Garadacimab (1) – Andembry®
Hereditäres Angioödem, Prophylaxe, ≥ 12 Jahre
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.03.2025 – Zulassung: 10.02.2025 |
|---|---|
| Beschluss | 21.08.2025 |
| Wirkstoff | Garadacimab |
| Handelsname | Andembry® |
| Pharm. Unternehmer | CSL Behring GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-1169 |
| ATC-Code | B06AC07 Mittel zur Behandlung des Hereditären Angioödems (B06AC) |
| ICD-10 Codes (AIS) | D84.1Defekte im Komplementsystem |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I1966Hereditäres Angioödem |
| Therapeutisches Gebiet | Sonstiges Hereditäres Angioödem (HAE) |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
ANDEMBRY wird bei erwachsenen und jugendlichen Patienten ab 12 Jahren zur routinemäßigen Prophylaxe wiederkehrender Attacken des hereditären Angioödems (hereditary angioedema, HAE) angewendet. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene mit wiederkehrenden Attacken des hereditären Angioödems | Eine Routine-Prophylaxe mit einem C1-Esterase-Inhibitor oder Lanadelumab oder Berotralstat |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (VANGUARD) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. Nicht-ZVT + indirekter Vergleich (Bucher) |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Die Studie VANGUARD ist eine doppelblinde, randomisierte, kontrollierte Studie, in der Garadacimab gegenüber Placebo bei Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen mit HAE Typ I oder II verglichen wird.
- Die Studien APeX-2 und APeX-J sind doppelblinde, randomisierte Studien zum Vergleich von Berotralstat gegenüber Placebo bei Jugendlichen ab 12 Jahren und bei Erwachsenen mit HAE Typ I oder II.
Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene mit wiederkehrenden Attacken des hereditären Angioödems
- Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen.
- In der Gesamtschau wurden auf Basis eines adjustierten indirekten Vergleiches somit ausschließlich Vorteile von Garadacimab gegenüber Berotralstat gezeigt, die im Ausmaß insgesamt als beträchtlich eingestuft werden.
- Da die Ergebnisse auf einem adjustierten indirekten Vergleich beruhen, ist die Aussagesicherheit insgesamt jedoch eingeschränkt.
- Für Garadacimab wird daher bei Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen zur Anwendung in der routinemäßigen Prophylaxe wiederkehrender Attacken des hereditären Angioödems ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber Berotralstat festgestellt.
- Mortalität
- Gesamtmortalität
- In den Studien VANGUARD sowie APeX-2 und APeX-J traten jeweils keine Todesfälle auf.
- Morbidität - HAE-Attacken (monatliche Rate)
- Die monatliche Rate der HAE-Attacken wurde operationalisiert als die Anzahl der HAE-Attacken dividiert durch die Beobachtungsdauer der Teilnehmenden (in Tagen) ab Behandlungsbeginn multipliziert mit 30,4375 Tagen (Studie VANGUARD) bzw. 28 Tagen (Studien APeX-2 und APeX-J).
- Für den Endpunkt „monatliche Rate der HAE-Attacken“ zeigt sich im adjustierten indirekten Vergleich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Garadacimab im Vergleich zu Berotralstat.
- Morbidität - Attackenfreiheit
- In den Studien war der Endpunkt „Attackenfreiheit“ als der Anteil der Patientinnen und Patienten ohne HAE-Attacken während der Behandlungsphase von 26 Wochen in der Studie VANGUARD und 24 Wochen in den Studien APeX-2 und APeX-J definiert.
- Für den Endpunkt „Attackenfreiheit“ zeigt sich im adjustierten indirekten Vergleich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Garadacimab und Berotralstat.
- Morbidität - Aktivitätsbeeinträchtigung (erhoben mittels WPAI Frage 6)
- Der Work Productivity and Activity Impairment (WPAI) dient der Erfassung von Beeinträchtigungen der Arbeitsproduktivität und Aktivitäten.
- Für den Endpunkt Aktivitätsbeeinträchtigung (erhoben mittels WPAI Frage 6) zeigt sich im adjustierten indirekten Vergleich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Garadacimab im Vergleich zu Berotralstat.
- Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D Visuelle Analogskala)
- Der Gesundheitszustand wurde in den Studien mittels der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D Fragebogens erhoben.
- Für den Endpunkt Gesundheitszustand, erhoben anhand der VAS des EQ-5D, zeigt sich im adjustierten indirekten Vergleich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Garadacimab im Vergleich zu Berotralstat.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität - Angioedema-Quality-of-Life (AE-QoL)
- Der AE-QoL ist ein krankheitsspezifisches Instrument zur Erfassung der Lebensqualität von Erwachsenen mit wiederkehrenden Angioödemen.
- Für den Endpunkt gesundheitsbezogene Lebensqualität erhoben mittels AE-QoL ergibt sich für den Gesamtscore im adjustierten indirekten Vergleich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Garadacimab im Vergleich zu Berotralstat.
- Nebenwirkungen - Schwere unerwünschte Ereignisse (SUE) und Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse (UE)
- Für den Endpunkt SUE zeigt sich im adjustierten indirekten Vergleich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Garadacimab und Berotralstat.
- Für den Endpunkt Abbruch wegen UE zeigt sich im adjustierten indirekten Vergleich ebenfalls kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Garadacimab und Berotralstat.
- Nebenwirkungen - Schwere UE
- In der Studie VANGUARD wurde der Schweregrad von UE durch die Prüfärztinnen und -ärzte unter Berücksichtigung der Behandlungsbedürftigkeit und Beeinträchtigung der Aktivitäten des täglichen Lebens als mild, moderat oder schwer eingeschätzt. Dies stellt keine adäquate Operationalisierung schwerer UE in Abgrenzung von nicht schweren UE dar.
- Für den indirekten Vergleich liegen somit für den Endpunkt schwere UE für die Intervention Garadacimab aus der Studie VANGUARD keine geeigneten Daten vor.
- Gesamtbewertung
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Garadacimab zur Anwendung in der routinemäßigen Prophylaxe wiederkehrender Attacken des hereditären Angioödems (HAE) liegen Ergebnisse aus einem adjustierten indirekten Vergleich vor.
- Es wurden ausschließlich Patientinnen und Patienten mit HAE Typ I und Typ II untersucht. Demnach lassen sich keine Aussagen zum Zusatznutzen bei Patientinnen und Patienten mit HAE Typ III ableiten.
- In der Kategorie Mortalität traten in den betrachteten Studien keine Todesfälle auf.
- Weiterhin ergeben sich im adjustierten indirekten Vergleich in der Kategorie Morbidität statistisch signifikante Unterschiede für den Endpunkt „Aktivitätsbeeinträchtigung“ (erhoben mittels WPAI Frage 6) und für den Endpunkt „Gesundheitszustand“ (erhoben mittels EQ-5D VAS) jeweils zugunsten von Garadacimab gegenüber Berotralstat.
- In der Kategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität wurden Daten des krankheitsspezifischen Angioedema-Quality-of-Life (AE-QoL) Fragebogens herangezogen. Für den Gesamtscore des AE-QoL ergibt sich im adjustierten indirekten Vergleich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Garadacimab gegenüber Berotralstat.
- In der Kategorie Nebenwirkungen zeigen sich im adjustierten indirekten Vergleich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Garadacimab und Berotralstat.
- In der Gesamtschau wird festgestellt, dass auf Basis eines adjustierten indirekten Vergleiches für die Endpunkte „monatliche Rate der HAE-Attacken“, „Aktivitätsbeeinträchtigung“, „Gesundheitszustand“ und „gesundheitsbezogene Lebensqualität“ positive Effekte von Garadacimab gegenüber Berotralstat gezeigt werden. Insgesamt wird das Ausmaß des Zusatznutzens von Garadacimab gegenüber Berotralstat als beträchtlich eingestuft.
Zugehörige Verfahren
| Garadacimab (1) | Andembry® | CSL Behring GmbH | Hereditäres Angioödem, Prophylaxe, ≥ 12 Jahre | 140–440 | 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen |
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