Maribavir (1) – Livtencity®
Cytomegalievirus-Infektion (therapierefraktär)
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.12.2022 – Zulassung: 09.11.2022 |
|---|---|
| Beschluss | 01.06.2023 |
| Wirkstoff | Maribavir |
| Handelsname | Livtencity® |
| Pharm. Unternehmer | Takeda GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-898 |
| ATC-Code | J05AX10 Andere antivirale Mittel (J05AX) |
| ICD-10 Codes (AIS) | B25.0Pneumonie durch Zytomegalieviren, B25.9Zytomegalie, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I15735Infektion durch Zytomegalieviren |
| Therapeutisches Gebiet | Infektionskrankheiten Cytomegalovirus (CMV) Orphan |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
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Livtencity wird zur Behandlung einer Cytomegalievirus(CMV)-Infektion und/oder -Erkrankung angewendet, die refraktär ist (mit oder ohne Resistenz) gegenüber einer oder mehreren vorhergehenden Therapien, einschließlich mit Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet, bei erwachsenen Patientinnen und Patienten, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSCT) oder einer Transplantation solider Organe (SOT) unterzogen haben. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation oder einer Transplantation solider Organe unterzogen haben, mit einer Cytomegalievirus-Infektion und/oder -Erkrankung, die refraktär gegenüber einer oder mehreren vorhergehenden Therapien (einschließlich Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet) ist | – (Orphan Drug) |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (SHP620-303) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Der pharmazeutische Unternehmer legt für die Nutzenbewertung Daten der zulassungsbegründenden, multizentrischen, unverblindete, randomisiert-kontrollierte Phase-III-Studie SHP620-303 vor, in welcher Maribavir gegen eine vom Prüfpersonal zugewiesenen Anti-CMV-Therapie mit den Wirkstoffen Ganciclovir, Valganciclovir, Foscarnet, Cidofovir vergleicht.
Erwachsene, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation oder einer Transplantation solider Organe unterzogen haben, mit einer Cytomegalievirus-Infektion und/oder -Erkrankung, die refraktär gegenüber einer oder mehreren vorhergehenden Therapien (einschließlich Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet) ist
- Zusammenfassend wird der Zusatznutzen von Maribavir wie folgt bewertet: Für Erwachsene, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation oder einer Transplantation solider Organe unterzogen haben, mit einer Cytomegalievirus-Infektion und/oder -Erkrankung, die refraktär ist gegenüber einer oder mehreren vorhergehenden Therapien (einschließlich mit Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet), liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vor.
- In der Gesamtschau wird ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen von Maribavir festgestellt.
- Die Aussagesicherheit wird daher in der Kategorie „Anhaltspunkt“ eingeordnet.
- Mortalität
- Der Endpunkt Gesamtmortalität wurde definiert als Tod jeglicher Ursache und ab der Randomisierung über die gesamte Studiendauer zu allen Studienvisiten erhoben.
- Es zeigten sich keine statistischen Unterschiede zwischen den Studienarmen.
- Morbidität - Infektionskontrolle
- Bei dem Endpunkt Infektionskontrolle zu Woche 8 handelt es sich um den primären Endpunkt der Studie. Er wurde definiert als eine CMV-DNA-Konzentration von < 137 IU/ml im Blutplasma, bestätigt in zwei aufeinanderfolgenden Proben nach Baseline, die mindestens fünf Tage auseinander liegen.
- Auch wenn es sich bei der CMV-DNA-Konzentration um einen Laborparameter handelt, welcher nicht die Symptomatik abbildet und somit nicht unmittelbar patientenrelevant ist, wird der Endpunkt Infektionskontrolle aufgrund der für die Patientinnen und Patienten potenziell lebensbedrohlichen Situation und der klinischen Relevanz bei der Therapieentscheidung zur Nutzenbewertung herangezogen.
- Für den Endpunkt Infektionskontrolle zu Woche 8 sowie für das Aufrechterhalten der Infektionskontrolle zu Woche 20 zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Maribavir gegenüber dem Kontrollarm.
- Morbidität - Symptomkontrolle
- Bei dem Endpunkt „Symptomkontrolle“ handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, welcher in Abhängigkeit vom Vorhandensein einer Symptomatik zu Baseline durch die Beurteilung einer gewebeinvasiven CMV-Erkrankung und einem CMV-Syndrom bewertet wird.
- Aufgrund der insgesamt unklaren Patientenrelevanz sowie des unklaren Mehrwertes der Informationen zur klinischen Relevanz im Vergleich zum Endpunkt Infektionskontrolle wird der kombinierte Endpunkt Symptomkontrolle nicht für die Nutzenbewertung herangezogen und wir lediglich ergänzend dargestellt.
- Lebensqualität
- Im Rahmen der Studie wurde die gesundheitsbezogene Lebensqualität mittels des Short Form 36 Health Survey (SF-36) erhoben. Aufgrund zu geringer Rücklaufquoten (< 70 %) und großen Unterschieden (> 15 %) zwischen den Studienarmen des SF-36, liegen bezüglich der Lebensqualität keine verwertbaren Daten vor.
- Die visuellen Analogskala des European Quality of Life 5-Dimension (EQ-5D-VAS) wurde zur Erfassung des allgemeinen Gesundheitszustandes über ein elektronisches Studientagebuch erhoben. Aufgrund zu geringer Rücklaufquoten (< 70 %) und großen Unterschieden (> 15 %) zwischen den Studienarmen der EQ-5D-VAS, liegen für diesen Endpunkt keine verwertbaren Daten vor.
- Nebenwirkungen
- Die a priori geplante Nachbeobachtungszeit für alle Unerwünschten Ereignisse (UE) sollte laut Prüfplan bis 30 Tage nach letzter Dosis erfolgen. Zu diesem Erhebungszeitpunkt wurde durch den pharmazeutischen Unternehmer keine statistische Auswertung vorgelegt. Die Ergebnisse werden deskriptiv im Beschluss dargestellt.
- In den vorgelegten Auswertungen zeigte sich für den Endpunkt „UE, das zum Abbruch der Studienmedikation führte“ ein deutlich statistisch signifikanter Vorteil von Maribavir, welcher auch durch die deskriptiven Ergebnisse über den gesamten Studienzeitraum unterstützt wird.
- In den Gesamtraten der schweren UE zeigte sich innerhalb des Behandlungszeitraums ein statistisch signifikanter Vorteil von Maribavir, der jedoch aufgrund der Unsicherheiten der Ergebnisse in Zusammenhang mit der geringeren Effektgröße über den gesamten Studienzeitraum nicht herangezogen werden kann.
- In den Gesamtraten der schwerwiegenden UE zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
- Darüber hinaus zeigten sich auf SOC-Ebene bei den Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems (schwere UE und UE) und den Erkrankungen der Nieren und Harnwege (UE) ein statistisch signifikanter Vorteil von Maribavir sowie bei den Endpunkten Erkrankungen des Nervensystems (UE) und Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes (UE) ein statistisch signifikanter Nachteil von Maribavir.
- In der Gesamtschau zeigt sich trotz der beschriebenen Unsicherheiten Vorteile von Maribavir in der Kategorie Nebenwirkungen.
- Gesamtbewertung
- Für die Nutzenbewertung von Maribavir zur Behandlung von Erwachsene, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation oder einer Transplantation solider Organe unterzogen haben, mit einer Cytomegalievirus-Infektion und/oder -Erkrankung, die refraktär ist gegenüber einer oder mehreren vorhergehenden Therapien (einschließlich mit Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet), liegen auf Basis der Studie SHP620-303 bewertbare Ergebnisse zur Mortalität, Morbidität und den Nebenwirkungen vor.
- Im der Kategorie Mortalität zeigten sich im Endpunkt Gesamtmortalität keine statistischen Unterschiede zwischen den Studienarmen.
- In der Endpunktkategorie Morbidität zeigte sich für die patientenrelevanten Endpunkte „Infektionskontrolle zu Woche 8“ und für das „Aufrechterhalten der Infektionskontrolle zu Woche 20“ ein statistisch signifikanter Vorteil von Maribavir. Der Endpunkt Symptomkontrolle sowie die Transplantat-Endpunkte konnten nicht zur Nutzenbewertung herangezogen werden.
- Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität liegen keine verwertbaren Daten in der Studie vor.
- In der Endpunktkategorie Nebenwirkungen zeigte sich trotz verbleibender Unsicherheiten ein statistisch signifikanter Vorteil von Maribavir beim Endpunkt „UE, das zum Abbruch der Studienmedikation führte“. Im Detail zeigten sich bei spezifischen UA sowohl Vorteile als auch Nachteile von Maribavir. In den Gesamtraten der „schwerwiegenden UE“ und „schwere UE“ zeigte sich in der Gesamtschau kein Vorteil von Maribavir.
- In der Gesamtschau der vorliegenden Ergebnisse wird aufgrund von Vorteilen in den Endpunkten „Infektionskontrolle“ sowie „UE, das zum Abbruch der Studienmedikation führte“ ein geringer Zusatznutzen von Maribavir festgestellt.
Zugehörige Verfahren
| Maribavir (1) | Livtencity® | Takeda GmbH | Cytomegalievirus-Infektion (therapierefraktär) | 90–130 | 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen Orphan |
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