Glycopyrroniumbromid (1) – Sialanar®
Sialorrhö
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.04.2018 – Zulassung: 15.09.2016 |
|---|---|
| Beschluss | 20.09.2018 |
| Wirkstoff | Glycopyrroniumbromid |
| Handelsname | Sialanar® |
| Pharm. Unternehmer |
Dossier: Proveca Limited
Neuer Inverkehrbringer: Proveca Pharma Ltd. |
| G-BA Vorgangsnummer | D-352 |
| ATC-Code | A03AB02 Synthetische Anticholinergika, quartäre Ammonium-Verbindungen (A03AB) |
| ICD-10 Codes (AIS) | K11.7Störungen der Speichelsekretion |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I5437Gesteigerter Speichelfluss |
| DDD Tagesdosis | 2.4 mg oral |
| Therapeutisches Gebiet | Sonstiges Sialorrhö |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Regulatorischer Status | PUMA |
| Besonderheit | Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Symptomatische Behandlung von schwerer Sialorrhö (chronischer krankhaft gesteigerter Speichelfluss) bei Kindern und Jugendlichen ab 3 Jahren mit chronischen neurologischen Erkrankungen. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Kinder und Jugendliche ab 3 Jahren mit chronischen neurologischen Erkrankungen, zur symptomatischen Behandlung von schwerer Sialorrhö | Best-Supportive-Care |
Studien und Ergebnisse
|
Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
2 (Zeller 2012a, Mier) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
|
Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Zeller 2012a ist eine randomisierte kontrollierte, doppelblinde, parallele Phase-III-Studie zum Vergleich von Glycopyrroniumbromid mit Placebo.
- Mier 2000 ist eine randomisierte kontrollierte, doppelblinde, Cross-over-Studie.
- Zeller 2012b ist eine einarmige, offene Studie.
a) Bei Kindern und Jugendlichen ab 3 Jahren mit chronischen neurologischen Erkrankungen zur symptomatischen Behandlung von schwerer Sialorrhö (chronischer krankhaft gesteigerter Speichelfluss)
- Im Ergebnis stellt der G-BA auf Basis der Kriterien in § 5 Absatz 7 der AM-NutzenV einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen für Glycopyrroniumbromid zur symptomatischen Behandlung von schwerer Sialorrhö bei Kindern und Jugendlichen ab 3 Jahren mit chronischen neurologischen Erkrankungen im Vergleich zu Placebo fest.
- Mortalität
- Es traten keine Todesfälle in den Studien Zeller 2012a und Mier 2000 auf.
- Damit besteht im Hinblick auf die Mortalität kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen.
- Morbidität - Modified Teacher's Drooling Scale (mTDS)
- Die modified Teacher's Drooling Scale (mTDS) erfasst gleichzeitig Frequenz und Schwere der Hypersalivation.
- Die Studienergebnisse für den Endpunkt mTDS aus der Studie Mier 2000 können aufgrund methodischer Unsicherheiten nicht für die Nutzenbewertung herangezogen werden.
- Verwertbare Daten für den patientenrelevanten Endpunkt mTDS liegen nur für die Studie Zeller 2012a vor.
- Beide Auswertungsstrategien zeigen für den Endpunkt mTDS einen gleichgerichteten signifikanten Effekt zugunsten von Glycopyrroniumbromid (Hedges‘ g: 1,55 [0,79; 2,30] bzw. 1,42 [0,68; 2,16]).
- Auf dieser Basis kann nicht hinreichend sicher abgeschätzt werden, wie groß das Ausmaß des Vorteils für den Patienten ist.
- Das Ergebnis im Endpunkt mTDS wird daher insgesamt als nicht quantifizierbar eingestuft.
- Es liegen keine weiteren Daten für die Kategorie Morbidität vor.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Es wurde weder im Rahmen der Studie Zeller 2012a noch der Studie Mier 2000 Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität erhoben.
- Es liegen damit für diese Endpunktkategorie keine auswertbaren Daten vor.
- Nebenwirkungen
- Für die patientenrelevanten Endpunkte SUE, UE und Abbruch wegen UE wurden für die Studie Zeller 2012a deskriptiv Werte für beide Behandlungsgruppen berichtet.
- Für die Studie Mier 2000 liegen für den Endpunkt SUE keine auswertbaren Daten vor, während für UE bzw. Abbruch wegen UE hohe Werte in der Interventionsgruppe auftraten.
- Die PT der Studie Zeller 2012a, die eine absolute Differenz von ≥ 10 % zwischen den beiden Behandlungsgruppen aufweisen, umfassen Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Somnolenz und Harnretention sowie die PT Erbrechen, Infektionen der oberen Atemwege, Nasenverstopfung, Husten und Ausschlag.
- In Bezug auf die Studie Mier 2000 umfassen die UE-Begriffe, für die eine absolute Differenz von ≥ 10 % zwischen den beiden Behandlungsgruppen zu verzeichnen war, Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übermäßige Trockenheit von Mund und Sekreten, Harnverhalt, Gesichtsrötung und Verhaltensänderung sowie zusätzlich Erbrechen.
- Bei den Nebenwirkungen verbleiben Unsicherheiten, sodass insgesamt keine abschließende Beurteilung erfolgen kann.
- Gesamtbewertung
- Für die Nutzenbewertung zum Wirkstoff Glycopyrroniumbromid zur symptomatischen Behandlung von schwerer Sialorrhö (chronischer krankhaft gesteigerter Speichelfluss) bei Kindern und Jugendlichen ab 3 Jahren mit chronischen neurologischen Erkrankungen liegen die Ergebnisse aus 2 randomisierten, doppelblinden Studien vor, in welchen Glycopyrroniumbromid im Vergleich zu Placebo bei Kindern und Jugendlichen mit Sialorrhö und einer chronischen neurologischen Erkrankung untersucht wurde.
- Im Hinblick auf die Endpunktkategorie Mortalität besteht weder ein Vor- noch ein Nachteil zwischen den beiden Behandlungsgruppen.
- In der Kategorie Morbidität wurde nur ein patientenrelevanter Endpunkt, der Endpunkt Speichelfluss mittels mTDS, erhoben, für welchen ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Glycopyrroniumbromid besteht.
- Dieser wird als nicht quantifizierbar bewertet.
- Weitere patientenrelevante Endpunkte, wie z.B. gesundheitsbezogene Lebensqualität, wurden nicht erhoben.
- In der Kategorie Nebenwirkungen kann insgesamt keine abschließende Beurteilung erfolgen.
- In der Gesamtschau verbleibt ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen in der Kategorie Morbidität, der nicht durch Ergebnisse in anderen Endpunktkategorien infrage gestellt wird.
Zugehörige Verfahren
| Glycopyrroniumbromid (1) | Sialanar® | Proveca Limited | Sialorrhö | 2.800–3.100 | 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen |
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