Emtricitabin / Tenofoviralafenamid (1) – Descovy®

HIV-Infektion

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.05.2016 – Zulassung: 21.04.2016
Beschluss 03.11.2016
Wirkstoff Emtricitabin/Tenofoviralafenamid
Handelsname Descovy®
Pharm. Unternehmer Gilead Sciences GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-228
ATC-Code J05AR17 Antivirale Mittel zur Behandlung von HIV Infektionen, Kombinationen (J05AR)
ICD-10 Codes (AIS) B24Nicht näher bezeichnete HIV-Krankheit (Humane Immundefizienz-Viruskrankheit), Z21Asymptomatische HIV-Infektion (Humane Immundefizienz-Virusinfektion)
Alpha-ID Codes (AIS) I24822HIV-Infektion, I29605HIV-Krankheit
DDD Tagesdosis 1 E oral
Therapeutisches Gebiet Infektionskrankheiten HIV
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit Kombinationstherapie

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Descovy wird in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren und mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg) angewendet, die mit dem humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1) infiziert sind.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Nicht antiretroviral vorbehandelte (therapienaive) Erwachsene mit HIV-1-Infektion NRTI-Backbone: Tenofovirdisoproxil plus Emtricitabin oder Abacavir + Lamivudin
b) Nicht antiretroviral vorbehandelte (therapienaive) Jugendliche ab 12 Jahren mit HIV-1-Infektion Efavirenz in Kombination mit Abacavir plus Lamivudin
c) Antiretroviral vorbehandelte (therapieerfahrene) Erwachsene mit HIV-1-Infektion Individuelle antiretrovirale Therapie
d) Antiretroviral vorbehandelte (therapieerfahrene) Jugendliche ab 12 Jahren mit HIV-1-Infektion Individuelle antiretrovirale Therapie

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (Studien 292-0109, 311-1089)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT (off-label)
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Vorbehandlung, Alter

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie GS-US-292-0109 handelt es sich um eine offene, aktiv kontrollierte randomisierte Studie mit antiretroviral vorbehandelten Patienten.

a) nicht antiretroviral vorbehandelte (therapienaive) Erwachsene

  • Für nicht antiretroviral vorbehandelte Erwachsene ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
  • Für die Patientenpopulation der nicht antiretroviral vorbehandelten (therapienaiven) Erwachsenen wurden keine relevanten Daten zur Bewertung des Zusatznutzens von FTC/TAF im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie vorgelegt.

b) nicht antiretroviral vorbehandelte (therapienaive) Jugendliche ab 12 Jahren

  • Für nicht antiretroviral vorbehandelte (therapienaive) Jugendliche ab 12 Jahren ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
  • Für die Patientenpopulation der nicht antiretroviral vorbehandelten Jugendliche ab 12 Jahren wurde eine einarmige und unkontrollierte Studie GS-US-292-0106 vorgelegt. Aufgrund des Studiendesigns (einarmiges Studiendesign, keine zweckmäßige Vergleichstherapie) und der damit einhergehenden geringen Aussagekraft lassen sich keine Aussagen zum Zusatznutzen ableiten.

c) antiretroviral vorbehandelte (therapieerfahrene) Erwachsene

  • Für antiretroviral vorbehandelte (therapieerfahrene) Erwachsene ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
  • Die Bewertung des Zusatznutzens wird deshalb für die Gesamtpopulation der therapieerfahrenen Erwachsenen vorgenommen. Da somit die statistisch signifikanten Ergebnisse nur für eine Untergruppe dieser Patientengruppe zutreffen, deren Relevanz für den Versorgungsalltag fraglich ist, lässt sich für die Gesamtpopulation aus den Daten zu den Nebenwirkungen kein Zusatznutzen oder geringerer Nutzen von FTC/TAF gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableiten.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtmortalität war das Ergebnis der Meta-Analyse statistisch nicht signifikant. Ein Zusatznutzen oder größerer Schaden von FTC/TAF im Vergleich zu FTC/TDF ist für diesen Endpunkt nicht belegt.
  • Morbidität - AIDS-definierende Ereignisse
    • Der Endpunkt AIDS-definierende Ereignisse (CDC Klasse C Ereignisse) setzt sich hauptsächlich aus opportunistischen Infektionen (z.B. Pneumonien) und typischen Tumoren (z.B. Kaposi Sarkom, Lymphome) zusammen, die das Auftreten von AIDS manifestieren.
    • Für den Endpunkt AIDS-definierende Ereignisse zeigt sich in der Meta-Analyse kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Virologisches Ansprechen
    • Der validierte Surrogatparameter „Virologisches Ansprechen (Viruslast)“ ist ebenfalls patientenrelevant.
    • Für das virologische Ansprechen zeigt sich in der Meta-Analyse kein signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - CD4-Zellzahlen
    • Für die CD4-Zellzahl zeigt sich in der Meta-Analyse kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen ab.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
    • Für den Endpunkt Gesundheitszustand zeigt sich in der Meta-Analyse kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - SF-36 - körperlicher Summenscore
    • Für den körperlichen Summenscore des SF-36 zeigt sich in der Meta-Analyse kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - SF-36 - psychischer Summenscore
    • Für den psychischen Summenscore des SF-36 zeigt sich in der Studie GS-US-311-1089 kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen, in der Studie GS-US-292-0109 zeigt sich ein signifikanter Unterschied zu Gunsten von FTC/TAF.
    • Da das 95% Konfidenzintervall nicht vollständig oberhalb der Irrelevanzschwelle von 0,2 liegt, wird der Effekt als nicht klinisch relevant bewertet.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UE
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UE wurden die Studien GS-US-292-0109 und GS-US-311-1089 zum Auswertungszeitpunkt 48 Wochen getrennt betrachtet.
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UE zeigte sich zwar im STB-Stratum der Studie GS-US-292-0109 ein statistisch signifikanter Unterschied zu Gunsten von FTC/TAF. Für die Studie GS-US-311-1089 zeigte sich für diesen Endpunkt kein statistisch signifikanter Unterschied in den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Erkrankungen des Nervensystems
    • Für den Endpunkt Erkrankungen des Nervensystems zeigt sich in der Meta-Analyse ein statistisch signifikanter Unterschied zu Ungunsten von FTC/TAF.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, schwere UE (Grad 3-4), Psychiatrische Erkrankungen, Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes, Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, Erkrankungen der Nieren und Harnwege, Knochenfrakturen
    • Für die oben genannten Endpunkte zeigen sich in der Meta-Analyse keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Für den Endpunkt Psychiatrische Erkrankungen zeigte sich in der Studie GS-US-292-0109 nach 96 Wochen zwar ein statistisch signifikanter Unterschied zu Gunsten von FTC/TAF, dieses Ergebnis ist jedoch aufgrund des offenen Studiendesigns als potenziell hoch verzerrt anzusehen.
    • Der Endpunkt Erkrankungen der Nieren und Harnwege wird vom pharmazeutischen Unternehmer nicht separat betrachtet, sondern als Komponente des Endpunktes Nierenerkrankungen zusammen mit Surrogatparametern aufgeführt.
    • Für den Endpunkt Knochenfrakturen werden die Ergebnisse aufgrund unterschiedlicher Operationalisierungen nicht metaanalytisch zusammengefasst. Auf Einzelstudienebene zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Fazit
    • In der Gesamtschau liegen für die Patienten mit Umstellungsindikation keine Daten vor. Für die Patienten ohne Umstellungsindikation lässt sich in der Kategorie Nebenwirkungen bei meta-analytischer Betrachtung der 48-Wochen-Daten bei dem Endpunkt „Erkrankungen des Nervensystems“ ein statistisch signifikanter Unterschied zu Ungunsten von FTC/TAF feststellen.
    • Zusammenfassend ergibt sich für vorbehandelte, HIV-1-infizierte erwachsene Patienten in der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zu Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und zu den Nebenwirkungen kein Zusatznutzen von FTC/TAF gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
    • Es ist fraglich, ob diese Therapiesituation die regelhafte Versorgung abbildet. Aus den Ergebnissen lässt sich kein Zusatznutzen von FTC/TAF gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableiten.

d) antiretroviral vorbehandelte (therapieerfahrene) Jugendliche ab 12 Jahren

  • Für antiretroviral vorbehandelte (therapieerfahrene) Jugendliche ab 12 Jahren ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
  • Gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie, einer individuellen antiretroviralen Therapie in Abhängigkeit der Vortherapie(n) und unter Berücksichtigung des Grundes für den Therapiewechsel, insbesondere Therapieversagen aufgrund eines virologischen Versagens und etwaig einhergehender Resistenzbildung oder aufgrund von Nebenwirkungen, liegen für antiretroviral vorbehandelten, HIV-1-infizierte Jugendliche ab 12 Jahren keine Daten für Emtricitabin/Tenofoviralafenamid vor.

Zugehörige Verfahren

Emtricitabin / Tenofoviralafenamid (1) Descovy® Gilead Sciences GmbH Infektionskrankheiten HIV-Infektion 63.000 100% Zusatznutzen nicht belegt


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