Gilteritinib (1) – Xospata®

Akute myeloische Leukämie, FLT3-Mutation

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.12.2019 – Zulassung: 24.10.2019
Beschluss 14.05.2020
Wirkstoff Gilteritinib
Handelsname Xospata®
Pharm. Unternehmer Astellas Pharma GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-503
ATC-Code L01EX13 Andere Proteinkinase-Inhibitoren (L01EX)
ICD-10 Codes (AIS) C92.00Akute myeloblastische Leukämie (AML): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.01Akute myeloblastische Leukämie (AML): In kompletter Remission, C92.40Akute Promyelozyten-Leukämie (PCL): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.41Akute Promyelozyten-Leukämie (PCL): In kompletter Remission, C92.50Akute myelomonozytäre Leukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.51Akute myelomonozytäre Leukämie: In kompletter Remission, C92.60Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.61Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität: In kompletter Remission, C93.00Akute Monoblasten-/Monozytenleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C93.01Akute Monoblasten-/Monozytenleukämie: In kompletter Remission, C94.00Akute Erythroleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C94.01Akute Erythroleukämie: In kompletter Remission, C94.20Akute Megakaryoblastenleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C94.21Akute Megakaryoblastenleukämie: In kompletter Remission
Alpha-ID Codes (AIS) I116143AML M3, I116148AML M4, I116154Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität, I116156Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität in kompletter Remission, I116160AML M5, I116163Akute Monoblastenleukämie in kompletter Remission, I116182Akute myeloische Leukämie, M7, I17638Akute myeloische Leukämie, I24192Akute Erythroleukämie, I31089Akute myeloische Leukämie in kompletter Remission, I31106Akute promyelozytäre Leukämie in kompletter Remission, I31107Akute myelomonozytäre Leukämie in kompletter Remission, I31124Akute Erythroleukämie in kompletter Remission, I31131Akute Megakaryoblastenleukämie in kompletter Remission
ORPHAcodes (AIS) 520AML M3, 517AML M4, 98831Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität, 98831Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität in kompletter Remission, 514AML M5, 514Akute Monoblastenleukämie in kompletter Remission, 518Akute myeloische Leukämie, M7, 519Akute myeloische Leukämie, 318Akute Erythroleukämie, 519Akute myeloische Leukämie in kompletter Remission, 520Akute promyelozytäre Leukämie in kompletter Remission, 517Akute myelomonozytäre Leukämie in kompletter Remission, 318Akute Erythroleukämie in kompletter Remission, 518Akute Megakaryoblastenleukämie in kompletter Remission
DDD Tagesdosis 0.12 g oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Akute myeloische Leukämie (AML) Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

XOSPATA ist angezeigt als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidivierter oder refraktärer akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer FLT3-Mutation.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Patienten mit rezidivierter oder refraktärer akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer FLT3-Mutation – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (ADMIRAL)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

Erwachsene Patienten mit rezidivierter oder refraktärer akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer FLT3-Mutation

  • Im Ergebnis stellt der G-BA fest, dass in der Behandlung von Patienten mit rezidivierter oder refraktärer AML mit einer FLT3-Mutation für Gilteritinib ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen im Vergleich zu einer Salvage-Chemotherapie vorliegt.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben war in der Studie ADMIRAL definiert als die Zeit zwischen Randomisierung und Tod jeglicher Ursache.
    • Die Behandlung mit Gilteritinib führte im Vergleich zur Salvage-Chemotherapie zu einem statistisch signifikanten Vorteil im Gesamtüberleben (Hazard Ratio (HR) = 0,64; 95 %-KI [0,49; 0,83], p-Wert = 0,0007).
    • Die mediane Überlebenszeit liegt für Gilteritinib bei 9,3 [7,7; 10,7] Monaten im Vergleich zur Salvage-Chemotherapie mit 5,6 [4,7; 7,3] Monaten, womit sich eine Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens um 3,7 Monate ergibt.
    • Die durchgeführten Sensitivitätsanalysen bestätigen das Ergebnis. Insbesondere für die stratifizierte Analyse mit Zensierung bei HSZT sowie die unstratifizierte Analyse mit Zensierung bei Folgetherapie zeigte sich ein statistisch relevanter Vorteil von Gilteritinib im Vergleich zur Salvage-Chemotherapie.
    • Vor dem Hintergrund der bekannten schlechten Prognose für die Patienten im Anwendungsgebiet, die sich auch in der vorliegenden Studie ADMIRAL durch kurze Überlebenszeiten zeigt, wird das Ausmaß des Effektes von Gilteritinib auf die Überlebenszeit als eine beträchtliche Verbesserung gewertet.
  • Morbidität - Remission
    • Der Endpunkt vollständige Remission (CR) ist ein wichtiger Prognosefaktor und relevant für die Therapieentscheidung.
    • In der Studie ADMIRAL wurde der Endpunkt CR anhand der Cheson-Kriterien durch Untersuchungen des Blutes und Knochenmarks erfasst.
    • Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten werden zudem als nicht valide eingestuft, da von einer deutlichen Verzerrung aufgrund fehlender Werte, insbesondere im Kontrollarm, ausgegangen werden muss.
    • Die Ergebnisse zum Endpunkt Remission werden für die vorliegende Bewertung nicht berücksichtigt.
  • Morbidität - Rate der hämatopoetischen Stammzelltransplantationen
    • Bezüglich der Rate der hämatopoetischen Stammzelltransplantationen (HSZT) liegt ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Gilteritinib vor.
    • Eine HSZT erhielten 25,5 % der Patienten im Gilteritinib-Arm und 15,3 % der Patienten im Salvage-Chemotherapie-Arm.
    • Aussagen zu patientenrelevanten therapeutischen Effekten von Gilteritinib lassen sich anhand dieses Endpunktes, aufgrund fehlender Informationen zu den Bedingungen bzw. Gründen für oder gegen die Durchführung einer HSZT sowie aufgrund der unterschiedlichen Operationalisierung in den Behandlungsarmen nicht ableiten.
    • Es wird keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens hergeleitet.
  • Morbidität - Patientenberichtete Endpunkte
    • Zur Erfassung patientenberichteter Endpunkte zur Bewertung der Morbidität wurden in der Studie ADMIRAL die Fragebögen Brief Fatigue Inventory (BFI), Items zu leukämiespezifischen Symptomen, der Functional Assessment of Chronic Illness Therapy – Dyspnea-Short-Form (FACIT-Dys-SF) und die Visuelle Analogskala des EuroQol-5-Dimensions-Fragebogens (EQ-5D-VAS) eingesetzt.
    • Im Gilteritinib-Arm haben > 70 % der Patienten die Fragebögen (mit Ausnahme des FACIT-Dys-SF) zu Beginn des zweiten und dritten Therapie-Zyklus ausgefüllt. In der Kontrollgruppe betrugen die Rücklaufquoten dagegen zu Beginn des zweiten Therapiezyklus nur 10-13 %.
    • Aufgrund des sehr hohen Anteils fehlender Daten und dem großen Unterschied zwischen den beiden Studienarmen sind die Ergebnisse dieser Endpunkte nicht valide und für die Nutzenbewertung nicht verwertbar.
    • Auf dieser Basis kann keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens für die patientenberichteten Endpunkte zur Bewertung der Morbidität hergeleitet werden.
  • Lebensqualität
    • Zur Erfassung der Lebensqualität wurden in der Studie ADMIRAL der Functional Assessment of Cancer Therapy – Leukemia (FACT-Leu) eingesetzt.
    • Analog zu den patientenberichteten Endpunkten der Morbidität war die Rücklaufquote für den FACT-Leu in der Kontrollgruppe so gering und der Unterschied in beiden Therapiearmen damit so groß, dass daraus keine validen Ergebnisse abgeleitet werden können.
    • Somit kann keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens für die Lebensqualität hergeleitet werden.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UEs)
    • Bei nahezu allen Patienten traten unerwünschte Ereignisse (UE) auf.
    • Die Ergebnisse zum Endpunkt UE werden daher nur ergänzend dargestellt.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Nutzenbewertung von Gilteritinib als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidivierter oder refraktärer AML mit einer FLT3-Mutation liegen aus der Studie ADMIRAL Ergebnisse zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen vor.
    • Die Behandlung mit Gilteritinib führte im Vergleich zu einer Salvage-Chemotherapie zu einem statistisch signifikanten Vorteil im Gesamtüberleben, was als eine moderate Verlängerung der Lebensdauer gewertet wird.
    • Vor dem Hintergrund der bekannten schlechten Prognose für die Patienten im Anwendungsgebiet, die sich auch in der vorliegenden Studie ADMIRAL durch kurze Überlebenszeiten zeigt, wird das Ausmaß des Effektes von Gilteritinib auf die Überlebenszeit als eine beträchtliche Verbesserung gewertet.
    • Eine Bewertung des Einflusses von Gilteritinib auf die patientenberichteten Endpunkte der Morbidität kann aufgrund des hohen Anteils fehlender Daten speziell im Salvage-Chemotherapie-Arm und den damit verbundenen großen Unterschieden zwischen den Behandlungsarmen nicht vorgenommen werden.
    • Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität liegen analog zu den patientenberichteten Endpunkten der Morbidität aufgrund des hohen Anteils fehlender Daten speziell im Salvage-Chemotherapie-Arm und den damit verbundenen großen Unterschieden zwischen den Behandlungsarmen keine validen Daten vor.
    • Für die Nebenwirkungen lassen sich aufgrund der kurzen Beobachtungsdauer im Vergleichsarm nur auf Basis der Ereigniszeitanalysen vergleichende Aussagen für den Zeitraum der ersten 2 Monate der Therapie ableiten.
    • Zusätzlich erschwert die hohe Anzahl an Zensierungen die Interpretation der Ergebnisse.
    • Vergleichende Aussagen zu längerfristig auftretenden Nebenwirkungen können auf Basis der Daten nicht getroffen werden.
    • In der Gesamtbetrachtung der Endpunktkategorie Nebenwirkungen lassen sich somit keine Vor- oder Nachteile für Gilteritinib feststellen.

Zugehörige Verfahren

Gilteritinib (1) Xospata® Astellas Pharma GmbH Onkologische Erkrankungen Akute myeloische Leukämie, FLT3-Mutation 220–580 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen Orphan


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