Galcanezumab (1) – Emgality®

Migräne-Prophylaxe

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.04.2019 – Zulassung: 14.11.2018
Beschluss 19.09.2019
Wirkstoff Galcanezumab
Handelsname Emgality®
Pharm. Unternehmer Dossier: Lilly Deutschland GmbH
Neuer Inverkehrbringer: Organon Healthcare GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-445
ATC-Code N02CD02 CGRP-Antagonisten (N02CD)
ICD-10 Codes (AIS) G43.0Migräne ohne Aura (Gewöhnliche Migräne), G43.1Migräne mit Aura (Klassische Migräne), G43.3Komplizierte Migräne, G43.8Sonstige Migräne, G43.9Migräne, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I3593Migräne ohne Aura, I3596Migräne mit Aura, I3602Komplizierte Migräne, I3604Chronische Migräne, I65924Idiopathische Migräne
DDD Tagesdosis 4 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Nervensystems Migräne (MÄ)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Emgality ist angezeigt zur Migräne-Prophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Unbehandelte erwachsene Patienten und Patienten, die auf mindestens eine prophylaktische Medikation nur unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben oder für diese nicht geeignet sind Metoprolol oder Propranolol oder Flunarizin oder Topiramat oder Amitriptylin unter Berücksichtigung der Zulassung und der Vortherapie
b) Erwachsene Patienten, die auf die medikamentösen Therapien / Wirkstoffklassen Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin nicht ansprechen, für diese nicht geeignet sind oder diese nicht vertragen Valproinsäure[1] oder Clostridium botulinum Toxin Typ A[2] [1 ] Entsprechend Anlage VI zum Abschnitt K der Arzneimittel-Richtlinie: wenn eine Behandlung mit allen anderen dafür zugelassenen Arzneimitteln nicht erfolgreich war oder kontraindiziert ist. [2] Entsprechend der Zulassung nur für die chronische Migräne
c) Erwachsene Patienten, die auf keine der genannten medikamentösen Therapien / Wirkstoffklassen (Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, Valproinsäure, Clostridium botulinum Toxin Typ A) ansprechen, für diese nicht geeignet sind oder diese nicht vertragen Best-Supportive-Care

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
3 (Evolve-1, Evolve-2, Regain)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Vorbehandlung, Patienten-Eignung

  • Klinische Studien
    • Bei den Studien EVOLVE-1 und EVOLVE-2 handelt es sich jeweils um eine randomisierte, doppelblinde Zulassungsstudie, in denen Galcanezumab + BSC mit Placebo + BSC über einen Zeitraum von 6 Monaten verglichen wurde.
    • Bei der Studie REGAIN handelt es sich um eine randomisierte, doppelblinde Zulassungsstudie, in der Galcanezumab + BSC mit Placebo + BSC über einen Zeitraum von 3 Monaten verglichen wurde.

a) Unbehandelte erwachsene Patienten und Patienten, die auf mindestens eine prophylaktische Medikation nur unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben oder für diese nicht geeignet sind.

  • In der Gesamtschau ist für unbehandelte erwachsene Patienten und Patienten, die auf mindestens eine prophylaktische Medikation nur unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben oder für diese nicht geeignet sind, der Zusatznutzen für Galcanezumab zur Migräneprophylaxe gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
  • Für diese Patientenpopulation wurde seitens des pharmazeutischen Unternehmers keine Studie vorgelegt, die für die Bewertung des Zusatznutzens von Galcanezumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie geeignet gewesen wäre.

b) Erwachsene Patienten, die auf die medikamentösen Therapien / Wirkstoffklassen Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin nicht ansprechen, für diese nicht geeignet sind oder diese nicht vertragen.

  • In der Gesamtschau ist für erwachsene Patienten, die auf die medikamentösen Therapien / Wirkstoffklassen Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin nicht ansprechen, für diese nicht geeignet sind oder diese nicht vertragen, der Zusatznutzen für Galcanezumab zur Migräneprophylaxe gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
  • Für diese Patientenpopulation wurde seitens des pharmazeutischen Unternehmers keine Studie vorgelegt, die für die Bewertung des Zusatznutzens von Galcanezumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie geeignet gewesen wäre.

c) Erwachsene Patienten, die auf keine der genannten medikamentösen Therapien / Wirkstoffklassen (Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, Valproinsäure, Clostridium botulinum Toxin Typ A) ansprechen, für diese nicht geeignet sind oder diese nicht vertragen.

  • Mortalität
    • In den Studien EVOLVE-1, EVOLVE-2 und REGAIN traten keine Todesfälle auf.
  • Morbidität - Symptomatik (Migränetage pro Monat)
    • Der primäre Endpunkt der Studie war die Veränderung der Anzahl der Migränetage/Monat im Vergleich zur Baselinephase, gemittelt über die 6 Monate der doppelblinden Behandlung.
    • Im Endpunkt „Reduktion der Migränetage um ≥ 50 %“ zeigt sich in der Metaanalyse ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Galcanezumab + BSC gegenüber Placebo + BSC (RR 4,21 [95 % KI 3,39; 5,24]; p-Wert < 0,001).
    • Im Endpunkt „Reduktion der Migränetage um ≥ 75 %“ liegt Heterogenität zwischen den Ergebnissen aus EVOLVE-1/-2 und REGAIN vor. Eine metaanalytische Zusammenfassung ist daher nicht sinnvoll. Allerdings zeigt sich sowohl für die Ergebnisse aus EVOLVE-1/-2 als auch aus der Studie REGAIN jeweils ein statistisch signifikanter Vorteil von Galcanezumab + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC.
    • Im Endpunkt „Reduktion der Migränetage um 100 %“ zeigt sich in der metaanalytischen Betrachtung der Studien EVOLVE-1 und EVOLVE-2 ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Galcanezumab + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC. In der Studie REGAIN erreichte nur ein Patient zu einem Zeitpunkt im Behandlungsraum (Monat 3) eine Reduktion der Migränetage pro Monat um 100 %, sodass eine daraus resultierende Effektschätzung nicht informativ ist.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Anhand des MSQ zeigt sich in der Metaanalyse für alle drei Domänen jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Galcanezumab + BSC gegenüber Placebo + BSC.
    • Zur Beurteilung der klinischen Relevanz der Ergebnisse wird jeweils die standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) in Form von Hedges’g herangezogen. Hierbei liegt das 95 % Konfidenzintervall der SMD für die 3 Domänen jeweils nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereiches von −0,2 bis 0,2. Demzufolge lässt sich nicht mit hinreichender Sicherheit ableiten, dass die Effekte jeweils klinisch relevant sind.
  • Nebenwirkungen - Schwere unerwünschte Ereignisse (SUEs) und Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse (UEs)
    • Während in der Studie EVOLVE-1 keine SUEs aufgetreten sind, wurde in der Studie EVOLVE-2 ein SUE im Placeboarm und in der Studie REGAIN ein SUE im Galcanezumabarm beobachtet.
    • Abbrüche wegen UEs sind in den Studien EVOLVE-1 und EVOLVE-2 nicht aufgetreten. In der Studie REGAIN brach ein Patient im Placeboarm die Therapie wegen UEs ab.
    • Es ergibt sich für diese Endpunkte jeweils kein höherer oder geringer Schaden von Galcanezumab + BSC gegenüber Placebo + BSC.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigen sich für die Endpunkte „Reduktion der Migränetage pro Monat um ≥ 50 %, ≥ 75 % und 100 %“ jeweils statistisch signifikante und im Ausmaß beträchtliche Vorteile zugunsten einer Therapie mit Galcanezumab + BSC gegenüber Placebo + BSC.
    • In der Endpunktkategorie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigen sich anhand der herangezogenen Mittelwertdifferenzen für alle drei Domänen des MSQ zwar statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Galcanezumab + BSC gegenüber Placebo + BSC, es lässt sich jedoch nicht mit hinreichender Sicherheit ableiten, dass die Effekte jeweils klinisch relevant sind.
    • In der Kategorie der Nebenwirkungen lassen sich für Galcanezumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie BSC keine Vor- oder Nachteile ableiten.
    • In der Gesamtschau ergeben sich in der Endpunktkategorie Morbidität für Galcanezumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie im Rahmen von drei randomisierten, doppelblinden und direktvergleichenden Studien ausschließlich positive Effekte, denen keine negativen Ergebnisse aus anderen Kategorien gegenüberstehen.
    • Aus diesen Erwägungen heraus, auf Basis der Angaben im Dossier und der Ergebnisse der Nutzenbewertung erachtet der G-BA den Zusatznutzen für Galcanezumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Best Supportive Care zur Migräneprophylaxe bei erwachsenen Patienten, die auf keine der genannten medikamentösen Therapien / Wirkstoffklassen (Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, Valproinsäure, Clostridium botulinum Toxin Typ A) ansprechen, für diese nicht geeignet sind oder diese nicht vertragen, als bisher nicht erreichte deutliche Verbesserung des therapierelevanten Nutzens und stuft das Ausmaß des Zusatznutzens als beträchtlich ein.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigen sich für die Endpunkte „Reduktion der Migränetage pro Monat um ≥ 50 %, ≥ 75 % und 100 %“ jeweils statistisch signifikante und im Ausmaß beträchtliche Vorteile zugunsten einer Therapie mit Galcanezumab + BSC gegenüber Placebo + BSC.
    • In der Endpunktkategorie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigen sich anhand der herangezogenen Mittelwertdifferenzen für alle drei Domänen des MSQ zwar statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Galcanezumab + BSC gegenüber Placebo + BSC, es lässt sich jedoch nicht mit hinreichender Sicherheit ableiten, dass die Effekte jeweils klinisch relevant sind.
    • In der Kategorie der Nebenwirkungen lassen sich für Galcanezumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie BSC keine Vor- oder Nachteile ableiten.
    • In der Gesamtschau ergeben sich in der Endpunktkategorie Morbidität für Galcanezumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie im Rahmen von drei randomisierten, doppelblinden und direktvergleichenden Studien ausschließlich positive Effekte, denen keine negativen Ergebnisse aus anderen Kategorien gegenüberstehen.
    • Aus diesen Erwägungen heraus, auf Basis der Angaben im Dossier und der Ergebnisse der Nutzenbewertung erachtet der G-BA den Zusatznutzen für Galcanezumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Best Supportive Care zur Migräneprophylaxe bei erwachsenen Patienten, die auf keine der genannten medikamentösen Therapien / Wirkstoffklassen (Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, Valproinsäure, Clostridium botulinum Toxin Typ A) ansprechen, für diese nicht geeignet sind oder diese nicht vertragen, als bisher nicht erreichte deutliche Verbesserung des therapierelevanten Nutzens und stuft das Ausmaß des Zusatznutzens als beträchtlich ein.

Zugehörige Verfahren

Galcanezumab (1) Emgality® Lilly Deutschland GmbH Krankheiten des Nervensystems Migräne-Prophylaxe 1.443.400–1.471.000 1.0% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen


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