Decarboxylase-Hemmern (DDCI) keine Stabilisierung erreicht werden kann Non-Ergot-Dopaminagonist (Piribedil, Pramipexol, Ropinirol oder Rotigotin) oder Catechol-O-Methyltransferase-(COMT)-Hemmer (Entacapon) oder Monoamin-Oxidase-(MAO)-B-Hemmer (Rasagilin, Safinamid oder Selegilin)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (BIPARK-I)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT (off-label)
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer zieht für den Nachweis des Zusatznutzens die Studie BIPARK-I einschließlich ihrer offenen Extensionsphase heran. Hierbei handelt es sich um eine randomisierte, aktiv kontrollierte Studie im Parallelgruppendesign, die an 106 Zentren in 19 europäischen Ländern durchgeführt wurde.

a) Zusatztherapie zu Levodopa/DOPA-Decarboxylase-Hemmern (DDCI) bei erwachsenen Patienten mit Morbus Parkinson mit motorischen „Endof-dose“-Fluktuationen, bei denen unter diesen Kombinationen keine Stabilisierung erreicht werden kann

  • Daher gelangt der G-BA in Abwägung der vorgelegten Daten zu dem Ergebnis, dass für Opicapon im Vergleich zu Entacapon für erwachsene Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom mit motorischen End-of-Dose-Fluktuationen, bei denen unter Levodopa/DDCI keine Stabilisierung erreicht werden kann, ein Zusatznutzen nicht belegt ist.
  • Mortalität
    • In der doppelblinden Phase der Studie traten keine Todesfälle und damit kein Unterschied zwischen den Behandlungsarmen auf.
  • Morbidität - ON-Zeiten und OFF-Zeiten
    • Die Auswirkung der Therapie auf den Krankheitsverlauf wurde anhand der Veränderung in den ON- und OFF-Zeiten (jeweils in Minuten) der Patienten dargelegt.
    • Weder in den ON- noch in den OFF-Zeiten konnte eine Über- oder Unterlegenheit von Opicapon gegenüber Entacapon gezeigt werden.
  • Morbidität - Symptomatik (Unified Parkinson’s Disease Rating Scale, UPDRS)
    • Das Instrument Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS) beurteilt kognitive Funktionen, Verhalten und Stimmung (Teil I), Aktivitäten des täglichen Lebens (Teil II), Motorik (Teil III) sowie Komplikationen während der Behandlung (Teil IV; die vorliegende Auswertung beinhaltet nur die Fragestellungen zu Dyskinesien).
    • Für keine der Einzelskalen oder auch im Summenscore der Teile I bis III zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede zwischen dem Opicapon- und dem Entacapon-Arm.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (Patient‘s Global Impression of Change, PGI-C)
    • Beim Erhebungsinstrument Patient‘s Global Impression of Change (PGI-C) nimmt der Patient eine Einschätzung der Veränderung seines Gesundheitszustands anhand einer 7-Punkte-Skala (von „sehr viel schlechter“ bis „sehr viel besser“) vor.
    • Als Responder wurden Patienten gewertet, die innerhalb der Doppelblindphase eine Verbesserung („wenig besser“, „viel besser“ oder „sehr viel besser“) berichteten. Gegenüber Entacapon ergibt sich ein signifikanter Effekt zugunsten von Opicapon (72,2 % vs. 52,5 % unter Entacapon; p = 0,002).
    • Eine Auswertung, die nur die höchsten beiden Kategorien berücksichtigt („viel besser“ oder „sehr viel besser“), wie sie auch von der EMA im Zulassungsverfahren herangezogen wurde, ergibt keine statistische Signifikanz.
    • Die Auswertung ist jedoch mit methodischen Limitationen verbunden, da keine etablierten Standards zu Responsekriterien und klinisch relevanten Unterschieden vorliegen. Insbesondere von Bedeutung ist dies bezüglich der Kategorie „wenig besser“ im Vergleich zur Kategorie „keine Veränderung“.
    • Die Robustheit des Effekts ist vor dem Hintergrund des Unterschreitens der Signifikanzschwelle bei alternativer Auswertung, d.h. nur der Kategorien „viel besser“ und „sehr viel besser“, fraglich. Zudem wird dieser signifikante Effekt nicht durch Vorteile in anderen, insbesondere motorischen Endpunkten gestützt. Insgesamt bestehen Unsicherheiten sowohl hinsichtlich der Methodik der Auswertung, als auch hinsichtlich der Relevanz des gemessenen Unterschiedes, sodass ein Zusatznutzen nicht festgestellt werden kann.
  • Morbidität - Weitere Endpunkte (Clinician’s Global Impression of Change, CGI-C)
    • Zusätzlich legt der pharmazeutische Unternehmer auch Auswertungen zum Clinician’s global Impression of Change (CGI-C) vor, bei dem die Veränderung des klinischen Gesamteindrucks des Patienten in ähnlicher Weise auf einer 7-Punkte-Skala durch einen Prüfarzt bewertet wird.
    • Die Einschätzung durch den Patienten selbst ist in der vorliegenden Indikation in der Regel möglich und wird als geeigneter erachtet. Eine Beurteilung durch den Prüfarzt wird hier nicht als ausreichend und patientenrelevant angesehen.
  • Morbidität - Weitere Endpunkte (Parkinson’s disease Sleeping Scale, PDSS und Non-Motor Symptom Scale, NMSS)
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt Auswertungen der Erhebungsinstrumente Parkinson’s disease Sleeping Sacle (PDSS) und Non-Motor Symptom Scale (NMSS) vor.
    • Nachweise für die Validität dieser beiden Instrumente fehlen jedoch, weshalb sie in der Bewertung des Zusatznutzens keine Berücksichtigung finden.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität (Parkinson’s Disease Questionnaire, PDQ-39)
    • Der Parkinson’s Disease Questionnaire (PDQ-39) beinhaltet 39 Items in acht Subskalen (Mobilität, Alltagsaktivitäten, emotionales Wohlbefinden, Stigma, soziale Unterstützung, Kognition, Kommunikation und körperliches Unbehagen).
    • Im Summenscore zeigt sich kein signifikanter Unterschied zwischen Opicapon und Entacapon.
  • Nebenwirkungen
    • Die Ergebnisse zu den unerwünschten Ereignissen müssen wie beschrieben vor dem Hintergrund der kurzen Studiendauer betrachtet werden.
    • Es wurden keine signifikanten Unterschiede der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (3,5 % unter Opicapon vs. 6,6 % unter Entacapon; p = 0,293) und der Therapieabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse (4,3 % vs. 6,6 %; p = 0,533) beobachtet.
    • Auch bei den jeweils numerisch häufiger unter Opicapon auftretenden Dyskinesien (15,7 % unter Opicapon vs. 8,2 % unter Entacapon; p = 0,080) und psychiatrischen Erkrankungen (Systemorganklasse nach MedDRA; 15,7 % unter Opicapon vs. 8,2 % unter Entacapon; p=0,080) wurde keine statistische Signifikanz festgestellt.

Zugehörige Verfahren

Opicapon (1) Ongentys® Bial-Portela & Ca, S.A. Krankheiten des Nervensystems Parkinson-Krankheit 45.200–61.100 100% Zusatznutzen nicht belegt


<< Liste aller Beschlüsse