Lutetium (177Lu) Vipivotidtetraxetan (1) – Pluvicto®

177Lu) Vipivotidtetraxetan (Prostatakarzinom, Kombination mit Androgendeprivationstherapie, PSMA-positiv, metastasiert, kastrationsresistent, Progredienz nach Inhibition des AR-Signalwegs und taxanbasierter Chemotherapie

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.01.2023 – Zulassung: 09.12.2022
Beschluss 06.07.2023
Wirkstoff Lutetium (177Lu) Vipivotidtetraxetan
Handelsname Pluvicto®
Pharm. Unternehmer Novartis Radiopharmaceuticals GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-894
ATC-Code V10XX05 Verschiedene Radiotherapeutika (V10XX)
ICD-10 Codes (AIS) C61Bösartige Neubildung der Prostata
Alpha-ID Codes (AIS) I21708Metastasierendes Prostatakarzinom
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom (PC)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit Praxisbesonderheit Kombinationstherapie

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Pluvicto wird in Kombination mit Androgendeprivationstherapie (ADT) mit oder ohne Inhibition des Androgenrezeptor-(AR-)Signalwegs angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit progredientem Prostata-spezifischen-Membranantigen-(PSMA-) positiven, metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC), die zuvor mittels Inhibition des AR-Signalwegs und taxanbasierter Chemotherapie behandelt wurden.

Patientengruppe Indikation ZVT
a1) Erwachsene mit einem PSMA-positiven, metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC), nach vorheriger Behandlung mit ARDT (androgen receptor-directed therapy) und einer taxanhaltigen Chemotherapie, für die Abirateron in Kombination mit Prednison oder Prednisolon, Enzalutamid oder Best-Supportive-Care die patientenindividuell geeignete Therapie darstellt Patientenindividuelle Therapie unter Berücksichtigung der Vortherapie; unter Auswahl von – Abirateron in Kombination mit Prednison oder Prednisolon, – Enzalutamid, – Cabazitaxel, – Olaparib (nur für Patienten mit einer BRCA 1/2 Mutation), – Best-Supportive-Care
a2) Erwachsene mit einem PSMA-positiven, metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC), nach vorheriger Behandlung mit ARDT (androgen receptor-directed therapy) und einer taxanhaltigen Chemotherapie, für die Cabazitaxel oder Olaparib die patientenindividuell geeignete Therapie darstellt Patientenindividuelle Therapie unter Berücksichtigung der Vortherapie; unter Auswahl von – Abirateron in Kombination mit Prednison oder Prednisolon, – Enzalutamid, – Cabazitaxel, – Olaparib (nur für Patienten mit einer BRCA 1/2 Mutation), – Best-Supportive-Care

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (Vision)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Patienten-Eignung

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie VISION handelt es sich um eine offene, randomisierte, kontrollierte Phase III Studie, in der (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan unter Fortführung der bestehenden Androgendeprivationstherapie (ADT) und patientenindividueller Therapie gegenüber der alleinigen Fortführung der bestehenden ADT und patientenindividueller Therapie verglichen wird.

a1) Erwachsene mit einem PSMA-positiven, metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC), nach vorheriger Behandlung mit ARDT (androgen receptor-directed therapy) und einer taxanhaltigen Chemotherapie - Erwachsene, für die Abirateron in Kombination mit Prednison oder Prednisolon, Enzalutamid oder Best-Supportive-Care die patientenindividuell geeignete Therapie darstellt

  • Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen
  • Im Ergebnis stellt der G-BA für (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit einer ADT und einer patientenindividuellen Therapie gegenüber einer ADT in Kombination mit einer patientenindividuellen Therapie einen beträchtlichen Zusatznutzen für Patienten mit vorbehandeltem mCRPC fest.
  • Somit wird die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen in die Kategorie „Hinweis“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben war in der Studie VISION definiert als die Zeit (in Monaten) zwischen der Randomisierung und dem Tod jeglicher Ursache und wurde als einziger Endpunkt bis zum Studienende erhoben.
    • Für diesen Endpunkt zeigt sich sowohl in der Gesamtpopulation als auch in der Teilpopulation der Patienten, die ab dem 05.03.2019 randomisiert wurden, ein statistisch signifikanter Überlebensvorteil zugunsten von (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit ADT und einer patientenindividuellen Therapie.
    • Das Ausmaß der erzielten Verlängerung im Gesamtüberleben wird als eine deutliche Verbesserung bewertet.
  • Morbidität - Radiographisches progressionsfreies Überleben (rPFS)
    • Das radiographische progressionsfreie Überleben (rPFS) war in der Studie VISION definiert als die Zeit (in Monaten) zwischen der Randomisierung und der radiographischen Krankheitsprogression auf der Grundlage der verblindeten, unabhängigen und zentralen Bewertung gemäß den PCWG3-Kriterien oder dem Tod beliebiger Ursache.
    • Unter (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit einer ADT und einer patientenindividuellen Therapie ist das rPFS in der Gesamtpopulation im Vergleich zu einer ADT in Kombination mit einer patientenindividuellen Therapie statistisch signifikant verlängert.
    • Bei dem vorliegenden Endpunkt rPFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien „Mortalität“ und „Morbidität“ zusammensetzt.
    • Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA. Die Gesamtaussage zum Zusatznutzen bleibt davon unberührt.
  • Morbidität - Symptomatische skelettbezogene Ereignisse (SSRE)
    • Der kombinierte Endpunkt symptomatische skelettbezogene Ereignisse war in der Studie VISION definiert als die Zeit (in Monaten) zwischen der Randomisierung einem der folgenden Ereignisse: Neuer symptomatischer pathologischer Knochenbruch, Rückenmarkskompression, tumorbezogener orthopädischer Eingriff, Notwendigkeit einer Strahlentherapie zur Linderung von Knochenschmerzen.
    • Die Ergebnisse des kombinierten Endpunkts symptomatische skelettbezogene Ereignisse, die auf denjenigen Patienten basieren, die ab dem 05.03.2019 randomisiert wurden, können herangezogen werden.
    • Für die Einzelkomponenten Rückenmarkskompression und Notwendigkeit einer Strahlentherapie zur Linderung von Knochenschmerzen zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit ADT und einer patientenindividuellen Therapie.
    • Für die Einzelkomponenten neuer symptomatischer Knochenbruch und tumorbezogener orthopädischer Eingriff zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Für die vorliegende Bewertung wird das Ergebnis für den kombinierten Endpunkt herangezogen, dass einen deutlichen Vorteil von (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit ADT und einer patientenindividuellen Therapie aufzeigt.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - FACT-P
    • Für den Endpunkt gesundheitsbezogene Lebensqualität, erhoben anhand des FACT-P, beträgt der differenzielle Anteil an in die Auswertung nicht eingegangenen Patienten zwischen den Behandlungsarmen sowohl für die Teilpopulation (Patienten, die ab dem 05.03.2019 randomisiert) als auch die Gesamtpopulation (alle randomisierten Patienten) > 15 Prozentpunkte. Es liegen somit keine geeigneten Daten vor.
  • Nebenwirkungen - Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3)
    • Für die Endpunkte schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3) und Abbruch wegen UEs zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit einer ADT und einer patientenindividuellen Therapie bei Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom nach mindestens 2 Vorbehandlung liegen Ergebnisse zur Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogener Lebensqualität und Nebenwirkungen aus der offenen, randomisierten, kontrollierten Phase III Studie VISION vor.
    • Mit den im Stellungnahmeverfahren nachgereichten Daten zu Patienten, die ab dem 05.03.2019 randomisiert wurden, ergibt sich neben der Gesamtpopulation eine in weiten Teilen auswertbare Teilpopulation, da der differentielle Anteil an Patienten, die keine Studienmedikation erhalten haben, zwischen den Behandlungsarmen < 15 Prozentpunkte beträgt.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich sowohl in der Gesamtpopulation (alle randomisierten Patienten) als auch der Teilpopulation (Patienten, die ab dem 05.03.2019 randomisiert wurden) ein deutlicher Vorteil zugunsten von (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit einer ADT und einer patientenindividuellen Therapie.
    • In der Kategorie Morbidität ergeben sich für die Behandlung mit (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit einer ADT und einer patientenindividuellen Therapie unter Betrachtung des kombinierten Endpunkts symptomatische skelettbezogene Ereignisse (SSRE) deutliche Vorteile für Patienten der Teilpopulation.
    • Für die Endpunkte Schmerz (erhoben mittels BPI-SF) sowie Gesundheitszustand (erhoben mittels EQ-5D VAS) liegen keine geeigneten Daten vor.
    • Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität (erhoben mittels FACT-P) liegen keine geeigneten Daten vor.
    • Für die Endpunktkategorie Nebenwirkungen lässt sich für (177Lu) Lutetiumvipivotidtetraxetan in Kombination mit einer ADT und einer patientenindividuellen Therapie gegenüber einer ADT in Kombination mit einer patientenindividuellen Therapie in der Teilpopulation insgesamt ein Vorteil aufgrund der Vermeidung von SUEs feststellen. Im Detail zeigen sich bei einzelnen spezifischen UEs sowohl Vor- als auch Nachteile.
    • In der Gesamtschau zeigen sich positive Effekte in den Endpunktkategorien Mortalität und Morbidität. In der Endpunktkategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität liegen keine geeigneten Daten vor. In der Endpunktkategorie Nebenwirkungen ist ebenfalls insgesamt ein Vorteil festzustellen.

a2) Erwachsene mit einem PSMA-positiven, metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC), nach vorheriger Behandlung mit ARDT (androgen receptor-directed therapy) und einer taxanhaltigen Chemotherapie - Erwachsene, für die Cabazitaxel oder Olaparib die patientenindividuell geeignete Therapie darstellt

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Die vorliegenden Daten erlauben keine Aussagen zum Zusatznutzen für Patienten, für die Cabazitaxel oder Olaparib die patientenindividuell geeignete Therapie darstellt.
  • Für die Behandlung erwachsener Männer mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom nach vorheriger Behandlung mit ARDT und einer taxanhaltigen Chemotherapie, für die Cabazitaxel oder Olaparib die patientenindividuell geeignete Therapie darstellt, ist ein Zusatznutzen ist somit nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Lutetium (177Lu) Vipivotidtetraxetan (1) Pluvicto® Novartis Radiopharmaceuticals GmbH Onkologische Erkrankungen 177Lu) Vipivotidtetraxetan (Prostatakarzinom, Kombination mit Androgendeprivationstherapie, PSMA-positiv, metastasiert, kastrationsresistent, Progredienz nach Inhibition des AR-Signalwegs und taxanbasierter Chemotherapie 1.500–2.400 50% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen


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