Mexiletin (1) – Namuscla®

Myotonie

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.02.2019 – Zulassung: 18.12.2018
Beschluss 01.08.2019
Wirkstoff Mexiletin
Handelsname Namuscla®
Pharm. Unternehmer Lupin Europe GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-427
ATC-Code C01BB02 Antiarrhythmika, Klasse Ib (C01BB)
ICD-10 Codes (AIS) G71.1Myotone Syndrome
Alpha-ID Codes (AIS) I81101Myotonische Störung
DDD Tagesdosis 0.8 g oral
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Nervensystems Myotonie Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Namuscla® ist für die symptomatische Behandlung von Myotonie bei erwachsenen Patienten mit nicht-dystrophen myotonischen Erkrankungen indiziert.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Patienten mit nicht-dystrophen myotonischen Erkrankungen – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (STATLAND 2012, MYOMEX)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Die Nutzenbewertung erfolgt auf Grundlage der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Cross-Over-Phase-III-Studie MYOMEX, welche ausschließlich in Studienzentren in Frankreich durchgeführt wurde.

Erwachsene Patienten mit nicht-dystrophen myotonen Erkrankungen

  • In der Gesamtbetrachtung ergibt sich somit für Mexiletin im Vergleich zu Placebo ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen.
  • Mortalität
    • In der MYOMEX-Studie traten keine Todesfälle auf.
  • Morbidität - VAS-Schweregrad der Muskelsteifheit
    • Der Schweregrad der Muskelsteifheit wurde mithilfe einer visuellen Analogskala (VAS) erfasst.
    • In der kombinierten Analyse der Behandlungseffekte über beide Behandlungssequenzen zeigt sich ein statistisch signifikanter sehr deutlicher Behandlungseffekt zugunsten von Mexiletin im Vergleich zu Placebo.
    • Die patientenberichtete Muskelsteifheit nahm unter der Behandlung mit Mexiletin auf der VAS um 41,7 mm ab; unter der Behandlung mit Placebo betrug die Abnahme auf der VAS hingegen nur 9,0 mm.
    • Im Endpunkt VAS-Schweregrad der Muskelsteifheit zeigt sich auch bei getrennter Betrachtung für beide Behandlungsperioden jeweils ein statistisch signifikanter und anhand von Hedges´g-Berechnungen klinisch relevanter Unterschied zugunsten der Therapie mit Mexiletin gegenüber Placebo.
  • Lebensqualität - INQoL
    • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde über den Individualized Neuromuscular Quality of Life Questionnaire (INQoL) erhoben.
    • In der kombinierten Analyse beider Behandlungssequenzen zeigt sich für die Domäne Symptomatik in den Subdomänen Muskelschwäche, Muskelblockade, Schmerz und Fatigue jeweils ein statistisch signifikanter sehr deutlicher Behandlungseffekt zugunsten von Mexiletin gegenüber Placebo.
    • Auch in der Domäne Lebensqualität zeigt sich in der kombinierten Analyse beider Behandlungssequenzen sowohl in der Lebensqualität gesamt als auch in den Subdomänen Aktivität, Unabhängigkeit, soziale Beziehung, Emotionen und Körperwahrnehmung, welche der Lebensqualität gesamt zu Grunde liegen, jeweils ein statistisch signifikanter sehr deutlicher Behandlungseffekt für Mexiletin im Vergleich zu Placebo.
    • Für die Behandlungsperiode 1 ergeben sich anhand von Hedges`g-Berechnungen für die Domäne Symptomatik klinisch relevante Unterschiede für drei der vier erhobenen Symptome (Muskelblockade, Schmerzen und Fatigue).
    • Für die Domäne Lebensqualität ergeben sich anhand von Hedges`g-Berechnungen in vier der fünf Subdomänen (Aktivität, Unabhängigkeit, Soziale Beziehungen und Emotionen) klinisch relevante Verbesserungen zugunsten von Mexiletin.
    • Für die Behandlungsperiode 2 liegen keine adäquaten Analysen vor, da durch den pharmazeutischen Unternehmer Baselinewerte berichtet wurden, welche laut Studienprotokoll und Studienbericht nicht erhoben wurden, sodass für diese Periode keine separaten Ergebnisse und Effektschätzer dargestellt werden.
  • Nebenwirkungen
    • Unerwünschte Ereignisse wurden am letzten Behandlungstag jeder Behandlungsperiode erfasst.
    • Innerhalb der Studie traten bei 15 Patienten (60 %) unter der Behandlung mit Mexiletin und bei 9 Patienten (36 %) unter der Behandlung mit Placebo unerwünschte Ereignisse auf.
    • Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht beobachtet.
    • Ein schweres UE im Mexiletin-Arm führte bei einem Teilnehmer zum Abbruch der Studie.
    • Unerwünschte Ereignisse jedweden Schweregrades mit einer Häufigkeit ≥ 10 % unter der Behandlung mit Mexiletin waren Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, Infektionen und parasitäre Erkrankungen, psychiatrische Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems sowie Skelettmuskulatur- und Bindegewebserkrankungen.
    • Aufgrund der sehr geringen Ereigniszahl und der kurzen Dauer der Studie MYOMEX können jedoch keine belastbaren Aussagen zum Schadenspotential abgeleitet werden.
  • Gesamtbewertung
    • In dem Morbiditätsendpunkt Muskelsteifheit zeigt sich ein statistisch signifikanter und klinisch relevanter Vorteil zugunsten von Mexiletin im Vergleich zu Placebo.
    • In der Endpunktkategorie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigt sich für die Domäne Symptomatik in den Subdomänen Muskelschwäche, Muskelblockade, Schmerz und Fatigue jeweils ein statistisch signifikanter Behandlungseffekt zugunsten von Mexiletin gegenüber Placebo.
    • In drei der vier Subdomänen (Muskelblockade, Schmerzen und Fatigue) sind die Unterschiede gemäß Hedges´g-Berechnungen klinisch relevant.
    • In der Domäne Lebensqualität zeigen sich ebenfalls in allen Subdomänen statistisch signifikante Behandlungseffekte zugunsten von Mexiletin im Vergleich zu Placebo, wobei die Unterschiede in vier der fünf Subdomänen (Aktivität, Unabhängigkeit, Soziale Beziehungen und Emotionen) gemäß Hedges´g-Berechnungen klinisch relevant sind.
    • In der Endpunktkategorie der Nebenwirkungen lassen sich aufgrund der sehr geringen Ereigniszahl und der kurzen Dauer der Studie MYOMEX keine belastbaren Aussagen zum Schadenspotential von Mexiletin ableiten.
    • Somit zeigen sich positive und im Ausmaß beträchtliche Effekte zugunsten von Mexiletin in der Verbesserung der Muskelsteifheit und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
    • Da die Patienten in der vorliegenden Studie MYOMEX im Median jedoch nur 19 Tage mit Mexiletin bzw. 18 Tage mit Placebo behandelt wurden, ist die Behandlungsdauer zu kurz, um Aussagen zur Nachhaltigkeit der in dieser Studie beobachteten und im Ausmaß beträchtlichen Effekte treffen zu können.
    • Auf Basis der vorgelegten Daten der Studie MYOMEX lässt sich das Schadenspotential von Mexiletin aufgrund der kurzen Studiendauer jedoch nicht beurteilen.
    • Insgesamt kann der Zusatznutzen anhand der vorgelegten Daten daher nicht quantifiziert werden.

Zugehörige Verfahren

Mexiletin (2) Namuscla® Lupin Europe GmbH Krankheiten des Nervensystems Myotonie, 6 bis ≤ 17 Jahre, ≥ 20 kg n.d. laufendes Verfahren Orphan
Mexiletin (1) Namuscla® Lupin Europe GmbH Krankheiten des Nervensystems Myotonie 530–650 100% nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan


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