Metreleptin (1) – Myalepta®

Liposystrophie

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.10.2018 – Zulassung: 30.07.2018
Beschluss 22.03.2019
Wirkstoff Metreleptin
Handelsname Myalepta®
Pharm. Unternehmer Dossier: Aegerion Pharmaceuticals GmbH
Neuer Inverkehrbringer: Chiesi GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-385
ATC-Code A16AA07 Aminosäuren und Derivate (A16AA)
ICD-10 Codes (AIS) E88.1Lipodystrophie, anderenorts nicht klassifiziert
Alpha-ID Codes (AIS) I14503Lipodystrophie
DDD Tagesdosis 5 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Stoffwechselkrankheiten Lipodystrophie Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Regulatorischer Status Außergewöhnliche Umstände (EC)
Besonderheit Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Myalepta ist eine Leptin-Ersatztherapie, die in Kombination mit einer Diät zur Behandlung der Folgen eines Leptinmangels bei Patienten mit Lipodystrophie (LD) eingesetzt wird:

- mit bestätigter angeborener generalisierter LD (Berardinelli-Seip-Syndrom) oder erworbener generalisierter LD (Lawrence-Syndrom) bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren -mit bestätigter familiärer oder erworbener partieller LD (Barraquer-Simons-Syndrom) bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren, bei denen durch Standardbehandlungen keine angemessene Einstellung des Stoffwechsels erreicht werden konnte.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren mit bestätigter angeborener generalisierter Lipodystrophie (Berardinelli-Seip-Syndrom) oder erworbener generalisierter Lipodystrophie (Lawrence-Syndrom) – (Orphan Drug)
b) Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren mit bestätigter familiärer oder erworbener partieller Lipodystrophie (Barraquer-Simons-Syndrom), bei denen durch Standardbehandlungen keine angemessene Einstellung des Stoffwechsels erreicht werden konnte – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (NIH 991265/20010769, FAH101)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
Single-Arm + kein Vergleich
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Vorbehandlung, Alter

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie NIH 991265 handelt es sich um eine Dosiseskalationsstudie zur Bestimmung der Sicherheit und Wirksamkeit des kurzfristigen (bis zu 8 Monate) Leptinersatzes.
    • Bei der Studie FHA101 handelt es sich um eine offene, einarmige Metreleptin-Studie zur Behandlung von Patienten ≥ 5 Jahre mit bestätigter Lipodystrophie und Diabetes mellitus und/oder Hypertriglyceridämie (Triglyceridspiegel > 200 mg/dl).

a) Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren mit bestätigter angeborener generalisierter Lipodystrophie (Berardinelli-Seip-Syndrom) oder erworbener generalisierter Lipodystrophie (Lawrence-Syndrom)

  • Mortalität
    • In der Studie NIH 991265 / 20010769 verstarben drei Patienten mit generalisierter Lipodystrophie.
    • In der Studie FHA101 trat ein Todesfall bei einem Patienten mit generalisierter Lipodystrophie auf.
    • Für die Endpunktkategorie Mortalität liegen keine Daten vor, die die Ableitung eines Zusatznutzens ermöglichen.
  • Morbidität - Tatsächliche Veränderung des HbA1c
    • In der Studie NIH 991265 / 20010769 zeigt sich für die GL-Population in der Veränderung des HbA1c ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Studienbeginn und Monat 12 (Mittelwertdifferenz -2,2; 95 %-KI [-2,7; -1,6]; p < 0,001).
    • In der Studie FHA101 zeigt sich hingegen keine statistisch signifikante Veränderung des HbA1c zwischen Studienbeginn und Monat 12.
  • Morbidität - Prozentuale Veränderung der Triglyceride
    • Bei der prozentualen Veränderung der Triglyceride zeigt sich für die GL-Population in der Studie NIH 991265 / 20010769 ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Studienbeginn und Monat 12 (Mittelwertdifferenz -32,1; 95 %-KI [-51,0; -13,2]; p = 0,001).
    • In der Studie FHA101 traten hingegen keine statistisch signifikanten Veränderungen der Triglyceride zwischen Studienbeginn und Monat 12 auf.
  • Lebensqualität
    • In beiden Studien wurden keine Daten zur Lebensqualität erhoben.
  • Nebenwirkungen
    • In der Studie NIH 991265 / 20010769 erlitten 89,4 % Patienten der GL-Population mindestens ein unerwünschtes Ereignis, 34,8 % der Patienten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und 7,6 % der Patienten brachen die Therapie aufgrund unerwünschter Ereignisse ab.
    • In der Studie FHA101 brach lediglich ein Patient der GL-Population aufgrund unerwünschter Ereignisse die Studienbehandlung ab. 66,7 % der Patienten erlitten ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis und 77,8 % der Patienten mindestens ein unerwünschtes Ereignis.
    • Für die Endpunktkategorie Nebenwirkungen liegen keine Daten vor, die die Ableitung eines Zusatznutzens ermöglichen.
  • Gesamtbewertung
    • Die vorgelegten Daten zu den Endpunktkategorien Mortalität und Nebenwirkungen können zur Ableitung eines Zusatznutzens nicht herangezogen werden.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigt sich in der Studie NIH 991265 / 20010769 für Patienten mit generalisierter Lipodystrophie jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Studienbeginn und Monat 12 in der Veränderung des HbA1c und der Triglyceride.
    • Aufgrund großer Unsicherheiten bezüglich der Bedeutung von klinischen Laborparametern auf patientenrelevante Endpunkte, einer limitierten Datenlage und des sehr heterogenen Krankheitsbildes lassen die Ergebnisse der genannten Morbiditätsendpunkte keine Quantifizierung des Ausmaßes des Zusatznutzens von Metreleptin zu.
    • In der Gesamtschau wird ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen von Metreleptin festgestellt.

b) Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren mit bestätigter familiärer oder erworbener partieller Lipodystrophie (Barraquer-Simons-Syndrom), bei denen durch Standardbehandlungen keine angemessene Einstellung des Stoffwechsels erreicht werden konnte

  • Mortalität
    • Sowohl in der Studie NIH 991265 / 20010769 als auch in der Studie FHA101 verstarb jeweils ein Patient mit partieller Lipodystrophie.
    • Für die Endpunktkategorie Mortalität liegen keine Daten vor, die die Ableitung eines Zusatznutzens ermöglichen.
  • Morbidität - Tatsächliche Veränderung des HbA1c
    • In der Studie NIH 991265 / 20010769 zeigt sich für die PL-Population in der Veränderung des HbA1c ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Studienbeginn und Monat 12 (Mittelwertdifferenz -0,6; 95 %-KI [-1,0; -0,2]; p = 0,005).
    • In der Studie FHA101 zeigt sich hingegen keine statistisch signifikante Veränderung des HbA1c zwischen Studienbeginn und Monat 12.
  • Morbidität - Prozentuale Veränderung der Triglyceride
    • In der PL-Population traten sowohl in der Studie NIH 991265 / 20010769 als auch in der Studie FHA101 keine statistisch signifikanten Veränderungen der Triglyceride zwischen Studienbeginn und Monat 12 auf.
  • Lebensqualität
    • In beiden Studien wurden keine Daten zur Lebensqualität erhoben.
  • Nebenwirkungen
    • In der PL-Population bekamen 85,4 % der Patienten (NIH 991265 / 20010769) bzw. 84,4 % der Patienten (FHA101) mindestens ein unerwünschtes Ereignis.
    • 24,4 % und 31,3 % der PL-Patienten erlitten ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis und ein (NIH 991265 / 20010769) bis drei (FHA101) Studienteilnehmer brachen die Therapie mit Metreleptin aufgrund von unerwünschten Ereignissen ab.
    • Für die Endpunktkategorie Nebenwirkungen liegen keine Daten vor, die die Ableitung eines Zusatznutzens ermöglichen.
  • Gesamtbewertung
    • Die vorgelegten Daten zu den Endpunktkategorien Mortalität und Nebenwirkungen können zur Ableitung eines Zusatznutzens nicht herangezogen werden.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigt sich in der Studie NIH 991265 / 20010769 für Patienten mit partieller Lipodystrophie ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Studienbeginn und Monat 12 in der Veränderung des HbA1c.
    • Bei der Veränderung der Triglyceride im Blut traten hingegen keine statistisch signifikanten Unterschiede auf.
    • Aufgrund großer Unsicherheiten bezüglich der Bedeutung von klinischen Laborparametern auf patientenrelevante Endpunkte, einer limitierten Datenlage und des sehr heterogenen Krankheitsbildes lassen die Ergebnisse der genannten Morbiditätsendpunkte keine Quantifizierung des Ausmaßes des Zusatznutzens von Metreleptin zu.
    • In der Gesamtschau wird ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen von Metreleptin festgestellt.

Zugehörige Verfahren

Metreleptin (1) Myalepta® Aegerion Pharmaceuticals GmbH Stoffwechselkrankheiten Liposystrophie 90–180 100% nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan


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