Imlifidase (1) – Idefirix®
Desensibilisierung bei Nierentransplantation
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.03.2021 – Zulassung: 25.08.2020 |
|---|---|
| Beschluss | 02.09.2021 |
| Befristung bis | 03.04.2026 |
| Wirkstoff | Imlifidase |
| Handelsname | Idefirix® |
| Pharm. Unternehmer | Hansa Biopharma AB |
| G-BA Vorgangsnummer | D-647 |
| ATC-Code | L04AA41 Selektive Immunsuppressiva (L04AA) |
| ICD-10 Codes (AIS) | N18.5Chronische Nierenkrankheit, Stadium 5, Z75.60Erfolgte Registrierung zur Organtransplantation ohne Dringlichkeitsstufe HU (High Urgency): Niere, Z75.70Erfolgte Registrierung zur Organtransplantation mit Dringlichkeitsstufe HU (High Urgency): Niere |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I108950Registrierung zur Nierentransplantation ohne Dringlichkeitsstufe HU (High Urgency), I108957Registrierung zur Nierentransplantation mit Dringlichkeitsstufe HU (High Urgency), I115950Chronische Nierenkrankheit, Stadium 5 |
| DDD Tagesdosis | 17.5 mg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Krankheiten des Urogenitalsystems Desensibilisierung bei Nierentransplantation Orphan |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Regulatorischer Status | Bedingte Zulassung (CMA) |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
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Idefirix ist indiziert für die Desensibilisierungsbehandlung von erwachsenen Nierentransplantationspatienten, die Antikörper besitzen, welche zu einer positiven Kreuzprobe gegen einen verfügbaren verstorbenen Spender führen. Die Anwendung von Idefirix sollte Patienten vorbehalten bleiben, bei denen eine Transplantation unter den gültigen Organallokationsrichtlinien, einschließlich spezieller Priorisierungsprogramme für hochimmunisierte Patienten, unwahrscheinlich ist. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene Nierentransplantations-Patientinnen und Patienten, die Antikörper besitzen, welche zu einer positiven Kreuzprobe gegen einen verfügbaren verstorbenen Spender führen | – (Orphan Drug) |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
3 (13-HMedIdeS-03, 14-HMedIdeS-04, 15-HMedIdeS-06) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
Single-Arm + kein Vergleich |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Die Studie S-02 ist eine offene, nicht-randomisierte Phase-II-Studie zur Bewertung der Sicherheit, Verträglichkeit, Pharmakokinetik und Wirksamkeit von Imlifidase.
- Bei der Studie S-03 handelt es sich um eine offene, nicht-randomisierte Phase-II-Studie zur Untersuchung der Sicherheit, Verträglichkeit, Wirksamkeit und Pharmakokinetik von Imlifidase (0,25 mg/kg, 0,5 mg/kg, 1,0 mg/kg, 2,0 mg/kg).
- Studie S-04 war eine offene, nicht-randomisierte Phase-I/II-Studie zur Untersuchung der Sicherheit und Verträglichkeit von Imlifidase (0,24 mg/kg i.v. einmalig) und zur Eliminierung spenderspezifischer HLA-Antikörper (DSA) und zur Verhinderung antikörpervermittelter Abstoßungsreaktionen nach der Transplantation bei hochgradig HLA-immunisierten Personen.
- Studie S-06 war eine offene, nicht-randomisierte Phase-II-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit von Imlifidase (0,25 mg/kg einzeln appliziert oder zu einem späteren Zeitpunkt erneut) zur Desensibilisierung von Transplantationspatienten/innen mit einem positiven Kreuzprobentest mit verfügbarer Lebendspende oder Spenderorgan vom Verstorbenen.
- Studie S-14 ist eine Langzeit-Nachbeobachtungsstudie der Studien S-02, S-03, S-04 und S-06.
- Bei der Studie S-13 handelt es sich um eine retrospektive Studie zur Sammlung von zusätzlichen Spender- und Empfängerdaten von Personen, die mit Imlifidase vor einer Nierentransplantation in den Studien S-02 und S-03 behandelt wurden.
Erwachsene Nierentransplantations-Patientinnen und Patienten, die Antikörper besitzen, welche zu einer positiven Kreuzprobe gegen einen verfügbaren verstorbenen Spender führen.
- Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
- Im Ergebnis stuft der G-BA das Ausmaß des Zusatznutzens von Imlifidase für die Desensibilisierungsbehandlung von erwachsenen Nierentransplantationspatienten, die Antikörper besitzen, welche zu einer positiven Kreuzprobe gegen einen verfügbaren verstorbenen Spender führen, aufgrund der limitierten Datengrundlage auf Basis der Kriterien in § 5 Absatz 7 der AM-NutzenV als nicht quantifizierbar ein.
- Ein Zusatznutzen liegt gemäß § 35a Absatz 1 Satz 11 1. Halbs. SGB V vor, ist aber nicht quantifizierbar, weil die wissenschaftliche Datengrundlage dies nicht zulässt.
- Mortalität
- In den Studien S-03, S-04, S-06 und für Studienteilnehmende der Nachbeobachtungs-Studie S-14 der Vorläuferstudien S-04 (nach 2 Jahren) und S-06 (nach 3 Jahren) traten jeweils keine Todesfälle auf.
- Für Personen, die an der Studie S-14 nicht aktiv teilnahmen, trat jeweils ein Todesfall für die Vorläuferstudien S-04 und S-06 auf.
- Insgesamt lässt sich anhand der Ergebnisse der Studien S-03, S-04, S-06 und S-14 keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens für die Endpunktkategorie Mortalität treffen.
- Morbidität - Transplantatüberleben
- Der Endpunkt Transplantatüberleben ist patientenrelevant.
- Das Transplantatüberleben wurde in den Studien S-03, S-13, S-04, S-06 und S-14 erhoben.
- Ein Transplantatverlust trat bei einer Person der Studie S-04 und bei zwei Personen der Studie S-06 auf.
- In der Studie S-13 trat für die Studie S-03 kein Transplantatverlust auf.
- In der Nachbeobachtungs-Studie S-14 wurde für Studienteilnehmende nach Imlifidase-Gabe kein Transplantatverlust festgestellt.
- Für Personen, die an der Studie S-14 nicht aktiv teilnahmen (nach Ende der Vorläuferstudie und vor Einschluss in Studie S-14), zeigten sich für die Vorläuferstudie S-04 insgesamt drei Transplantatverluste.
- Lebensqualität - Kidney Disease Quality of Life Questionnaire- short form (KDQOL-SF)
- Die Erhebung der Lebensqualität mittels KDQOL-SF erfolgte nur in der Nachbeobachtungs-Studie S-14 zu Jahr 1, 2, 3 und 5 nach der Transplantation.
- In den Studien S-03, S-04 und S-06 wurde die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten mittels KDQOL-SF nicht erfasst.
- Es liegen somit keine Baseline-Werte vor, weshalb ein deskriptiver Prä-Post-Vergleich zum Ausgangswert für die einarmigen Studien nicht möglich ist.
- In der Kategorie Lebensqualität wurden daher insgesamt keine für die Nutzenbewertung geeigneten Daten vorgelegt.
- Nebenwirkungen
- Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs) wurden in der Studie S-03 bei 3 von 5 Personen in der Studie S-04 bei 11 von 17 Personen und in der Studie S-06 bei 15 von 19 Personen festgestellt.
- Schwere unerwünschte Ereignisse (UEs CTCAE-Grad ≥ 3) traten unter Behandlung mit Imlifidase in der Studie S-04 bei 4 von 17 Personen und in der Studie S-06 bei 18 von 19 Personen auf.
- In der Studie S-06 brach eine Person aufgrund UE innerhalb von 30 Tagen nach Applikation von Imlifidase die Therapie ab.
- Für die Nachbeobachtungs-Studie S-14 wurden seitens des pharmazeutischen Unternehmers keine Daten zur Sicherheit vorgelegt.
- Zu den UE von besonderem Interesse der Studie S-04 gehörten „Infektionen“ und „Infusionsassoziierte Reaktionen“.
- In der Studie S-04 zeigten 35,3% der Studienteilnehmenden Infektionen innerhalb von 30 Tagen nach der Gabe von Imlifidase.
- Keine Infektionen wurden nach 30 Tagen der Applikation von Imlifidase bis zur Nachbeobachtungsvisite beobachtet.
- Keine Person der Studie S-04 zeigte infusionsassoziierte Reaktionen.
- Insgesamt lässt sich anhand der Ergebnisse der Studien S-03, S-04 und S-06 keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens für die Endpunktkategorie Nebenwirkungen treffen.
- Gesamtbewertung
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Imlifidase für die Desensibilisierungsbehandlung von erwachsenen Nierentransplantationspatienten, die Antikörper besitzen, welche zu einer positiven Kreuzprobe gegen einen verfügbaren verstorbenen Spender führen, wurden die folgenden zulassungsbegründenden, einarmigen Studien: S-03, S-04, S-06 und S-13, S-14 (Nachbeobachtungs-Studie) zugrunde gelegt.
- Aus den Studien S-03, S-04, S-06, S-13 und S-14 liegen Ergebnisse zu patientenrelevanten Endpunkten der Kategorien Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen vor.
- Erwachsene, die aufgrund ihrer Erkrankung eine Nierentransplantation benötigen, aber Antikörper besitzen, welche zu einer positiven Kreuzprobe gegen einen verfügbaren verstorbenen Spender führen, sind in der Regel unter den gültigen Organallokationsrichtlinien mit der derzeitig verfügbaren Desensibilisierungsbehandlung nur schwer bzw. gar nicht transplantierbar.
- Imlifidase soll durch die Zerstörung der HLA-Antikörper für diese Personen eine Transplantation ermöglichen.
- Eine vergleichende Bewertung der Studienergebnisse ist aufgrund des einarmigen Designs der Studien S-03, S-04, S-06, S-13 und S-14 jedoch nicht möglich.
- Damit ist eine Quantifizierung des Zusatznutzens auf der Grundlage der vorgelegten Daten nicht möglich.
- In der Gesamtschau verbleibt ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
Zugehörige Verfahren
| Imlifidase (1) | Idefirix® | Hansa Biopharma AB | Desensibilisierung bei Nierentransplantation | 3–69 | 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan |
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