Fosdenopterin (1) – Nulibry®

Molybdän-Cofaktor-Mangel Typ A

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.03.2025 – Zulassung: 15.09.2022
Beschluss 04.09.2025
Wirkstoff Fosdenopterin
Handelsname Nulibry®
Pharm. Unternehmer Sentynl Therapeutics
G-BA Vorgangsnummer D-1100
ATC-Code A16AX19 Sonstige Mittel für das alimentäre System und den Stoffwechsel (A16AX)
ICD-10 Codes (AIS) E72.1Störungen des Stoffwechsels schwefelhaltiger Aminosäuren
Alpha-ID Codes (AIS) I120056Sulfitoxidasemangel durch Molybdän-Kofaktor-Mangel Typ A
ORPHAcodes (AIS) 308386Sulfitoxidasemangel durch Molybdän-Kofaktor-Mangel Typ A
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Nervensystems Molybdän-Cofaktor-Mangel Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Regulatorischer Status Bedingte Zulassung (CMA)
Besonderheit Ende Patent-/Unterlagenschutz

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Nulibry wird angewendet zur Behandlung von Patienten mit Molybdän-Cofaktor-Mangel (MoCD) Typ A.

Patientengruppe Indikation ZVT
Patientinnen und Patienten mit Molybdän-Cofaktor-Mangel (MoCD) Typ A – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
3 (MCD-501, MCD-201, MCD-202)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
Single-Arm + sonstiger Vergleich
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Die Studie MCD-501 stellt eine retrospektive Datenerhebung aus Patientenakten zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit von rcPMP bei Patientinnen und Patienten mit MoCD, die im Rahmen eines „Named-Patient Treatment Plans“ mit rcPMP behandelt wurden, dar.
    • Die Studie MCD-201 ist eine prospektive einarmige Phase-II-Studie zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit von Fosdenopterin bei pädiatrischen Patientinnen und Patienten mit MoCD Typ A, die mit rcPMP vorbehandelt waren.
    • Die Studie MCD-202 stellt eine prospektive einarmige Phase-II/III-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Fosdenopterin bei pädiatrischen Patientinnen und Patienten bis zu einem Alter von 5 Jahren mit MoCD Typ A dar.

Patientinnen und Patienten mit Molybdän-Cofaktor-Mangel (MoCD) Typ A

  • Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
  • In der Gesamtschau wird ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen von Fosdenopterin zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Molybdän-Cofaktor-Mangel (MoCD) Typ A festgestellt, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
  • Mortalität
    • In den drei Studien wurden Todesfälle im Rahmen der Sicherheitserhebung erfasst.
    • In der Studie MCD-501 (bewertungsrelevante Teilpopulation N = 4) lag die mediane Behandlungszeit von rcPMP bei 17,5 Tagen (min; max: 6; 451). Es traten 2 Todesfälle auf. Die anderen 2 Patientinnen bzw. Patienten sind aufgrund einer schlechten Prognose vorzeitig aus der Studie ausgeschieden. Es ist unklar, ob diese Personen noch leben.
    • In der Studie MCD-201 (N = 8) lag die mediane Behandlungszeit von Fosdenopterin zum vorliegenden Datenschnitt vom 16. September 2022 bei 86,0 Monaten (min; max: 29,3; 94,7). Es wurden keine Todesfälle verzeichnet.
    • In der Studie MCD-202 (N = 3) lag die mediane Behandlungszeit von Fosdenopterin zum vorliegenden Datenschnitt vom 16. September 2022 bei 17,1 Monaten (min; max: 0,3; 72,2). Es wurden bis dahin keine Todesfälle verzeichnet. Eine Patientin bzw. ein Patient ist nach 9 Tagen nach ärztlichem Ermessen aufgrund schlechter neurologischer Prognose aus der Studie ausgeschieden. Ob diese Person noch lebt, kann den Angaben aufgrund der zu kurzen Nachbeobachtungsdauer nicht entnommen werden.
    • Auf Basis der einarmigen Daten zur Mortalität kann keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens von Fosdenopterin getroffen werden.
  • Morbidität - Nahrungsaufnahme
    • Im Dossier wurde der Endpunkt als dichotome Variable mit den Kategorien „oral“ bzw. „nichtoral“ dargestellt.
    • Für die Studie MCD-501 liegen keine entsprechenden Ergebnisse vor. In der Studie MCD-201 konnten 5 Patientinnen und Patienten zu Baseline die Nahrung oral aufnehmen, bei 3 Patientinnen und Patienten war eine nicht-orale Nahrungsaufnahme erforderlich. Auch zu Monat 12 erfolgte die Nahrungsaufnahme bei 5 Patientinnen und Patienten oral und bei 3 nicht-oral. Zu Monat 48 nahmen 4 Patientinnen und Patienten die Nahrung oral zu sich, 3 nicht-oral und für eine Patientin bzw. einen Patienten lagen keine Daten vor.
    • In der Studie MCD-202 nahmen zu Baseline 2 Patientinnen und Patienten die Nahrung oral zu sich und eine Patientin bzw. ein Patient nicht-oral. Zu Monat 12 nahmen weiterhin 2 Patientinnen und Patienten die Nahrung oral zu sich zu und für eine Patientin bzw. einen Patienten lagen keine Ergebnisse vor.
  • Morbidität - Motorische Funktionsfähigkeit mittels Gross Motor Function Classification System – Expanded and Revised version (GMFCS-E&R)
    • Der GMFCS-E&R ist ein Instrument zur Erfassung der grobmotorischen Funktionen von Kindern mit Zerebralparese auf der Grundlage ihrer selbst initiierten Bewegung.
    • Es liegen keine Ergebnisse zum GMFCS-R&R für die Studie MCD-501 vor. Die Rücklaufquote für die Studie MCD-501 war zu Baseline und den weiteren Erhebungszeitpunkten < 70 %.
    • In der Studie MCD-201 hatten zu Baseline 3 Patientinnen bzw. Patienten im GMFCS-E&R das Level I (ohne Einschränkungen) und 3 Patientinnen bzw. Patienten das Level V (starke Einschränkungen); die Angaben von 2 Patientinnen bzw. Patienten fehlten. Zu Monat 48 hatten 3 Patientinnen bzw. Patienten das Level I und 4 Patientinnen bzw. Patienten das Level V, zu einer Patientin bzw. einem Patienten lagen keine Daten vor.
  • Morbidität - Körpergröße und -gewicht
    • Anthropometrische Parameter werden insbesondere bei Kindern mit charakteristischen, krankheitsbedingten Wachstumsstörungen als patientenrelevante Morbiditätsparameter eingeschätzt.
    • Für die Studien MCD-501 bzw. MCD-202 liegen keine (MCD-501) bzw. keine geeigneten (MCD-202) Auswertungen zur den Wachstumsparametern vor. In der Studie MCD-201 lag der z-Score zur Körpergröße im Durchschnitt bei -0,51 zu Baseline und bei -0,73 zu Monat 48. Der durchschnittliche z-Score zum Körpergewicht betrug 0,06 zu Baseline und -0,24 zu Monat 48.
  • Lebensqualität
    • Es liegen keine Ergebnisse zur Lebensqualität vor.
  • Nebenwirkungen
    • Für die bewertungsrelevante Teilpopulation der Studie MCD-501 (N = 4) liegen keine Auswertungen vor.
    • In der Studie MCD-201 wurden sämtliche unerwünschten Ereignisse (UE) erfasst, die ab der ersten Einnahme von Fosdenopterin innerhalb von 7 Tagen nach Abbruch der Studie auftraten, in Studie MCD-202 alle UE, die ab der ersten Einnahme von Fosdenopterin bis 28 Tage nach der letzten Gabe der Studienmedikation auftraten.
    • Die mediane Behandlungsdauer der Studie MCD-201 betrug 86 Monate (min; max: 29,3; 94,7). Bis zum vorliegenden Datenschnitt vom 16. September 2022 waren bei allen 8 Patientinnen und Patienten UE aufgetreten. Von diesen wiesen 5 ein schweres UE und 7 ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis (SUE) auf. Therapieabbrüche aufgrund von UE ereigneten sich nicht.
    • Die mediane Behandlungsdauer der Studie MCD-202 betrug 17,1 Monate (min; max: 0,3; 72,2). Bis zum vorliegenden Datenschnitt vom 16. September 2022 waren bei allen 3 Patientinnen und Patienten schwere UE und SUE aufgetreten. Therapieabbrüche aufgrund von UE ereigneten sich nicht.
    • Auf Basis der einarmigen Daten zur Sicherheit kann keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens von Fosdenopterin getroffen werden.
  • Gesamtbewertung
    • Der Nutzenbewertung von Fosdenopterin zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Molybdän-Cofaktor-Mangel (MoCD) Typ A liegen Auswertungen der einarmigen Studien MCD-501, -201 und 202 zugrunde. Es liegen Ergebnisse zur Mortalität, zur Morbidität und zu Nebenwirkungen vor. Aufgrund des einarmigen Studiendesigns lassen sich keine vergleichenden Aussagen treffen.
    • Zusammenfassend ist die Quantifizierung des Ausmaßes des Zusatznutzens von Fosdenopterin auf Basis der vorgelegten Daten nicht möglich. In der Gesamtbewertung der vorliegenden Ergebnisse stuft der G-BA das Ausmaß des Zusatznutzens von Fosdenopterin zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Molybdän-Cofaktor-Mangel (MoCD) Typ A als nicht quantifizierbar ein, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.

Zugehörige Verfahren

Fosdenopterin (1) Nulibry® Sentynl Therapeutics Krankheiten des Nervensystems Molybdän-Cofaktor-Mangel Typ A 2 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan


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