Natriumthiosulfat (1) – Pedmarqsi®

Vorbeugung von Ototoxizität durch Cisplatin-Chemotherapie, solide Tumoren, 1 Monat bis < 18 Jahre

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.02.2025 – Zulassung: 26.05.2023
Beschluss 17.07.2025
Wirkstoff Natriumthiosulfat
Handelsname Pedmarqsi®
Pharm. Unternehmer Norgine GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-1154
ATC-Code V03AB06 Antidote (V03AB)
ICD-10 Codes (AIS) H91.0Ototoxischer Hörverlust
Alpha-ID Codes (AIS) I4893Ototoxischer Hörverlust, I79729Ototoxische Schwerhörigkeit, I79730Ototoxische Taubheit, I79854Schwerhörigkeit durch toxisches Agens, I79855Taubheit durch toxisches Agens, I98202Toxische Innenohrschwerhörigkeit
Therapeutisches Gebiet Sonstiges Hepatozelluläres Karzinom / Leberzellkarzinom (HCC)
Grund des Verfahrens Erstbewertung – Neuer Unterlagenschutz (Altwirkstoff)

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Pedmarqsi ist angezeigt für die Vorbeugung einer durch eine Cisplatin-Chemotherapie induzierten Ototoxizität bei Patienten im Alter von 1 Monat bis < 18 Jahren mit lokalisierten, nicht metastasierten, soliden Tumoren.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Patientinnen und Patienten im Alter von 1 Monat bis < 18 Jahren mit lokalisiertem, nicht metastasierten Hepatoblastom mit Indikation zur Vorbeugung einer durch eine Cisplatin-Chemotherapie induzierten Ototoxizität Beobachtendes Abwarten
b) Patientinnen und Patienten im Alter von 1 Monat bis < 18 Jahren mit lokalisierten, nicht metastasierten anderen soliden Tumoren als einem Hepatoblastom mit Indikation zur Vorbeugung einer durch eine Cisplatin-Chemotherapie induzierten Ototoxizität Beobachtendes Abwarten

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (Beobachtendes Abwarten)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Indikationen

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie ACCL0431 handelt es sich um eine offene, randomisierte, multizentrische Phase-III-Studie zum Vergleich von Natriumthiosulfat gegenüber keiner Gabe von Natriumthiosulfat.
    • Bei der Studie SIOPEL 6 handelt es sich um eine offene, randomisierte, multizentrische Phase-III-Studie zum Vergleich von Natriumthiosulfat gegenüber keiner Gabe von Natriumthiosulfat.

a) Patientinnen und Patienten im Alter von 1 Monat bis < 18 Jahren mit lokalisiertem, nicht metastasierten Hepatoblastom mit Indikation zur Vorbeugung einer durch eine Cisplatin-Chemotherapie induzierten Ototoxizität

  • Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
  • Im Ergebnis wird für Natriumthiosulfat zur Behandlung von Patientinnen und Patienten im Alter von 1 Monat bis < 18 Jahren mit lokalisiertem, nicht metastasierten Hepatoblastom mit Indikation zur Vorbeugung einer durch eine Cisplatin-Chemotherapie induzierten Ototoxizität ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen festgestellt.
  • Für die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen wird daher ein Hinweis abgeleitet.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben war in der Studie SIOPEL 6 operationalisiert als Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Scheitern des kurativen Therapieansatzes (Ereignisfreies Überleben, EFS)
    • Für den Endpunkt Scheitern des kurativen Therapieansatzes (Ereignisfreies Überleben, EFS) liegen keine geeigneten Daten vor.
  • Morbidität - Hörverlust (BROCK-Grad ≥ 1)
    • Der primäre Endpunkt der Studie SIOPEL 6 war definiert als der Anteil der Patientinnen und Patienten mit Hörverlust - definiert als BROCK-Grad ≥ 1 (gemessen mittels Reintonaudiometrie [Pure-Tone Audiometry, PTA]), wobei die Hörschwelle zu Baseline (vor Behandlungsstart) und nach Abschluss der Studienbehandlung oder in einem Alter von mindestens 3,5 Jahren, je nachdem, was später eintritt, erhoben werden sollte.
    • Die für die Nutzenbewertung vorgelegten Ergebnisse zum Hörverlust basieren auf Einmalmessungen, die 6 bis 12 Wochen nach Abschluss der Studienbehandlung oder in einem Alter von mindestens 3,5 Jahren (je nachdem, was später eintrat) erfolgten.
    • Es zeigt sich für die Imputation als Hörverlust-Responder ein deutlicher Vorteil und für die Imputation als Non-Responder ein moderater Vorteil für Natriumthiosulfat.
    • Hinsichtlich der Ergebnisse für den Endpunkt Hörverlust (BROCK-Grad ≥ 1) ist zu berücksichtigen, dass für die Beurteilung des Hörverlusts auf Basis der BROCK-Skala jeweils nur Einmalmessungen durchgeführt wurden.
    • Ferner liegen keine Daten zur sprachlichen Entwicklung der betroffenen Kinder vor.
    • Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht dessen, dass sich die Ergebnisse der zugrunde liegenden Sensitivitätsanalysen hinsichtlich des Ausmaßes des jeweiligen Effektes unterscheiden, lässt sich das Ausmaß des Vorteils insgesamt nicht sicher quantifizieren.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • In der Studie SIOPEL 6 wurden keine Endpunkte zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität erhoben.
    • Die Patientinnen und Patienten waren zum Studieneinschluss im Median 13 Monate alt.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE)
    • Im Interventionsarm traten bei 96,2 % und im Kontrollarm bei 87,5 % der Patientinnen und Patienten ein unerwünschtes Ereignis (UE) auf.
    • Die Ergebnisse werden nur ergänzend dargestellt.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)
    • Zusammenfassend liegen für die schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) in der Studie SIOPEL 6 keine geeigneten Daten vor.
    • So wurden zum einen UE als SUE erfasst, die potenziell gar keine SUE gemäß gängiger SUE Definition sind (unerwartete UE vom Grad 3 und 4).
    • Zum anderen wurden erwartbare UE definiert, die per se nicht als SUE dokumentiert werden sollten, obwohl sie potenziell ein SUE gemäß gängiger SUE-Definition sein könnten (beispielsweise erwartbare Toxizitäten, die mit einer Hospitalisierung einhergehen).
    • Darüber hinaus wurde das UE vorübergehende Hypernatriämie (Grad 3 oder 4) nur im Vergleichsarm nicht aber im Interventionsarm als SUE erfasst.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UE
    • In der Studie SIOPEL 6 wurden Abbrüche wegen UE nur für SUE dokumentiert.
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UE liegen somit keine geeigneten Daten vor.
    • Insgesamt wurde in der Studie SIOPEL 6 nur ein Abbruch (wegen Überempfindlichkeit [PT]) im Interventionsarm dokumentiert.
    • Darüber hinaus ist unklar, ob Abbrüche wegen UE nur den Abbruch von Natriumthiosulfat umfassen und somit nur im Interventionsarm dokumentiert wurden.
  • Nebenwirkungen - Schwere UE
    • Für den Endpunkt schwere UE zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Nebenwirkungen - Spezifische UE
    • Im Detail zeigt sich bei den spezifischen UE Erbrechen (UE) sowie Hypokaliämie und Hypophosphatämie (jeweils schwere UE) jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Natriumthiosulfat.
  • Gesamtbewertung
    • In der Gesamtbetrachtung zeigt sich ein Vorteil bei dem Endpunkt Hörverlust, der sich insgesamt nicht sicher quantifizieren lässt.

b) Patientinnen und Patienten im Alter von 1 Monat bis < 18 Jahren mit lokalisierten, nicht metastasierten anderen soliden Tumoren als einem Hepatoblastom mit Indikation zur Vorbeugung einer durch eine Cisplatin-Chemotherapie induzierten Ototoxizität

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Die Studie ACCL0431 ist nicht für die Nutzenbewertung geeignet, da ein wesentlicher Teil der Patientinnen und Patienten nicht die für die Nutzenbewertung relevante Population von Patientinnen und Patienten mit lokalisierter, nicht metastasierter Erkrankung abbildet.
  • Es liegen somit keine geeigneten Daten für eine Bewertung des Zusatznutzens vor.

Zugehörige Verfahren

Natriumthiosulfat (1) Pedmarqsi® Norgine GmbH Sonstiges Vorbeugung von Ototoxizität durch Cisplatin-Chemotherapie, solide Tumoren, 1 Monat bis < 18 Jahre 38–228 16% Hinweis auf nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen


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