Decitabin (1) – Dacogen®
Akute myeloische Leukämie
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.11.2012 – Zulassung: 20.09.2012 |
|---|---|
| Beschluss | 02.05.2013 |
| Wirkstoff | Decitabin |
| Handelsname | Dacogen® |
| Pharm. Unternehmer | Janssen-Cilag GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-042 |
| ATC-Code | L01BC08 Pyrimidin-Analoga (L01BC) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C92.00Akute myeloblastische Leukämie (AML): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.01Akute myeloblastische Leukämie (AML): In kompletter Remission, C92.40Akute Promyelozyten-Leukämie (PCL): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.41Akute Promyelozyten-Leukämie (PCL): In kompletter Remission, C92.50Akute myelomonozytäre Leukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.51Akute myelomonozytäre Leukämie: In kompletter Remission, C92.60Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.61Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität: In kompletter Remission, C93.00Akute Monoblasten-/Monozytenleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C93.01Akute Monoblasten-/Monozytenleukämie: In kompletter Remission, C94.00Akute Erythroleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C94.01Akute Erythroleukämie: In kompletter Remission, C94.20Akute Megakaryoblastenleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C94.21Akute Megakaryoblastenleukämie: In kompletter Remission |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I116143AML M3, I116148AML M4, I116154Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität, I116156Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität in kompletter Remission, I116160AML M5, I116163Akute Monoblastenleukämie in kompletter Remission, I116182Akute myeloische Leukämie, M7, I17638Akute myeloische Leukämie, I24192Akute Erythroleukämie, I31089Akute myeloische Leukämie in kompletter Remission, I31106Akute promyelozytäre Leukämie in kompletter Remission, I31107Akute myelomonozytäre Leukämie in kompletter Remission, I31124Akute Erythroleukämie in kompletter Remission, I31131Akute Megakaryoblastenleukämie in kompletter Remission |
| ORPHAcodes (AIS) | 520AML M3, 517AML M4, 98831Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität, 98831Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität in kompletter Remission, 514AML M5, 514Akute Monoblastenleukämie in kompletter Remission, 518Akute myeloische Leukämie, M7, 519Akute myeloische Leukämie, 318Akute Erythroleukämie, 519Akute myeloische Leukämie in kompletter Remission, 520Akute promyelozytäre Leukämie in kompletter Remission, 517Akute myelomonozytäre Leukämie in kompletter Remission, 318Akute Erythroleukämie in kompletter Remission, 518Akute Megakaryoblastenleukämie in kompletter Remission |
| DDD Tagesdosis | 6.43 mg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Akute myeloische Leukämie (AML) Orphan |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Besonderheit | Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Dacogen® ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten ab einem Alter von 65 Jahren mit neu diagnostizierter de novo oder sekundärer akuter myeloischer Leukämie (AML) gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), für die eine Standard-Induktionstherapie nicht in Frage kommt. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene Patienten ab einem Alter von 65 Jahren mit neu diagnostizierter de novo oder sekundärer akuter myeloischer Leukämie (AML) gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), für die eine Standard-Induktionstherapie nicht in Frage kommt | – (Orphan Drug) |
Studien und Ergebnisse
|
Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (DACO-016) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
|
Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Der Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens von Decitabin wird die Studie DACO-016 zugrunde gelegt.
- Bei Studie DACO-016 handelt es sich um eine multizentrische randomisierte kontrollierte offene Vergleichsstudie der Phase III.
- Im Prüfarm wurde Decitabin 20 mg/m2 als einstündige intravenöse Infusion an fünf aufeinander folgenden Tagen (Behandlungszyklus) alle vier Wochen gegeben.
- Im Vergleichsarm wurde die Therapie der Wahl der Patienten (Treatment Choice, TC) nach ärztlicher Beratung angewendet.
erwachsene Patienten ab einem Alter von 65 Jahren mit neu diagnostizierter de novo oder sekundärer akuter myeloischer Leukämie (AML) gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), für die eine Standard-Induktionstherapie nicht in Frage kommt
- Für erwachsene Patienten ab einem Alter von 65 Jahren mit neu diagnostizierter de novo oder sekundärer akuter myeloischer Leukämie (AML) gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), für die eine Standard-Induktionstherapie nicht in Frage kommt, liegt ein geringer Zusatznutzen vor.
- Der G-BA stuft das Ausmaß des Zusatznutzens von Decitabin auf Basis der Kriterien in § 5 Absatz 7 der AM-NutzenV unter Berücksichtigung des Schweregrades der Erkrankung und des therapeutischen Ziels bei der Behandlung der Erkrankung als gering ein.
- Es handelt sich gemäß § 5 Abs. 7 i.V.m. § 2 Abs. 3 AM-NutzenV um eine moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens hinsichtlich der Ergebnisse in der Endpunktkategorie Mortalität/Gesamtüberleben.
- Mortalität
- In der Studie DACO-016 wurde der Endpunkt „Gesamtüberleben“ als primärer Endpunkt erhoben.
- Zum primären Analysezeitpunkt CCO 2009 zeigte sich ein Trend zu einer verlängerten medianen Gesamtüberlebenszeit (2,7 Monate) unter Decitabin gegenüber der TC-Gruppe, der nicht statistisch signifikant war (HR = 0,85; 95 %-KI [0,69; 1,04]).
- Für diese ergänzende Analyse CCO 2010 zeigten die Ergebnisse keine Veränderung hinsichtlich der medianen Überlebenszeit; jedoch erreichten sie, basierend auf einem Log-Rank-Test, eine statistische Signifikanz.
- Die Kaplan-Meier-Kurven kreuzen sich im vorliegenden Fall, was eine Interpretierbarkeit der Ergebnisse erschwert.
- Der Überlebensvorteil von Decitabin gegenüber der Vergleichstherapie wird fast ausschließlich von den osteuropäischen Patienten getragen (45,8 % der eingeschlossenen Patienten), während sich in Frankreich, Spanien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Australien, Kanada und Taiwan kein Effekt zeigte.
- Die Gründe für diesen Unterschied sind unklar; es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass regionale Unterschiede in der Supportivtherapie und Versorgung der Patienten mit AML maßgeblich dazu beigetragen haben, sodass die Anwendbarkeit der Gesamtstudiendaten auf die Situation in Deutschland begrenzt ist und der in der Gesamtstudie erhobene Wert für den medianen Überlebensvorteil für Patienten in Deutschland unter dem Wert von 2,7 Monaten liegen könnte.
- Für den Endpunkt Mortalität wertet der G-BA auch in Ansehung des Schweregrades der Erkrankung das Ausmaß des Zusatznutzens deshalb als gering.
- Die Unsicherheiten in der statistischen Auswertung und der fraglichen Übertragbarkeit der Gesamtstudiendaten auf die deutsche Versorgungssituation weisen in Richtung einer möglicherweise geringeren Effektstärke in Deutschland, sodass sowohl die relativen (HR) als auch die absoluten (mediane Überlebensverlängerung) Vorteile von Decitabin gegenüber der Vergleichstherapie möglicherweise geringer sind, als es die Gesamtstudiendaten anzeigen.
- Es handelt sich bei einem medianen Gesamtüberlebensvorteil kürzer bis maximal 2,7 Monaten um eine bisher nicht erreichte moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens.
- Morbidität - Komplette Remission (CR)
- Eine komplette Remission (CR) verbunden mit einer für den Patienten spürbaren Abnahme von Krankheitssymptomen ist patientenrelevant.
- Der Endpunkt „Komplette Remission“ ist ein wichtiger Prognosefaktor und relevant für die Therapieentscheidung.
- Zur Operationalisierung der CR in der Studie DACO-016 gehören morphologische Kriterien, im Wesentlichen die Blastenzahl, sowie das Kriterium der Transfusionsunabhängigkeit über mindestens eine Woche vor der Feststellung einer kompletten Remission.
- Der kurze Zeitraum von nur einer Woche Transfusionsunabhängigkeit erlaubt keine Beurteilung der Patientenrelevanz des Endpunktes CR.
- Ein statistischer Vergleich zwischen den Therapiearmen wurde für den Endpunkt CR nicht durchgeführt.
- Zudem fehlen Daten zur Dauer der CR.
- Die Aussagekraft der weiteren im Dossier aufgeführten responsebezogenen Endpunkte ist unklar.
- Darüber hinaus liegen für einen hohen Anteil an Patienten keine Auswertungen vor.
- Auf der Grundlage der responsebezogenen Endpunkte (inklusive der CR) können keine Aussagen zur Morbidität und damit zur Quantifizierung des Ausmaßes des patientenrelevanten Zusatznutzens getroffen werden.
- Morbidität - Transfusionsunabhängigkeit
- Die Transfusionsunabhängigkeit ist kein vorab definierter Endpunkt der Studie, sondern wurde im gesamten Verlauf der Studie zu vorgegebenen Zeitpunkten routinemäßig erhoben und post-hoc ausgewertet.
- Er ist ein Kriterium der CR und wird durch sie adäquat berücksichtigt.
- Dieser Endpunkt wird daher für die vorliegende Bewertung nicht herangezogen.
- Lebensqualität - Gesamtgesundheitszustand/-Lebensqualität (Global Health/Quality of Life Status) und Fatigue
- Zur Bewertung des Zusatznutzens hinsichtlich der Lebensqualität liegen für Decitabin Daten des onkologiespezifischen, krankheitsübergreifenden Patientenfragebogens EORTC QLQ-C30 vor.
- Es liegen jeweils die Auswertungen für die Subskala „Gesamtgesundheitszustand/-Lebensqualität (Global Health/Quality of Life Status)“ (Fragen 29 und 30 des EORTC-Fragebogens) und für die Fatigue-Subskala (Fragen 10, 12 und 18 des EORTC-Fragebogens) vor.
- Zum definierten Auswertungszeitpunkt 1. Tag des 3. Zyklus zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
- Aufgrund der geringen Rücklaufquote der Erhebungsbögen (69,1 %) lassen sich keine validen Aussagen zum Ausmaß des Zusatznutzens für den Endpunkt „Lebensqualität“ ableiten.
- Nebenwirkungen
- Den positiven Effekten von Decitabin stehen unerwünschte Ereignisse gegenüber.
- In der Studie DACO-016 war der Anteil an Patienten, bei denen mindestens ein unerwünschtes Ereignis auftrat, gruppenübergreifend weitestgehend vergleichbar.
- Auch für Studienabbrüche und Tod aufgrund unerwünschter Ereignisse waren die Anteile vergleichbar.
- Für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, darunter insbesondere febrile Neutropenien und Pneumonien, waren die Anteile höher in dem Interventionsarm.
- Myelosuppression und unerwünschte Ereignisse in Verbindung mit einer Myelosuppression (insbesondere Thrombozytopenien, Anämien und febrile Neutropenien) sind ihrer Art nach auch für die unbehandelte Erkrankung typisch, treten jedoch unter Decitabin häufiger auf.
- In der Gesamtschau werden die Nebenwirkungen als für die Patienten bedeutend, aber überwiegend als kontrollierbar und behandelbar eingestuft.
- Insbesondere auch unter Berücksichtigung der vorliegenden Schwere der Erkrankung sowie der mangelnden Therapieoptionen führen diese bedeutenden Nebenwirkungen in der Bewertung des G-BA nicht zu einer Herabstufung des Ausmaßes des Zusatznutzens.
Zugehörige Verfahren
| Decitabin (1) | Dacogen® | Janssen-Cilag GmbH | Akute myeloische Leukämie | 300–780 | 100% geringer Zusatznutzen Orphan |
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